PROBASE: Große deutsche Studie zum Prostatakrebs-Screening

Unter dem Rasterelektronenmikroskop: Hydrogel mit hoher Porendichte als mögliche Basis eines Prostata-Modells (Aufnahme: Dr. Friederike J. Gruhl, KIT)

Dresden, 27. September 2013 – Ziel der PROBASE-Studie (Risk-adapted prostate cancer early detection study based on a “baseline” PSA value in young men – a prospective multicenter randomized trial) ist eine Optimierung des Prostatakrebs-Screenings mithilfe des PSA-Werts. Sie untersucht die Hypothese, ob in Abhängigkeit von der Höhe eines einmalig bestimmten PSA-Werts im Alter von 45 Jahren ein risikoadaptiertes Vorgehen bei der Prostatakrebs-Vorsorge möglich ist. Sie wurde als Nachfolgestudie der bereits publizierten großen europäischen Screening-Studie entwickelt und stellt aktuell die weltweit größte Studie ihrer Art dar.1,2 Das Gesamtprojekt steht unter der Schirmherrschaft von Wolfgang Bosbach, MdB, und wird von der Deutschen Krebshilfe (DKH) gefördert.

Unter Leitung von Prof. Dr. Peter Albers vom Universitätsklinikum Düsseldorf und Prof. Dr. Nikolaus Becker aus der Abteilung für Krebsepidemiologie am Deutschen Krebsforschungszentrum Heidelberg prüfen drei weitere deutsche Zentren (Prof. Dr. Jürgen E. Gschwend, TU München-Klinikum rechts der Isar; Prof. Dr. Markus Hohenfellner, Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg; Prof. Dr. Markus Kuczyk, Medizinische Hochschule Hannover) diesen Ansatz zur Optimierung des PSA-Screenings, der bisher noch in keiner Studie weltweit systematisch und prospektiv untersucht wurde. Der Stellenwert des PSA-Screenings in regelmäßigen Abständen bei allen Männern ab einem bestimmten Alter wird international diskutiert.

Zum einen lässt sich durch das PSA-Screening Prostatakrebs zwar früher erkennen und daher besser behandeln, was die Sterblichkeit reduziert. Doch zum anderen haben Prostatakarzinome zum Teil eine so günstige Prognose, dass eine Behandlung nicht immer erforderlich ist. Zudem sind bei der PSA-Messung falsch-positive Ergebnisse möglich. Aus diesem Grund kann das allgemeine PSA-Screening belastende weitere Untersuchungen und Behandlungen nach sich ziehen, die ohne Screening nicht erfolgt wären.1,2,3

Um diese Überdiagnose und auch Übertherapie zu minimieren, verfolgt die PROBASE-Studie den Ansatz, das Screening vom Ausgangs-PSA-Wert im Alter von 45 Jahren und damit vom Erkrankungsrisiko des Mannes abhängig zu machen. Es wird untersucht, ob der erste PSA-Test im Alter von 45 Jahren erfolgen sollte oder ob ein Beginn des risikoadaptierten Screenings im Alter von 50 Jahren ausreicht. Die Studie soll zeigen, dass Männer, die das risikoadaptierte PSA-Screening im Alter von 50 Jahren beginnen, bis zum Alter von 60 Jahren nicht häufiger ein metastasiertes Prostatakarzinom entwickeln, als Männer, bei denen eine vergleichbare Vorsorge im Alter von 45 Jahren anfängt. Außerdem soll untersucht werden, ob der verzögerte Beginn des Screenings die Rate an unnötigen diagnostischen und therapeutischen Interventionen zukünftig deutlich reduzieren kann.

In die Studie sollen ab 2014 an vier Studienzentren bundesweit (Universitätsklinikum Düsseldorf, Universitätsklinikum Heidelberg, Klinikum rechts der Isar der TU München, Medizinische Hochschule Hannover) über einen Zeitraum von fünf Jahren insgesamt 50.000 Männer eingeschlossen werden. Die gesunden 45-jährigen Teilnehmer werden über die Einwohnermeldeämter zur Studienteilnahme eingeladen.

