Psychoonkologische Diagnostik, Beratung und Behandlung – Die neue S3-Leitlinie

S3-Leitlinie Harnblasenkarzinom
S3-Leitlinie Harnblasenkarzinom

Krebserkrankungen sind für die Betroffenen und ihre Angehörigen fast immer seelisch sehr belastend. Studien zeigen, dass etwa die Hälfte der Patienten vor allem zu Beginn der Erkrankung psychisch stark belastet ist, ein Drittel leidet unter so starken Ängsten und Depressionen, dass man von einer psychischen Begleiterkrankung sprechen muss. Aber auch im weiteren Verlauf der Krebserkrankung, das heißt während der Rehabilitation und Nachsorge, brauchen viele Patienten professionelle psychoonkologische Unterstützung. Und auch Menschen, deren Erkrankung schon länger zurückliegt, erleben psychische Krisen, die sie allein nicht bewältigen können.

Professionelle psychosoziale Unterstützung hilft nachweislich, die Krebserkrankung zu verarbeiten und psychische Probleme zu reduzieren. Dies zeigt auch die S3-Leitlinie „Psychoonkologische Diagnostik, Beratung und Behandlung erwachsener Krebspatienten“, die im Jahr 2013 fertig gestellt wurde. Diese Leitlinie entstand auf der Basis von systematischen Literaturrecherchen in Zusammenarbeit von Experten aus insgesamt 51 wissenschaftlichen Fachgesellschaften unter der Federführung von Prof. Dr. Joachim Weis. Wichtige Schlussfolgerungen dieser Leitlinie sind:

1. psychoonkologische Leistungen sind effektiv,

2. psychische und soziale Belastungen müssen sorgfältig, frühzeitig und wiederholt erfasst werden,

3. für die Erfassung dieser Belastungen stehen validierte Instrumente zur Verfügung.

Der Nationale Krebsplan der Bundesrepublik Deutschland fordert, dass alle Krebspatienten bei Bedarf eine angemessene psychoonkologische Versorgung sowohl im stationären als auch im ambulanten Bereich erhalten sollen. Um dieses Ziel zu erreichen, sind mehrere Schritte notwendig:

1. die psychische Belastung bei den Patienten muss rechtzeitig erkannt werden,

2. es muss ausreichend Versorgungsangebote geben,

3. diese Angebote müssen professionell, qualitätsgesichert und gut erreichbar sein,

4. die Versorgung muss angemessen vergütet werden.

Das Ziel eines ausreichenden Versorgungsangebotes ist noch nicht flächendeckend erreicht worden, in den letzten Jahren gab es hier aber bedeutsame Fortschritte. Die Deutsche Krebsgesellschaft fordert in ihren Zertifizierungskriterien für Krankenhäuser, dass qualifizierte psychoonkologische Fachkräfte für die Versorgung der Patienten zur Verfügung stehen müssen. Dies hat nachweislich zu einer erheblichen Verbesserung der Versorgung im stationären Bereich geführt. Im ambulanten Bereich kam es vor allem durch Initiative der Deutschen Krebshilfe zu Verbesserungen: sie fördert seit mehreren Jahren Krebsberatungsstellen in ganz Deutschland.

Um eine solche hochwertige psychoonkologische Versorgung aber auch langfristig und flächendeckend sicherstellen zu können, bedarf es dringend einer Neuregelung der Finanzierung dieser Angebote für Krebserkrankte und ihre Angehörigen. Wir brauchen eine geregelte und zuverlässige Vergütung psychoonkologischer Leistungen im stationären und ambulanten Bereich. Ein möglicher Ansatz wäre die bessere Abbildung psychoonkologischer Leistungen im §116b SGB V. Die PSO hat dafür einen konkreten Vorschlag erarbeitet und dem Gemeinsamen Bundesausschuss zur Kenntnis gebracht.

Statement von Prof. Dr. Susanne Singer, Universitätsmedizin Mainz

Versorgung trotz steigender Patientenzahlen sichern


Krebszeitung

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  • Dr. Hans-Joachim Gebest, Dr. Stefanie Seltmann, Prof. Annette Schavan, Prof. Otmar D. Wiestler (v.l.n.r.) bei der Pressekonferenz zur Erweiterung des KID zum Nationalen Referenzzentrum für Krebsinformation - Quelle: dkfz
    dkfz

    Dr. Hans-Joachim Gebest, Dr. Stefanie Seltmann, Prof. Annette Schavan, Prof. Otmar D. Wiestler (v.l.n.r.) bei der Pressekonferenz zur Erweiterung des KID zum Nationalen Referenzzentrum für Krebsinformation - Quelle: dkfzDas Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) fördert den Ausbau des Krebsinformationsdienstes (KID) am Deutschen Krebsforschungszentrum zu einem „Nationalen Referenzzentrum für Krebsinformation“. Durch die institutionelle Förderung kann der Dienst adäquat personell an die gestiegenen Anforderungen angepasst werden. Dies schafft die notwendigen Voraussetzungen dafür, um den wachsenden Bedarf an qualitätsgeprüfter Information über Krebs in der Bevölkerung zu decken und vermehrt auch Fachkreisen für Anfragen zur Verfügung zu stehen.

    Nationales Referenzzentrum für Krebsinformation am Deutschen Krebsforschungszentrum

    Vor mehr als zwanzig Jahren wurde der Krebsinformationsdienst am Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) in Heidelberg gegründet. Was damals als Projekt begann und seitdem durch das Bundesministerium für Gesundheit ideell und finanziell unterstützt wird, ist heute eine fest etablierte Einrichtung im Gesundheitssystem mit breiter Akzeptanz in der Bevölkerung und in der Fachwelt. KID stellt kostenlos und neutral per Telefon, Email und im Internet aktuelle, wissenschaftlich fundierte und allgemein verständliche Informationen zum Thema Krebs bereit. Mit diesem Angebot ist der Krebsinformationsdienst in Deutschland einzigartig. Ein großes Problem bestand bislang allerdings in der nur begrenzten Kapazität des KID, der eine bundesweite Verfügbarkeit verhinderte. Dies wird sich nun durch eine dauerhafte Finanzierung durch das Bundesforschungsministerium grundlegend ändern. Für das Jahr 2010 sind hierfür 3,3 Millionen Euro vorgesehen.

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  • Prof. Dr. med. Michael Stöckle - Quelle: Wahlers PR
    DGU-Kongress 2011

    Eine der zentralen Herausforderungen in der Medizin ist der Mangel an qualifi ziertem Nachwuchs. Für die boomende Gesundheitsbranche ist dies eine besorgniserregende, in den letzten Jahren immer wieder vorgetragene Sorge. Jede fünfte Stelle in deutschen Krankenhäusern kann gegenwärtig nicht mehr zeitnah besetzt werden. Die Fluktuation der angestellten Ärzteschaft ist erheblich, und die Zeiträume bis zur Neubesetzung einer vakanten Stelle werden länger. Die Frustration bei der verbleibenden Mitarbeiterschaft steigt aufgrund zunehmender Belastung. überbürokratisierung, überzogene Kontrollen und familienfeindliche Arbeitszeiten kommen hinzu. Diese Situation demonstriert die Unzufriedenheit mit dem Arbeitsplatz Krankenhaus.

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