Prostatakrebs Früherkennung

Unter dem Rasterelektronenmikroskop: Hydrogel mit hoher Porendichte als mögliche Basis eines Prostata-Modells (Aufnahme: Dr. Friederike J. Gruhl, KIT)

Prostatakrebs ist der häufigste bösartige Tumor bei Männern. Allerdings entwickelt sich der Krebs sehr unterschiedlich: Bei einem großen Teil der Männer über 70 Jahre verändert er sich wenig und bereitet keine Beschwerden; er ruht, bleibt verborgen und bedarf keiner Behandlung.

Bessere Früherkennung des Prostatakrebses

Ein geringer Teil der ruhenden Krebse beginnt jedoch irgendwann schneller zu wachsen und sich auszubreiten, wird damit lebensbedrohlich und schwer zu behandeln. Für den Arzt wäre es hilfreich, gerade den sich schnell entwickelnden Krebs schon in einem Frühstadium zu erkennen, um rechtzeitig effektive Gegenmaßnahmen ergreifen zu können. Eine Arbeitsgruppe um den Homburger Mediziner Veit Flockerzi und seinen Mitarbeiter Ulrich Wissenbach untersucht mit Unterstützung der Wilhelm Sander-Stiftung bestimmte Gene, die es erlauben könnten, den ‚bösartigen‘ vom ‚ruhenden‘ Krebs zu unterscheiden.

Ausgangspunkt dieser Untersuchungen war der Befund, dass die Expression des Gens tprv6 mit dem beschleunigten Wachstum und der Organ-überschreitenden Ausbreitung des Prostatakrebses korreliert. Das Gen trpv6 liegt auf Chromosom 7 und kodiert einen Kationenkanal, eine Pore in der Plasmamembran, die es ermöglicht, dass Kalziumionen in das Zellinnere strömen. Der Kationenkanal, der nach dem Gen als TRPV6 bezeichnet wird, ist normalerweise für die Aufnahme von Kalziumionen aus der Nahrung im Darm und für die Kalziumaufnahme des Feten aus dem mütterlichen Blut verantwortlich.

In der gesunden Prostata ist dieser Kanal dagegen nicht nachweisbar, wohl aber im Prostatakrebs, der gerade beginnt, sich über die Prostatagrenzen hinaus auszubreiten. Mithilfe des Nachweises von TRPV6 ließe sich möglicherweise der fortschreitende Krebs, der behandelt werden muss, vom ruhenden Krebs, der keiner Therapie bedarf, unterscheiden. Kalziumionen sind wichtige Signalgeber in Zellen und regulieren deren Wachstum und Ausbreitung. Inwieweit jedoch das Auftauchen von TRPV6 in Zellen der Prostata Ursache des bösartigen Wachstums ist oder nur den erhöhten Bedarf der Krebszellen an Kalziumionen widerspiegelt, ist unbekannt und Gegenstand der aktuellen Forschungsarbeiten. Parallel werden Nachweise entwickelt, die es erlauben, das Auftauchen von TRPV6 rasch und mit großer Empfindlichkeit in Biopsieproben zu erkennen.

Damit wäre dem Urologen eine Entscheidungshilfe zur Hand gegeben, den Krebs zu operieren oder eher zuzuwarten. Durch Substanzen, die den TRPV6-Kanal blockieren, würde der Einstrom von Kalziumionen ins Zellinnere unterbunden und damit möglicherweise auch das Wachstum und die Ausbreitung der Krebszellen. Leider sind solche Substanzen bisher nicht bekannt, doch ist der Forschungsansatz äußerst vielversprechend, lässt sich doch durch Blockade anderer Kationenkanäle die Schmerzempfindung aufheben, der Insulinspiegel im Blut von Diabetikern erhöhen oder krankhafte Blutdruckwerte normalisieren. Die dafür verantwortlichen Ionenkanal-blockierenden Substanzen, sog. Lokalanästhetika, orale Antidiabetika und Calciumantagonisten gehören seit über vierzig Jahren zu den am häufigsten verordneten Medikamenten.

Kontakt:Prof. Dr. med. Veit Flockerzi, Homburg
Tel.: +49 (6841) 1626400, E-mail: veit.flockerzi@uks.eu

Die Wilhelm Sander-Stiftung fördert die Fortsetzung dieses
Forschungsprojekt mit weiteren 170.000,– €, nachdem bislang bereits
über 337.000,– € Fördermittel geflossen sind.
Stiftungszweck der Stiftung ist die medizinische Forschung,
insbesondere Projekte im Rahmen der Krebsbekämpfung. Seit Gründung der
Stiftung wurden dabei insgesamt über 160 Mio. Euro für die
Forschungsförderung in Deutschland und der Schweiz bewilligt. Die
Stiftung geht aus dem Nachlass des gleichnamigen Unternehmers hervor,
der 1973 verstorben ist.

Weitere Informationen: www.wilhelm-sander-stiftung.de

Pressemitteilung der Wilhelm Sander-Stiftung


Krebszeitung

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