Ohne Chemotherapie gegen Blutkrebs

Bei akuter myeloischer Leukämie vermehren sich unreife Blutzellen ungezügelt im Knochenmark. Foto: Andreas Neubauer
Bei akuter myeloischer Leukämie vermehren sich unreife Blutzellen ungezügelt im Knochenmark. Foto: Andreas Neubauer

Wissenschaftler des Universitätsklinikums Freiburg an Erforschung neuer Therapie beteiligt – Veröffentlichung im New England Journal of Medicine

Im Rahmen einer groß angelegten Studie gelang es deutschen und italienischen Wissenschaftlern, eine seltene Unterform von Blutkrebs bei fast 100 Prozent der Patienten zu heilen – und das ganz ohne Chemotherapie.

Jährlich erkranken etwa 300 Menschen in Deutschland an Akuter Promyelozytärer Leukämie (APL). Der Erkrankung liegt ein fehlerhaftes Gen zugrunde, wodurch das krebsverursachende Fusionsprotein PML-RARα entsteht. Dieses Protein behindert die Weiterentwicklung der weißen Blutkörperchen, die das Knochenmark überschwemmen und die normale Blutbildung verdrängen. Die Folge sind Gerinnungsstörungen mit lebensgefährlichen Blutungen oder Blutgerinnseln. Bisher wird die APL mit einer Kombination aus Chemotherapie und dem Vitamin-A-Derivat All-trans Retinsäure (ATRA) behandelt, welches einen Teil des krebsverursachenden Gens gezielt abbaut. Auf diese Weise können bisher etwa 90 Prozent der APL-Patienten geheilt werden.

In einer an 40 italienischen und 27 deutschen Zentren durchgeführten Studie verglichen Forscher über mehrere Jahre die Standardtherapie mit einer neuen Kombination aus ATRA und Arsentrioxid bei über 160 Patienten. Die deutsche Studienleitung übernahmen der Dresdner Hämatologe Prof. Dr. Uwe Platzbecker und Prof. Dr. Richard F. Schlenk aus Ulm, in Italien leitete der Hämatologe Dr. Francesco Lo-Coco aus Rom das Projekt. Auch das Universitätsklinikum Freiburg nahm als aktives Zentrum an der Studie teil.

Die neue Therapie setzt an zwei Stellen des defekten Gens an: Während ATRA den RARα -Teil abbaut, inaktiviert Arsentrioxid den PML-Anteil. Auf diese Weise erreichten die Wissenschaftler Zwei-Jahres-Überlebensraten von 98 Prozent, verglichen mit 91 Prozent bei der Standardtherapie.

Insgesamt träten bei der neuen Therapie zwar etwas häufiger Nebenwirkungen auf, diese seien aber selten lebensbedrohlich, erklärt Prof. Dr. Michael Lübbert, Hämatologe und Onkologe in der Klinik für Innere Medizin I des Universitätsklinikums Freiburg. „Eine reversible Leberschädigung sowie gewisse EKG-Veränderungen waren durch vorübergehendes Absetzen der Arsen- Therapie immer gut beherrschbar“, erklärt Lübbert, der auch an der Studienplanung beteiligt war. Bei der Standardtherapie kam es hingegen gehäuft zu einer Knochenmarksuppression mit Blutbildveränderungen, die zu einem geschwächten Immunsystem und damit lebensbedrohlichen Infekten führte.

Die neue Therapie sei aber nicht nur besser verträglich, sie dauere auch statt zwei Jahren nur sechs Monate und könne zu einem großen Teil ambulant durchgeführt werden. „Das alles bedeutet einen Zugewinn an Lebensqualität für die Patienten“, sagt Lübbert. „Mit Hilfe der neuen Kombinationstherapie aus ATRA und Arsentrioxid konnten wir eine Leukämie ganz ohne Chemotherapie heilen. Sie ist ein exzellentes Beispiel für eine genotyp-gesteuerte und molekular zielgerichtete Therapie.“ Experten sind sich einig, dass die neue Kombinationstherapie die bisherige Standardtherapie bald ablösen wird.

Titel der Originalveröffentlichung: Retinoic Acid and Arsenic Trioxide for Acute Promyelocytic Leukemia doi: 10.1056/NEJMoa1300874

Kontakt:
Prof. Dr. Michael Lübbert
Klinik für Innere Medizin I
Universitätsklinikum Freiburg
Telefon: 0761 270-35340
michael.luebbert@uniklinik-freiburg.de

Pressemitteilung Universitätsklinikum Freiburg, Benjamin Waschow

Grippe bei Krebspatienten


Krebszeitung

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