Pankreaskrebs erkennen

Immunzellen (T-Zellen) im Bauchspeicheldrüsenkrebs, die ihre Entzündungsstoffe (Zytokine) über den alternativen p38-Signalweg bilden und dadurch das Tumorwachstum fördern. Pathologisches Institut, Universitätsklinikum Heidelberg
Immunzellen (T-Zellen) im Bauchspeicheldrüsenkrebs, die ihre Entzündungsstoffe (Zytokine) über den alternativen p38-Signalweg bilden und dadurch das Tumorwachstum fördern. Pathologisches Institut, Universitätsklinikum Heidelberg

Wenn Patienten mit ersten Symptomen zum Arzt kommen, hat der Krebs meist schon Metastasen gebildet. Weil es bisher keine Möglichkeit gibt, Bauchspeicheldrüsenkrebs frühzeitig zu erkennen, entwickeln Forscher jetzt eine Methode, mit der sie einzelne „verdächtige“ Zellen wie mit einer biologischen Lupe von außen sichtbar machen. Das sogenannte Molekulare Imaging ist Teil des europäischen Projekts MolDiag-Paca und wird in Deutschland von Prof. Dr. Stephan Hahn (Molekulare Gastroenterologische o­nkologie, Medizinische Fakultät) koordiniert.

Nur ein paar Zellen

Suche im Unsichtbaren
Wo sollen Forscher ansetzen, wenn die Krebsfrühstadien symptomlos verlaufen? Die Idee: Im Randgewebe operativ entfernter Tumore hin zu den gesunden Zellen müssten sich alle Stadien der Krebsentwicklung finden lassen. Tatsächlich bestätigten genetische Untersuchungen die herauspräparierten veränderten Zellen als Vorstufen des Pankreaskarzinoms (Verlust von Chromosomenstücken, Zunahme von Mutationen) und damit zugleich ein vierstufiges Modell der
Krebsentwicklung.

„Protein-Bibliothek“
Da Proteine für Diagnostik und Therapie im Gegensatz zu den Genen bessere Angriffsflächen bieten, wechselten die Forscher dann auf die Proteinebene, d.h. hier auf eine Zwischenstufe von DNA und Protein (mRNA). Mit Hilfe spezieller molekularbiologischer Methoden erstellten sie zunächst eine umfangreiche Liste der in den Vorstufen-Zellen vermehrt vorliegenden mRNA. In dieser „Bibliothek“ hofften sie Informationen (sog. Marker) zu finden, mit denen sich die veränderten Zellen deutlich von den Normalzellen abgrenzen lassen.

Molekulares Imaging: Zwei Verfahren
Von zunächst 2.000 mRNA dieser „Bibliothek“ blieben schließlich fünf Proteine als Marker übrig, mit denen sich die Krebszellen im Organismus finden und markieren lassen sollen. Derzeit entwickeln
die Mediziner zwei Verfahren des Molekularen Imagings: Ein radioaktiv markiertes Diagnostikum erreicht das Zielgewebe über die Blutbahn und wird tomografisch detektiert, oder der Nachweis erfolgt endoskopisch über eine fluoreszenzmarkierte Sonde. „Wir reden hier über nicht allzu viele Zellen und hoffen, genügend Signalstärke an die mikroskopisch kleinen Zellen heranbringen zu können“, sagt Prof. Hahn.

„Die Stecknadel im Heuhaufen“ erforschen
Mit dem Ziel, neue molekulare Techniken zu entwickeln, mit denen sich auch kleinste Mengen an Tumor- und Tumor-Vorläuferzellen im Organismus nachweisen lassen, fördert die Europäische Union seit 2006 das Projekt MolDiag-Paca (Novel molecular diagnostic tools for the prevention and diagnostic of pancreatic cancer). Beteiligt sind neben Deutschland (Marburg, Kiel, Bremen, Ulm, Berlin) auch Großbritannien, Spanien, Italien, Schweden und Estland.

Weitere Informationen:
Prof. Dr. Stephan Hahn, Molekulare Gastroenterologische O­nkologie,
Medizinische Fakultät der Ruhr-Universität, Tel.: 0234/32-29282,
E-Mail: Stephan.Hahn@rub.de

Pressemitteilung von Prof. Dr. Stephan Hahn, Molekulare Gastroenterologische Onkologie der Medizinischen Fakultät der Ruhr-Universität


Krebszeitung

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  • Strahlentherapie - Quelle: Deutsche Krebshilfe
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    Immer mehr Krebspatienten können heute durch Strahlentherapie – allein oder in Kombination mit Chirurgie oder Chemotherapie – geheilt werden. Im Deutschen Krebsforschungszentrum suchen Wissenschaftler der Klinischen Kooperationseinheit Strahlentherapie unter der Leitung von Professor Dr. Dr. Peter Huber nach Möglichkeiten, die Wirksamkeit dieser Behandlungsform weiter zu verbessern. Eine Achillesferse des Tumors, die die Forscher dabei anvisieren, ist die Neubildung von Blutgefäßen, Angiogenese genannt.

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  • Mikroskopische Aufnahme eines Gewebsschnitts durch einen Dickdarmtumor mit Spezialfärbung: Die blau angefärbten Zellen produzieren den Wachstumsfaktor Epiregulin. Es handelt sich zum Großteil um Bindegewebszellen (Tumorfibroblasten). - Foto: Dr. Clemens Neufert
    Darmkrebs

    (02.07.2012) Etwa ein Viertel aller Darmkrebserkrankungen tritt mit familiärer Häufung auf. Das bedeutet, dass nahe Verwandte von Erkrankten ein erhöhtes Risiko haben, ebenfalls von dem Tumorleiden ereilt zu werden. Besonders betroffen sind Familien, in denen eine erbliche Form von Darmkrebs weitergegeben wird. Der Tumor entwickelt sich in diesen Fällen oft schon vor dem 50. Lebensjahr.

    „Erstaunlicherweise ist die Sorglosigkeit im Umgang mit dem eigenen Risiko bei Angehörigen von betroffenen Familien relativ hoch“, stellt Dr. Arno Theilmeier vom Berufsverband der niedergelassenen Gastroenterologen (bng) fest. Dabei können gerade diese Menschen in besonderem Maße von der Vorsorge profitieren. Denn ein rechtzeitig entdeckter Darmkrebs kann heute geheilt werden.

    „Eine Untersuchung des von der Deutschen Krebshilfe geförderten Verbundprojekts ‚Familiärer Darmkrebs‘ hat gerade die Tragweite der Problematik beispielhaft vor Augen geführt“, sagt der bng-Experte. „in zwölf betroffenen Familien wurden unter 90 Angehörigen 33 Darmtumoren entdeckt sowie einzelne Krebsfälle an Eierstock, Gebärmutter und in den Harnwegen.“

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