Rauchverbot contra Lungenkrebs

Rauchen schädigt die eigene Gesundheit und die Gesundheit anderer
Rauchen schädigt die eigene Gesundheit und die Gesundheit anderer

Verbesserter Nichtraucherschutz zeigt erste Erfolge

Karlsruhe – Jährlich sterben in der Bundesrepublik etwa 3 300 Menschen an den Folgen des Passivrauchens, zehn Prozent davon an Lungenkrebs. Experten der Deutschen Gesellschaft für Thoraxchirurgie (DGT) gehen davon aus, dass Zigarettenqualm die häufigste Ursache für Lungenkrebs bei Nichtrauchern ist. Ob und wie verbesserter Nichtraucherschutz zur Krebsvorbeugung beigetragen hat, diskutieren Experten im Rahmen der 21. Jahrestagung der DGT vom 27. bis 29. September 2012 in Karlsruhe. Rauchverbot contra Krebs ist auf dem Kongress außerdem Thema einer Pressekonferenz der DGT.

Knapp 20 Millionen Deutsche greifen täglich zur Zigarette – und nehmen mit jedem Zug etwa 4 800 überwiegend giftige Substanzen auf. Doch nicht nur sie sind gefährdet an Bronchitis, Raucherbein, Herz-Kreislauferkrankungen oder Krebs zu erkranken, sie schädigen auch ihre nicht rauchenden Mitmenschen. So sterben laut einer von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) in 192 Ländern durchgeführten Studie weltweit pro Jahr etwa 600 000 Menschen an den Folgen des Passivrauchens. „Wir gehen davon aus, dass für Nichtraucher die Passivrauchbelastung die maßgebliche Ursache für Lungenkrebs ist“, sagt im Vorfeld der DGT-Jahrestagung deren Leiter Dr. med. Dr. rer. nat. Heribert Ortlieb, Leitender Arzt der Thoraxchirurgie an der Stadtklinik Baden-Baden.

Die WHO führt Zigarettenqualm als krebserregende Substanz der Gift-Stufe 1 – genauso wie den giftigen Baustoff Asbest. „Immerhin sind allein 40 Substanzen im Rauch kanzerogen, also krebserzeugend“, erklärt Dr. med. Johannes Schildge, Chefarzt der Abteilung Pneumologie an den St. Vincentius-Kliniken in Karlsruhe. Entsprechend sterben hierzulande jährlich genauso viele Menschen an den Folgen des Passivrauchens wie im Straßenverkehr. Immerhin sind fast die Hälfte der Deutschen – darunter Kinder, Heranwachsende und Schwangere – zu Hause oder am Arbeitsplatz Tabakrauch ausgesetzt. Daran habe laut DGT auch das Gesetz zum Schutz der Bevölkerung vor den Folgen des Passivrauchens von 2004 bislang nicht viel geändert.

Zwar herrscht seit 2007 ein generelles Rauchverbot in Dienstgebäuden des Bundes. Auf Länderebene ist dies nicht einheitlich geregelt. „Konsequenter Nichtraucherschutz ist insbesondere in der Gastronomie nicht gegeben“, so Dr. Schildge. Dabei bewiesen Studien, dass rauchfreie Luft die Gesundheit schont: Die Schadstoffkonzentration in Blut und Atemluft nimmt nachweisbar ab, die Funktion der Atemwege bessern sich. Auch eine Studie im Auftrag der DAK-Krankenkasse lässt hoffen: Innerhalb von fünf Jahren werteten Wissenschaftler Krankenhausdaten von mehr als drei Millionen Versicherten aus. Schon ein Jahr nach Inkrafttreten des Nichtraucherschutzgesetzes gab es bei der DAK 1 430 Angina-pectoris-Fälle und 450 Herzinfarkt-Einweisungen weniger als im Vorjahr.

