Organspende in Deutschland nach dem Skandal

Prof. Dr. med. Oliver Hakenberg - Quelle: Wahlers PR
Prof. Dr. med. Oliver Hakenberg - Quelle: Wahlers PR

Die Organspende ist in Deutschland seit dem Organspendeskandal drastisch zurückgegangen. Waren es 2010 insgesamt 754 postmortale Organspenden gewesen, sank diese Zahl 2011 auf 685, dann 2012 auf 648 und wird 2013 nach Hochrechnungen aufgrund der Zahlen im ersten Halbjahr nur 548 betragen (Angaben der Deutschen Stiftung Organspende, DSO).

Der Rückgang gegenüber dem letzten Jahr vor dem Organspendeskandal war 2012 bereits beträchtlich. In diesem Jahr beträgt der Rückgang gegenüber dem Durchschnitt der Jahre 2010 – 2012 somit -21%. Allein in diesem Jahr 2013 kommt es gegenüber dem Vorjahr zu einem weiteren Rückgang von -15%.

Diese nüchternen Zahlen verdeutlichen das Dilemma der Transplantationsmedizin. Schon immer ist der Bedarf an Organspenden in Deutschland größer gewesen, als die tatsächliche Realisierung. Für Patienten auf den Wartelisten bedeutet dies, dass sie länger warten müssen und dass deshalb mehr Patienten vergeblich warten und versterben, obwohl sie durch eine Organspende und Transplantation hätten gerettet werden können.

Der Rückgang der Spendebereitschaft muss klar als Folge des Organspendeskandals angesehen werden; der unmittelbare zeitliche Zusammenhang macht dies deutlich. Mittlerweile sind die Überprüfungen aller Leber-Transplantationszentren abgeschlossen und deren Ergebnisse veröffentlicht worden.

An insgesamt fünf chirurgischen Lebertransplantationszentren waren in der Vergangenheit fehlerhafte Laborwertangaben vorgenommen worden, wodurch Patienten von der eigenen Warteliste vorrangig ein Organangebot erhalten konnten. In Göttingen hat der Prozess gegen einen der Beteiligten Chirurgen begonnen.

Verstärkt durch eine nachhaltige und intensive Fokussierung des Themas Organspendeskandal kam es zu einer heftigen öffentlichen Reaktion. Die Bereitschaft zur Organspende sank drastisch.

Sowohl in der Berichterstattung wie auch in der öffentlichen Wahrnehmung wurde nicht differenziert wahrgenommen, dass der Organspendeskandal ausschliesslich ein Skandal der Lebertransplantation war und auch dort nur wenige Zentren betroffen waren. Bei anderen Organen wie Herz, Lunge oder der Niere und war es zu keinerlei Unregelmäßigkeiten gekommen.

An den urologischen Nierentransplantationszentren sind keinerlei Manipulationen vorgekommen und festgestellt worden. Dennoch ist die Zahl der Nierenspenden ebenfalls drastisch eingebrochen und die Leidtragenden sind diejenigen Patienten, die seit Jahren auf ein Spenderorgan warten. Die Deutsche Gesellschaft für Urologie unterstützt alle Anstrengungen, die Bereitschaft zur Organspende zu fördern. Bei der Nierentransplantation handelt es sich um eine effektive Behandlung, die die Lebenserwartung drastisch erhöht und die Lebensqualität nachhaltig verbessert.

Alle betroffenen Verbände, die Krankenkassen, aber auch die Bundesregierung und die Presse sind aufgefordert, durch nachhaltige Informationskampagnen und durch Aufklärung diese beklagenswerten Folgen des Organspendeskandals rückgangig zu machen.

Referent: Prof. Dr. med. Oliver Hakenberg
Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Urologie e.V.
Aus der Pressekonferenz des DGU-Kongress 2013

Pressemitteilungen der DGU-Kongresspressestelle Bettina-C. Wahlers Sabine M. Glimm

Neoadjuvante Therapie beim invasiven Harnblasenkrebs


Krebszeitung

--Download Organspende in Deutschland nach dem Skandal als PDF-Datei --


  • Schematische Darstellung wie die Leber während der Behandlung vom restlichen Kreislauf abgekoppelt wird. - Quelle: Delcath
    Leberkrebs

    Bei dem Bild handelt es sich um  HO-1 Expression (rot) im humanen HCC - Quelle: PD Dr. Sass, Universitätsklinikum Hamburg-EppendorfDie Diagnose Leberzellkarzinom (Hepatozelluläres Karzinom, HCC) ist für die Betroffenen oftmals der Anfang vom Ende. Das HCC stellt weltweit die dritthäufigste Todesursache durch Tumoren dar. Jährlich versterben mehr als 500.000 Menschen an den Folgen eines HCC, wobei die mittlere Überlebenszeit nach Diagnosestellung durchschnittlich ein Jahr beträgt. Häufig treten Resistenzen gegen Chemotherapeutika auf, die zum Teil auf die Expression des multi-drug resistance protein (MDR1) zurückgeführt werden können. Zur Tumorresistenz könnte aber auch die vermehrte Produktion anderer Schutzproteine in Leberkarzinomzellen beitragen.

    […mehr lesen]

  • Brustkrebsrisiko - © dkfz.de
    Brustkrebs

    Erstmals macht sich ein Mann sich beim kombra-Seminar fit für die Selbsthilfe

    FRANKFURT – Mammakarzinom beim Mann? Dass Brustkrebs keine reine Frauenkrankheit ist, erfahren in Deutschland 500 bis 600 Männer jedes Jahr neu am eigenen Körper. Nie im Leben hätten viele vorher daran gedacht, dass auch Männer an Brustkrebs erkranken können. Wie Peter Jurmeister, 63, der nach dem Duschen plötzlich einen Knubbel unter der Brustwarze bemerkte und zum Hautarzt ging. Dieser schickte ihn damals geistesgegenwärtig nach nebenan in die Frauenarztpraxis.

    […mehr lesen]

Google News – Gesundheit