Osteoporose und Brustkrebs

Gewebeprobe eines Osteosarkoms unter dem Mikroskop: Rot gefärbt sind Immunzellen, die den Tumor attackieren. Dr. Pierre Kunz
Gewebeprobe eines Osteosarkoms unter dem Mikroskop: Rot gefärbt sind Immunzellen, die den Tumor attackieren. Dr. Pierre Kunz

Frau Dr. med. Jutta Semler ist selbst Betroffene und hilft als spezialisierte Ärztin seit Jahrzehnten Osteoporose- Patienten. Während ihres beruflichen Weges stellt sie fest, dass es einen Zusammenhang zwischen Osteoporose und dem Brustkrebs gibt. Diese ihre Erfahrungen mit beiden Krankheiten hat sie in der Folge am eigenen Leib erfahren müssen, als sie erst an Brustkrebs und schließlich auch noch an Osteoporose erkrankte. Anschaulich zeigt sie ihre Lymphgefäßschwellungen, die nach der Entfernung der Lymphknoten in den axialen Bereichen auftraten, während eines Vortrages auf der jedes Jahr in Berlin stattfindenden Onkologischen Fachtagung,

In Deutschland haben wir etwa 7,8 Millionen Menschen, die von Osteoporose betroffen sind. Das sind etwa 25,8% aller über 50jährigen Menschen in unserem Land. Der Anteil der betroffenen Frauen ist dabei etwa vier Mal so hoch, wie der bei Männern. Der Prozentuale Anteil steigt mit dem zunehmenden Alter.

Das Ziel der Osteoporose- Therapie muss in der Verhinderung von Frakturen des Knochens mit dem Zugewinn an Lebensqualität gesehen werden. Das Frakturrisiko muss gesenkt werden. Dies erreicht man z.B. durch die Wahl des richtigen Schuhwerks. Darüber hinaus stehen die verschiedensten Medikamente zur Behandlung der Osteoporose zur Verfügung, die zum einen die Knochenfresszellen in ihrer Aktivität bremsen und zum anderen den Aufbau von neuem Knochenmaterial unterstützen. In jedem Fall muss während der Therapie dafür gesorgt werden, mehr Baumaterial für den Knochenaufbau in Form von Kalzium und Vitamin D bereitzustellen.

Was die Betroffenen Frauen nun absolut nicht brauchen können, sind Mitleid, Vorwürfe oder Sprüche, wie: „Was ich Dir schon immer sagen wollte“. Was diese Frauen brauchen ist freundschaftliches und familiäres Verständnis für die Angst, die sie haben.

Osteoporose ist oft die Folge eines Mammakarzinoms. Beide Erkrankungen entwickeln sich über Jahre hinweg unbemerkt im Körper, bis es zu ersten Symptomen kommt. Während bei der Osteoporose vermehrt Knochenbrüche, die schwer oder gar nicht mehr abheilen, entstehen, zeichnet sich Brustkrebs im fortgeschrittenen Stadien durch Metastasierungen (Absiedelungen) in anderen Organen, wie dem Lymphsystem, der Knochen, Leber, Lunge und Gehirn, aus.

Osteoporose ist eine chronische Erkrankung, bei der eine gesteigerte Brüchigkeit der Knochen entsteht und wird umgangssprachlich als Knochenschwund bezeichnet. Die Erkrankung zeichnet sich durch eine Verschiebung zugunsten der Knochenfresszellen (Osteoklasten) aus, die schneller arbeiten, als die Knochenaufbauzellen ( Osteoblasten und Osteozyten). In der Folge verliert der Knochen auf Dauer an Substanz, wird löcherig und brüchig. Bei der fortgeschrittenen Osteoporose werden die Knochenbälkchen dünner und verschwinden schließlich ganz.

Die vermeidbaren Risiken der Osteoporose sind:

  • Kalzium- und Vitamin D Mangel
  • Untergewicht (BMI < 20kg/m²)
  • Bewegungsmangel
  • Alkoholmissbrauch
  • Rauchen
  • Essstörungen (Magersucht, Bulimie)

Die unvermeidbaren Risiken der Osteoporose sind:

  • Das Geschlecht (weiblich)
  • Hohes Lebenalter
  • Familiäre Veranlagung
  • Geschlechtshormon- Mangel
  • Andere Erkrankungen und
  • Medikamente

Bei den Medikamenten, die zu einer Osteoporose führen können, sind die Aromatasehemmer zu nennen, die oft in der Brustkrebstherapie zum Einsatz kommen.

Die Risiken für Brustkrebs sind ähnlich:

  • Familiäre Disposition
  • Späte Menopause
  • Keine bzw. späte Erstgeburt
  • Alkoholkonsum und Rauchen
  • Übergewicht (im Gegensatz zur Osteoporose)
  • Östrogen- oder Gestragentherapie (Hormonersatztherapie)

Bei beiden Erkrankungen spielt die Verschiebung des Hormonhaushaltes während und nach dem Klimakterium eine große Rolle. Gerade dies wird deutlich, wenn man sich den Anstieg der Neuerkrankungszahlen der über 50 Jahre alten Frauen ansieht.

Hier wird oft die Hormonersatztherapie durch Östrogengaben empfohlen. Wissenschaftliche Studien belegen, dass diese zu einem Risikoanstieg bei der Entwicklung eines Brustkrebses führt, während das Risiko an Osteoporose zu erkranken abnimmt. Bei Frauen, denen die Gebärmutter entfernt wurde, zeigt sich jedoch, dass diese ein geringeres Risiko haben, durch eine Hormonersatztherapie an Brustkrebs zu erkranken.