Für einen statistisch belegbaren Einfluss auf die Häufigkeit von Krebs sei der Beobachtungszeitraum noch zu kurz, räumt Dr. Schildge ein. Allerdings beschreiben Studien aus Schottland, Italien und den USA einen Rückgang der Herzinfarktrate nach Inkrafttreten umfangreicher Rauchverbote. Der Experte vermutet: „Für Krebs dürfte langfristig das Gleiche gelten, vorausgesetzt, das Rauchverbot wird konsequent durchgesetzt.“

Krebsrisiken durch Passivrauchen und andere Umweltschadstoffe sind nur ein Thema der 21. Jahrestagung der DGT in Karlsruhe. Die Experten diskutieren verschiedenste Aspekte der chirurgischen Behandlung von Erkrankungen in Bauch- und Brustraum. Unter dem Motto „Kooperationen“ erörtern sie thoraxchirurgische Themen auch interdisziplinär und beziehen dabei Ärzte aus Pathologie, Onkologie, Radiologie und Pneumonologie ein. Im Rahmen einer Pressekonferenz der DGT am 27. September informieren sie unter anderem über neueste Techniken bei Lungentransplantationen.

Pressemitteilung der Deutschen Gesellschaft für Thoraxchirurgie (DGT)


Krebszeitung

--Download Rauchverbot contra Lungenkrebs als PDF-Datei --


  • Immunzellen in einem Dickdarmtumor (Gewebepräparat). T-Helfer-Zellen (rot) liegen zwischen den Drüsenstrukturen der Tumorzellen (Zellkerne blau gefärbt). - Quelle: Klaus-Peter Janssen
    Darmkrebs

    Tumorzellen im Zellverband (Photo: Johannes Fritzmann/Copyright: MDC)Bei Dickdarmkrebs standen bisher nur einzelne Gene im Verdacht, die Bildung von Tochtergeschwülsten (Metastasen) zu begünstigen. Forscher des Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin (MDC) Berlin-Buch und der Charité – Universitätsmedizin Berlin haben jetzt jedoch 115 Gene identifiziert, die sowohl im Ursprungstumor als auch in dessen Metastasen verändert sind. Ihre Ergebnisse könnten in Zukunft helfen, Patienten mit aggressiven Tumoren früher zu erkennen (Gastroenterology 2009, doi:10.1053/j.gastro.2009.03.041).*

    […mehr lesen]

  • Gliom (rote Pfeile; obere Reihe), das bereits zum Zeitpunkt der ersten Operation begonnen hatte zu entarten. Untere Reihe: Nachgewachsener, jetzt sehr bösartiger Tumor (gelber Pfeil). © Foto: M. Simon/Neurochirurgie/UKB
    Hirntumoren

    Ein Enzym, das den Abbau bestimmter Aminosäuren ermöglicht, macht Hirntumoren besonders aggressiv. Wissenschaftler aus dem Deutschen Krebsforschungszentrum entdeckten damit eine neue Zielstruktur für Therapien gegen die gefährliche Erkrankung. Die Ergebnisse sind in der Zeitschrift Nature Medicine veröffentlicht.
     
    Tumoren, insbesondere die sehr schnell wachsenden, aggressiven, haben einen erhöhten Bedarf an Energie und an Bausteinen für neue Zellbestandteile. Krebszellen verbrauchen daher viel Zucker (Glukose). Einige Tumoren sind außerdem in der Lage, die Aminosäure Glutamin, einen wichtigen Baustein der Proteine, zu verwerten. Eine zentrale Rolle beim Aminosäureabbau spielt das Enzym Isocitrat-Dehydrogenase (IDH). Bei zahlreichen Hirntumoren wurden vor einigen Jahren Mutationen im Gen für die IDH entdeckt. Die sehr bösartigen Hirntumoren – die sogenannten primären Glioblastome – sind mit einem intakten IDH-Gen ausgestattet. Bei den langsamer wachsenden dagegen liegt meist ein Defekt dieses-Gens vor.
     

    […mehr lesen]

Google News – Gesundheit