Eine selbständige Teilnahme von gesunden Männern dieser Altersgruppe ist nicht möglich, weil es sich um eine epidemiologische Studie handelt, die sonst in der Auswahl der Teilnehmer verzerrt wäre. Ausschließlich aus logistischen Gründen werden die Gespräche mit den Teilnehmern und die Blutuntersuchungen an den genannten Universitätskliniken durchgeführt. Dort stehen bereits Räume wie z.B. auch Biobanken zur Verfügung. Dies erleichtert die Durchführung. Die Studiendurchführung geschieht komplett unabhängig vom klinischen Alltagsbetrieb, denn es handelt sich um die Untersuchung Gesunder.

Für die Studie werden die Teilnehmer nach dem Zufallsprinzip im Verhältnis 1:1 zwei Gruppen zugeordnet: Gruppe A erhält den ersten PSA-Test im Alter von 45 Jahren, Gruppe B hingegen erst im Alter von 50 Jahren. Das sich anschließende risikoadaptierte PSA-Screening ist in beiden Gruppen identisch: Bei Männern mit einem Ausgangs-PSA-Wert < 1,5 ng/ml werden weitere PSA-Tests nur im Abstand von fünf Jahren vorgenommen. Bei Männern mit einem Ausgangs-PSA-Wert von 1,5-2,99 ng/ml, die ein höheres Erkrankungsrisiko haben, erfolgen die weiteren PSA-Messungen im Abstand von zwei Jahren. Sobald der PSA-Wert über 3 ng/ml liegt – zu Beginn oder in den Nachfolgetests – schließen sich weiterführende Untersuchungen an.

Über 90% der Männer werden zur niedrigsten Risikogruppe gehören (d. h. vier PSA-Tests bis zum 60. Lebensjahr wären ausreichend, um die Entstehung eines Prostatakrebses im Alter von > 60 Jahren auszuschließen).

Die Studie endet für die Teilnehmer im Alter von 60 Jahren. Der primäre Endpunkt ist die Häufigkeit eines bestätigten metastasierten Prostatakarzinoms im Alter von 60 Jahren, die nach der Hypothese der Forscher in Gruppe B (Beginn 50 Jahre) nicht höher sein sollte als in Gruppe A (Beginn 45 Jahre).

Würde sich dieses Ergebnis bestätigen, könnte die Prostatakarzinom-Vorsorge künftig zehn Jahre später beginnen, da derzeit in der Deutschen S3-Leitlinien zum Prostatakarzinom empfohlen wird, Männer im Alter ab 40 Jahren mit einer Lebenserwartung von mehr als zehn Jahren über die Vor- und Nachteile des PSA-Screenings aufzuklären.4

Zudem wäre ein risikoadaptiertes Screening Standard und würde für über 90% der Männer einen Großteil unnötiger Diagnostik und Therapie verhindern. Dadurch könnten einerseits die Ängste und Belastungen der Männer verringert und andererseits die Kosten für das Gesundheitssystem reduziert werden. Darüber hinaus erlaubt die PROBASE-Studie den Aufbau einer großen deutschen Biobank, mit der sich künftig zahlreiche weitere Fragen zum Prostatakarzinom erforschen lassen.

Quellen
1 Schröder FH et al. Screening and prostate-cancer mortality in a randomized European study. N Engl J Med. 2009;360:1320-8
2 Schröder FH, et al. Prostate-cancer mortality at 11 years of follow-up. N Engl J Med. 2012;366(11):981-90
3 Hugosson J, et al. Mortality results from the Göteborg randomised population-based prostate-cancer screening trial. Lancet Oncol. 2010;11:725-32
4 Interdisziplinäre Leitlinie der Qualität S3 zur Früherkennung, Diagnose und Therapie der verschiedenen Stadien des Prostatakarzinoms. AWMF-Register-Nummer (043-022OL). Version 2.0 – 1. Aktualisierung 2011, Stand 30.9.2012:
http://www.awmf.org/leitlinien/detail/ll/043-022OL.html

