Radiojodtherapie – Große Heilungschancen bei Schilddrüsenkrebs

Strahlentherapie eines Patienten in der Charité Berlin

Etwa 5.000 Menschen in Deutschland werden in jedem Jahr mit der Diagnose Schilddrüsenkrebs konfrontiert, zudem ist eine stetige Zunahme der Erkrankung zu erkennen. Diese Tumorart ist damit die häufigste Form bösartiger Veränderungen der hormonproduzierenden Drüsen. Die große Herausforderung besteht darin, den Tumor frühzeitig zu entdecken. Hierbei kommen nuklearmedizinische Diagnose- und Therapieverfahren zum Einsatz. Sie machen es möglich, die Schilddrüsentumore bereits in frühen Stadien zu erkennen und zu behandeln und so die Sterblichkeit an dieser Erkrankung deutlich zu senken. Mit Ausnahme der Operation übernimmt die Nuklearmedizin hier praktisch die gesamte Diagnose und auch Therapie.

Knotige Veränderungen der Schilddrüse finden sich bei etwa einem Viertel der bundesdeutschen Bevölkerung. Hintergrund ist der langjährige Iodmangel, der zu einem vermehrten Wachstum des Organs und zur Bildung von Knoten führt. Die große Mehrzahl dieser Schilddrüsenknoten ist jedoch gutartig. Hat sich aber Schilddrüsenkrebs gebildet, muss der Schilddrüsentumor – und damit auch die gesamte Schilddrüse – operativ entfernt werden. Aufgrund zu befürchtender Komplikationen, wie etwa einer möglichen Verletzung des Stimmbandnervs, kann die Schilddrüse oft jedoch nicht komplett entfernt werden. Vielmehr ist es nach der Operation die Aufgabe der risikoarmen, nuklearmedizinischen Radioiodtherapie, das verbliebene Schilddrüsengewebe und darin eventuell noch enthaltene Tumorzellen komplett auszuschalten.

Dies ist möglich, weil die Tumorzellen der Schilddrüse in der Lage sind, Iod aufzunehmen. Die Radioiodtherapie macht sich diese Eigenschaft zu Nutze: Dem Patienten wird in Form einer Kapsel radioaktives Iod verabreicht, welches ausschließlich vom verbliebenen Gewebe der Schilddrüse bzw. von den befallenen Zellen gespeichert wird und diese so zerstört. Die therapeutisch wirksamen β-Strahlen im Gewebe haben dabei nur eine Reichweite von wenigen Millimetern, so dass das gesunde Umgebungsgewebe und die anderen Organe geschont werden. Für den Patienten ist im Anschluss an eine solche nuklearmedizinische Schilddrüsenkrebstherapie wieder ein normales Leben möglich.

Im Vergleich zu anderen Methoden der Krebsbehandlung sind hierbei durch die Möglichkeit der gezielten Behandlung des Tumors die Nebenwirkungen deutlich geringer. Da die Intensität der Nebenwirkungen von der eingesetzten Menge des radioaktiven Iods abhängig ist, sind die Nuklearmediziner stets bestrebt, die verabreichte Menge des Radipharmakons auf das unbedingt erforderliche Maß zu reduzieren. In zwei kürzlich hochrangig publizierten Studien aus England und Frankreich wurde nun der Frage nachgegangen, ob mit einer geringeren Aktivität an Radioiod bei Patienten der gleiche Erfolg bei der Behandlung des Schilddrüsenrestgewebes nach einer Operation zu erreichen ist.

Im Ergebnis zeigte die niedriger dosierte Radioiodtherapie die gleichen Erfolge wie die bisherige Standardtherapie. Die Frage der Übertragbarkeit dieser Daten auf die Verhältnisse in Deutschland wird derzeit intensiv diskutiert. Ein Hindernis könnte dabei sein, dass bei deutschen Patienten nach einer Operation oftmals größere Schilddrüsenreste zurückbleiben. Grund dafür ist, dass im „Iodmangelland Deutschland“ im Vergleich deutlich vergrößerte Schilddrüsen operiert werden müssen und diese schlechter zu entfernen sind.

Die nuklearmedizinische Behandlung von Schilddrüsenkrebs bildet ein Schwerpunktthema auf der 51. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Nuklearmedizin e.V., der NuklearMedizin 2013. Die Tagung findet vom 17. bis 20. April auf dem Gelände der Messe Bremen statt. In bewährter Weise bietet die Kombination aus Kongress, für den international renommierte Referenten gewonnen werden konnten, einem interaktiven Fortbildungsprogramm sowie der in Deutschland größten, branchenspezifischen Industrieausstellung eine ideale Plattform für wissenschaftlichen Austausch und Weiterbildung. Damit zählt die NuklearMedizin 2013 zu den international bedeutendsten und größten Tagungen für Nuklearmedizin. In diesem Jahr werden rund 2.000 Teilnehmer – Mediziner, Naturwissenschaftler, medizinisch-technisches Personal und auch Pflegekräfte – erwartet.

