Prostatakrebs-Sprechstunde

In nur eineinhalb Minuten ermittelt dieser Prototyp eines Diagnosegeräts, ob die Gewebeprobe der Prostata gut- oder bösartig ist. - © Fraunhofer IKTS
In nur eineinhalb Minuten ermittelt dieser Prototyp eines Diagnosegeräts, ob die Gewebeprobe der Prostata gut- oder bösartig ist. - © Fraunhofer IKTS

Berlin (nh) – Um Prostatakrebs-Patienten umfassend über die unterschiedlichen Behandlungsmöglichkeiten zu beraten, wurde an der Berliner Charité, Campus Benjamin Franklin (CBF) eine „Interdisziplinäre Sprechstunde“ für Betroffene eingerichtet. In diesem Beratungszentrum klären Urologen und Strahlentherapeuten den Patienten gemeinsam über mögliche Therapie-Optionen auf und gewährleisten so eine neutrale und individuell angepasste Therapie-Empfehlung. Die Deutsche Krebshilfe fördert das seit vier Jahren erfolgreich laufende Projekt jetzt erneut mit fast 140.000 Euro.

Deutsche Krebshilfe fördert interdisziplinäres Beratungszentrum

Operation, Bestrahlung oder „wait and see“, also erst einmal abwarten und beobachten:
Beim Prostatakarzinom gibt es oft mehrere Behandlungsmöglichkeiten. „So kann beispielsweise die Strahlentherapie eine gute Alternative zur radikalen Operation sein“, erklärt Professor Dr. Wolfgang Hinkelbein, Direktor der Klinik für Radio-Onkologie am CBF der Berliner Charité. „Die besondere Schwierigkeit für den Patienten, sich für die eine oder andere Möglichkeit zu entscheiden, besteht darin, dass mit den verschiedenen Therapien unterschiedlich starke Nebenwirkungen verbunden sind“, erläutert der Strahlentherapeut, der zusammen mit Professor Dr. Kurt Miller, Direktor der Urologischen Klinik am CBF, das Beratungszentrum leitet. „Der Betroffene muss für sich klären, welche Nebenwirkungen er in Kauf nehmen will.“

So kann eine radikale Entfernung der Prostata zu Inkontinenz und Impotenz führen; eine Strahlentherapie wiederum Darmbeschwerden oder Brennen beim Wasserlassen hervorrufen. „Falls es das Krankheitsstadium zulässt, sollte der Patient mitbestimmen, wie er behandelt wird“, so Professor Hinkelbein. Dies ist jedoch nur möglich, wenn der Arzt den Betroffenen – gegebenenfalls gemeinsam mit der Partnerin – über alle Therapie-Optionen informiert und ihn ausführlich sowie allgemeinverständlich über die Folgen der jeweiligen Behandlung aufklärt.

Im „Interdisziplinären Beratungszentrum für Prostatakrebs-Patienten“ an der Berliner Charité erläutern Urologen und Strahlentherapeuten dem Patienten gemeinsam die Wirkungen und Nebenwirkungen der Behandlungsmöglichkeiten. „Abschließend geben wir dem Betroffenen eine individuelle Therapie-Empfehlung, die ihn bei seiner Entscheidung unterstützt“, so Professor Hinkelbein.

Die Sprechstunde gibt es seit vier Jahren. In dieser Zeit haben sich über 500 Prostatakrebs-Patienten beraten lassen. „Die Ergebnisse zeigen, dass die Patienten diese Beratungsform akzeptieren und sehr zufrieden damit sind“, sagt Professor Hinkelbein. Die Sprechstunde wurde ursprünglich nur für Prostatakrebs-Patienten der Berliner Charité eingerichtet. Mittlerweile werden die Betroffenen immer öfter auch von niedergelassenen Urologen aus der Region dorthin überwiesen.

Interessierte Patienten können sich wenden an:
Interdisziplinäres Prostatakrebs-Zentrum Berlin am Campus Benjamin Franklin der Charité, Hindenburgdamm 30
12200 Berlin
Fax 030/84 45 44 48

Die Deutsche Krebshilfe gibt einen Ratgeber „Prostatakrebs“ und ein Video zum selben Thema heraus. Diese laienverständlichen Informationen helfen dem Patienten, sich auf das Arztgespräch vorzubereiten oder Gehörtes noch einmal nachzulesen.

Die Broschüre kann kostenlos bestellt werden bei:
Deutsche Krebshilfe e.V.
Postfach 1467
53004 Bonn.

Sie steht im Internet unter www.krebshilfe.de im Volltext zur Verfügung.
Das Video „Männersache: Prostatakrebs“ wird gegen eine Schutzgebühr von zehn Euro verschickt.
Es kann aber auch kostenlos z.B. über den VVFM-Servis angesehen werden – Direktlink
Kurzbeschreibung des Videos:

Die Deutsche Krebshilfe e.V. will mit diesem Video helfen zu verstehen, was die Diagnose „Prostatakrebs“ bedeutet, welche Diagnose-Verfahren und Operationsmethoden es gibt, was nach der Akutbehandlung an Hilfen zur Verfügung steht. Betroffene kommen zu Wort und berichten, wie sie mit der Erkrankung umgehen, Ärzte erläutern die medizinischen Aspekte einleuchtend und einfühlsam. Für den „Mann ab 45“ kann dieses Video ein offener, unverkrampfter Zugang zu dem Thema sein.

Info-Kasten: Prostatakrebs
Jährlich erkranken in Deutschland etwa 40.600 Männer neu an Prostatakrebs. Damit ist dies die häufigste Krebserkrankung beim Mann. Das mittlere Erkrankungsalter liegt bei 71 Jahren. Die Behandlung richtet sich nach der Ausbreitung des Tumors und nach dem Ergebnis der feingeweblichen Untersuchung, aber auch nach dem Alter, dem Gesundheitszustand und anderen persönlichen Faktoren. Die wichtigsten Behandlungsmöglichkeiten sind:
Operation, Bestrahlung und medikamentöse Therapie. Die Verfahren können auch miteinander kombiniert werden.

Pressemitteilung der Deutschen Krebshilfe


Krebszeitung

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