Kontakt:
Univ. Prof. Dr. Peter Albers
Direktor der Urologischen Klinik Universitätsklinikum Düsseldorf
Moorenstr. 5
40225 Düsseldorf
Tel.: (0211) 811 811 0
urologie@uni-duesseldorf.de

Pressekontakt:
Dr. Daniela Christmann
dkg-web.gmbh presse/public relations
Str. des 17. Juni 106-108
10623 Berlin
Tel.: (030) 810 316 301
daniela.christmann@dkg-web.de

Pressemitteilung Deutsches Krebsforschungszentrum Heidelberg Prof. Dr. Nikolaus Becker


Krebszeitung

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  • Das Deutsche Krebsforschungszentrum - dkfz - in Heidelberg
    dkfz

    Zwei Jahre FIT

    26. Oktober 2004

    Bis zu 40 Prozent aller Krebspatienten leiden noch lange Zeit nach Behandlung ihrer Tumorerkrankung unter Fatigue, d.h. unter anhaltender Müdigkeit mit Erschöpfung, die über eine normale Müdigkeit weit hinausgeht. Die meisten dieser Patienten fühlen sich den Anforderungen des Alltags nicht gewachsen und sind dadurch stark verunsichert.

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    Jeweils montags, mittwochs und freitags von 16 bis 19 Uhr
    geben speziell geschulte Mitarbeiter am Fatigue-Telefon
    unter der Rufnummer 06221-424344 Auskunft dazu.

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  • Abbau der extrazellulären Matrix durch die invasive Brustkarzinomzellinie - Quelle: Universität Stuttgart
    Brustkrebs

    Wissenschaftler um PD Dr. Marcus Schmidt von der Klinik und Poliklinik für Geburtshilfe und Frauenkrankheiten der Universitätsmedizin Mainz und Univ.-Prof. Dr. Jan G. Hengstler von Leibniz-Institut für Arbeitsforschung an der TU Dortmund haben erstmals gezeigt, das Immunglobulin Kappa C (IGKC), ein integraler Bestandteil des Immunsystems, mit einer deutlich verbesserten Prognose bei Brustkrebs und mit einer erhöhten Empfindlichkeit auf eine Chemotherapie assoziiert ist. Der günstige Effekt fand sich auch bei Patienten mit Darmkrebs und Lungenkarzinomen. Ihre Ergebnisse haben die Wissenschaftler jetzt in der renommierten Fachzeitschrift „Clinical Cancer Research“ veröffentlicht.

    Obwohl die zentrale Rolle des Immunsystems für die Prognose von Tumorerkrankungen generell akzeptiert ist, wurde bisher kein einzelner Bestandteil des Immunsystems als zuverlässiger Marker identifiziert. In früheren Arbeiten konnte die Mainzer Arbeitsgruppe bereits zeigen, dass Gene bestimmter Zellen des Immunsystems – vor allem B-Zellen und T-Zellen – einen Einfluss auf die Prognose von Brustkrebs haben. Dies gelang mithilfe so genannter Genexpressionsanalysen. Dabei kann eine Vielzahl von Genen im Hinblick auf ihre Aktivität im Tumorgewebe identifiziert und charakterisiert werden. „Um die klinische Anwendbarkeit zu verbessern, haben wir uns gefragt, ob der Einfluss dieser ganzen Gruppe von Genen der B-Zellen sich nicht auf ein einziges Gen – und damit auf einen einzigen Marker – zurückführen lässt“, erläutert Dr. Marcus Schmidt, Oberarzt an der Frauenklinik der Universitätsmedizin Mainz. „Dabei stießen wir auf Immunglobulin Kappa C, das eine vergleichbare Aussagekraft hat wie die gesamte Gruppe von Genen, die wir in unserer früheren Arbeit identifiziert hatten.

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