Sämtliche Informationen zur NuklearMedizin 2013 stehen auf der Kongresshomepage www.nuklearmedizin2013.de zur Verfügung. Dort ist auch die Presseakkreditierung zum Kongress möglich.

Kontakt:
Deutsche Gesellschaft für Nuklearmedizin e.V.
Pressereferat, Stefanie Neu
Nikolaistraße 29, D-37073 Göttingen
Tel. 0551.48857-402, info@nuklearmedizin.de
www.nuklearmedizin.de

Weitere Informationen finden Sie unter
http://www.nuklearmedizin2013.de – Kongresshomepage der NuklearMedizin 2013
http://www.nuklearmedizin.de – Homepage der Deutschen Gesellschaft für Nuklearmedizin e.V.


Krebszeitung

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  • Ein guter Ernährungsstatus ist bei Krebs besonders wichtig. - Quelle: Berliner Krebsgesellschaft
    Ernährung

    PIXELIO-Foto, Michael Buehrke - Bildquelle:Deutsche KrebshilfeHeidelberg (ng) – Krebs-Patienten verlieren im Laufe der Erkrankung oftmals sehr viel an Gewicht. Dieser extreme Zustand der Abmagerung wird als Auszehrung oder Kachexie (griech.: „schlechter Zustand“) bezeichnet. Der ungewollte Gewichtsverlust beeinträchtigt nicht nur die Lebensqualität der Patienten. Auch die Heilungschancen verschlechtern sich dadurch dramatisch: „Für rund ein Drittel aller Krebstodesfälle wird diese Auszehrung verantwortlich gemacht“, erklärt Dr. Stephan Herzig. Der Wissenschaftler untersucht am Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) in Heidelberg die molekularen Ursachen der Tumorkachexie. Die Deutsche Krebshilfe fördert das Forschungsprojekt mit 165.600 Euro.

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  • Chemotherapie nach Operation verbessert die Prognose - Quelle: Universitätsklinikum Heidelberg
    Bauchspeicheldrüsenkrebs

    Chemotherapie nach Operation verbessert die Prognose - Quelle: Universitätsklinikum HeidelbergPatienten mit „peri-ampullärem“ Krebs nahe der Bauchspeicheldrüse profitieren von zusätzlicher Behandlung / Studie unter Federführung von Heidelberg/Liverpool in „JAMA“ veröffentlicht

    Chemotherapie kann die Lebenserwartung von Patienten verbessern, die an einem bösartigen Tumor nahe der Bauchspeicheldrüse, dem sogenannten peri- ampullären Karzinom, leiden. Sie profitieren ebenso wie die Patienten mit Bauchspeicheldrüsenkrebs von einer zusätzlichen Behandlung mit Krebsmedikamenten nach der Operation, wenn auch in geringerem Umfang. Dies hat eine Studie der „European Study Group for Pancreatic Cancer“ gezeigt, die von den Zentren in Heidelberg und Liverpool geleitet wird und in der aktuellen Ausgabe des „Journal of the American Medical Association“ JAMA erschienen ist.

    Das peri-ampulläre Karzinom geht vom Endabschnitt des Gallengangs aus, der sich kurz vor seiner Einmündung in den Zwölffingerdarm (Duodenum) mit dem Pankreasgang vereinigt, bevor er im Duodenum in der sogenannten Ampulle endet (s. Grafik). „Mit der Studie ist erstmals wissenschaftlich belegt worden, dass auch bei dieser Tumorerkrankung die Chemotherapie dem Patienten zusätzliche Lebenszeit bringen kann“, erklärt Professor Dr. Markus W. Büchler, Geschäftsführender Direktor der Chirurgischen Universitätsklinik Heidelberg und Senior-Autor des Artikels in „JAMA“.

    Das peri-ampulläre Karzinom hat eine bessere Prognose als die bösartigen Tumoren der Bauchspeicheldrüse, da es bei 80 Prozent der Patienten entfernt werden kann; bei etwa 30 Prozent finden sich Absiedlungen in Lymphknoten oder anderen Organen. Nach fünf Jahren leben im Durchschnitt noch ca. 40 Prozent der Patienten, während es beim Pankreaskarzinom nur etwa 20 Prozent sind.

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