Patienten mit Tumorschmerzen immer noch unterversorgt

Schmerz - pixabay

Leipzig – Krebserkrankungen sind oft mit starken Schmerzen verbunden. Obwohl wirksame Behandlungsmöglichkeiten zur Verfügung stehen, erhalten auch in Deutschland immer noch nicht alle Tumorpatienten eine angemessene schmerzlindernde Therapie. Wie sich dies ändern lässt und welche neuen Ansätze es in der Tumorschmerztherapie gibt, diskutieren Experten auf der 56. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin (DGAI). Der Deutsche Anästhesiecongress (DAC) findet vom 9. bis 12. Mai 2009 in Leipzig statt.

Studien zufolge könnten etwa 95 Prozent aller Patienten mit Tumorschmerzen ausreichend schmerzlindernd behandelt werden. Dennoch erhält weltweit nur ein Bruchteil der Betroffenen eine adäquate Therapie. Wie eine aktuelle Übersichtsarbeit zeigt, schneidet Deutschland im internationalen Vergleich zwar verhältnismäßig gut ab, doch auch hier sind noch viele Patienten unterversorgt. „Dieses Problem müssen wir dringend lösen“, erklärt Dr. med. Andreas Kopf von der Klinik für Anästhe­siologie und operative Intensivmedizin an der Berliner Charité im Vorfeld der DGAI-Jahrestagung. „Über 300 000 Menschen erkranken in Deutschland jährlich an Krebs. Davon haben 25 Prozent schon frühzeitig und 75 Prozent in späteren Krankheits­stadien Schmerzen.“ Kopf führt die Unterversorgung vor allem auf Wissensdefizite zurück.

„Diese sollte es aber eigentlich nicht mehr geben. Der Tumorschmerz war in den letzten Jahren immer ein wichtiges Thema in Fortbildungen und Therapie-Empfehlungen“, so Kopf. Die größten Fortschritte bei der Behandlungsqualität seien deshalb auch nicht durch neue Medikamente und Therapien zu erwarten, sondern durch eine konsequente und flächendeckende Umsetzung der vorliegenden Therapie-Empfehlungen. Der Experte plädiert zudem dafür, dass sich angehende Ärzte bereits im Studium mit dem Thema beschäftigen.

Neue wissenschaftliche Erkenntnisse finden fortwährend Eingang in die Behandlungs-Empfehlungen. So haben aktuelle Studien gezeigt, wie wichtig eine regelhafte und strukturierte Schmerzmessung und eine gezielte Patientenaufklärung sind. Die aktuellen Empfehlungen zur Tumorschmerztherapie betonen zudem die Bedeutung von Diagnose und Therapie sogenannter Durchbruchschmerzen. Dabei handelt es sich um anfallsartige, kurze Schmerzspitzen, die trotz einer Therapie mit lange wirkenden morphinartigen Schmerzmitteln auftreten. „Betroffene benötigen zusätzlich kurz wirkende Schmerzmittel, deren Dosis wir bei jedem Einzelnen individuell ermitteln müssen“, berichtet Kopf.

Diese und weitere Neuerungen in der Tumorschmerztherapie diskutieren Experten vom 9. bis 12 Mai auf dem DAC im Congress Center Leipzig.

Dabei soll es unter anderem um die Vorbeugung von Nebenwirkungen wie Übelkeit und Verstopfung sowie die Behandlung sogenannter neuropathischer Schmerzen gehen. Diese treten auf, wenn das Krebsleiden Nervenfasern beschädigt.

Auf den Tumorschmerz aufmerksam zu machen und das Leiden durch umfassende Information von Ärzten lindern zu helfen, ist auch das Ziel des „Global Year Against Cancer Pain“. Dieses hat die Internationale Schmerzgesellschaft (IASP) im vergangenen Oktober ausgerufen (weitere

Informationen: www.iasp-pain.org

Quelle: Deandrea S, Montanari M, Moja L, Apolone G.: Prevalence of undertreatment in cancer pain. A review of published literature. In: Annals of Oncology. 2008 Dec;19(12):1985-91

Terminhinweis:

Kongresssitzung:
Update Tumorschmerztherapie
Montag, 11. Mai 2009, 12.45 – 14.15 Uhr
Congress Center Leipzig, Saal 2, Messeallee 1, 04356 Leipzig

Pressemitteilung Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften, Medizin – Kommunikation


Krebszeitung

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  • Die Proteinsignaturen zeigen, wie empfindlich die untersuchten Tumor-Zelllinien (Kästchen von links nach rechts) auf zwei Wirkstoffe reagieren: auf das Chemotherapeutikum Taxol (oben) und auf den Kinase-Inhibitor Dasatinib (unterhalb der grauen Linie). Die erste Zeile zeigt die Reaktion – von blau nach rot: wenig bis sehr empfindlich; Zeilen darunter: Vorkommen der verschiedenen Proteine in den Zellinien: blau geringes, rot hohes Vorkommen. Quelle: A. Gholami/TUM
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    In der bislang größten Studie dieser Art identifizierten Wissenschaftler der Technischen Universität München (TUM) über 10.000 verschiedene Proteine in Krebszellen. „Nahezu alle Tumormedikamente richten sich gegen zelluläre Proteine“, sagt Prof. Bernhard Küster, Leiter des TUM-Lehrstuhls für Proteomik und Bioanalytik. „Wenn das Proteom, also das Proteinportfolio von Tumorzellen bekannt ist, steigen die Chancen, neue Angriffspunkte für Medikamente zu finden.“

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