Deshalb gibt es heute folgende Empfehlungen für die Hormonersatztherapie:

  • Indikation für Frauen mit nicht anders beherrschbaren Wechseljahren- Beschwerden
  • Osteoporose ist keine Indikation
  • Medikation so gering und so kurz wie nötig
  • Kontraindikationen müssen Beachtung finden

Als Ursachen einer Osteoporosenerkrankung nach einem Mammakarzinom sind insbesondere zu nennen:

  • Benötigte Hormone stehen nicht mehr zur Verfügung
  • Chemotherapie mit Cortisongaben
  • Immobilisation z.B. beim !Chronischen Fatique Syndrom“
  • Aromatasehemmer wie z.B.: Anastrozol, Letrozol, Aromasin

Als Chemotherapeutikum für beide Erkrankungen haben sich Gaben von Tamoxifen und Raloxifen herausgestellt, die positive Auswirkungen auf das Knochensystem zeigten. Zdem verhindern sie das Risiko eines invasiven Tumorwachstum oder auch metastasierender Tumorausbreitung.

Pressemitteilung: Detlef Höwing


Krebszeitung

--Download Osteoporose und Brustkrebs als PDF-Datei --


  • Deutsche Bevölkerung hat Angst vor Krebs Grafik: Roche
    Krebsthemen

    Im Jahr 2010 sind in Deutschland 252.400 Männer und 224.900 Frauen an Krebs erkrankt, das hat eine aktuelle Schätzung des Zentrums für Krebsregisterdaten im Robert Koch-Institut gezeigt. Am häufigsten sind bei Männern Prostatakrebs (65.830) und Lungenkrebs (35.040), Frauen sind am häufigsten von Tumoren der Brustdrüse (70.340) und des Darms (28.630) betroffen. Diese und viele weitere Ergebnisse enthält die gerade veröffentlichte 9. Ausgabe von „Krebs in Deutschland“. Die Broschüre wird gemeinsam vom Robert Koch-Institut und der Gesellschaft der epidemiologischen Krebsregister in Deutschland (GEKID) publiziert und erscheint alle zwei Jahre. Als ergänzendes Angebot des RKI ist ab sofort unter www.krebsdaten.de auch eine Datenbank mit individueller Abfragemöglichkeit verfügbar, die jährlich aktualisiert wird.

    Die Zahl der Krebsneuerkrankungen hat zwischen 2000 und 2010 bei Männern um 21 %, bei Frauen um 14 % zugenommen. Dies liegt im Wesentlichen an der steigenden Zahl älterer Menschen im Rahmen des demografischen Wandels. Die altersstandardisierten Erkrankungsraten zeigen, dass es ohne diese demografische Veränderung bei Männern keine Zunahme von Krebsfällen geben würde. Bei Frauen wäre es nur zu einem Anstieg um etwa 7 % gekommen. Hierbei handelt es sich weniger um einen tatsächlichen Anstieg des Krebsrisikos als um einen auch international häufig beobachteten Effekt der Einführung des Mammographie-Screenings. Er ist darauf zurückzuführen, dass zumindest in der Anfangsphase eines solchen Programms mehr Tumoren, vor allem Frühstadien des Brustkrebs, entdeckt werden. Für 2014 ist damit zu rechnen, dass etwa eine halbe Million Menschen (davon ca. 236.000 Frauen) an Krebs erkranken.

    […mehr lesen]

  • Schmerz - pixabay
    Krebskongress 2014

    Deutsche Krebshilfe und Deutsche Krebsgesellschaft fordern flächendeckende psychoonkologische Versorgung

    Berlin, 20. Februar 2014 (gb) – Immer mehr Menschen erhalten die Diagnose Krebs. Etwa ein Drittel der Betroffenen leidet so sehr unter der Erkrankung, dass sie psychologische Hilfe benötigen. Doch bundesweit werden noch nicht alle Patienten adäquat und nach den gleichen Qualitätsstandards versorgt. „Die Deutsche Krebshilfe appelliert an die Gesundheitspolitik und die Kostenträger, sich dem Thema verstärkt zu widmen und die notwendigen Versorgungs-Strukturen in den Krebszentren sowie deren adäquate Finanzierung sicherzustellen“, forderte Gerd Nettekoven, Hauptgeschäftsführer der Deutschen Krebshilfe, heute auf einer Pressekonferenz auf dem Deutschen Krebskongress 2014 in Berlin.

    Professionelle Hilfe ist immer dann erforderlich, wenn die eigenen Ressourcen für die Krankheitsbewältigung nicht ausreichen. Betroffene, die unter Depressionen leiden, brauchen dringend Unterstützung. Und auch sozialer Rückzug, Schlafstörungen, Ängste oder andere psychische Störungen sind Hinweise dafür, dass psychoonkologische Hilfe notwendig sein könnte. Eine umfassende pychoonkologische Betreuung hat das Ziel, dem Betroffenen zu helfen, seine Krankheit aktiv zu bewältigen und zu lernen, mit den Symptomen und den Therapienebenwirkungen besser umzugehen. Eine adäquate psychoonkologische Hilfe umfasst die enge Zusammenarbeit eines Teams von Fachkräften: Ärzte, Psychologen, Pflegende, Sozialarber, Seelsorger und Physiotherapeuten sind notwendig. Selbsthilfegruppen können die Leistungen des professionellen Versorgungssystems sinnvoll ergänzen.

    […mehr lesen]

Google News – Gesundheit