Schonende Medizin gegen aggressiven Tumor des Rippenfells und der Lunge

Thoraxmodell Foto: G. Otto / GSI Helmholtzzentrum für Schwerionenforschung

Das Klinikum der J.W. Goethe-Universität konnte in einer Studie zeigen, dass eine lokale Chemotherapie ohne größere Nebenwirkungen die Lebenserwartung von Menschen mit einem bösartigen Tumor des Rippenfells und der Lunge deutlich erhöhen kann.

Wenn man bei Menschen ein Pleuramesotheliom diagnostiziert, erhalten sie in der Regel eine erschreckende Prognose. Es handelt sich um einen sehr aggressiven Tumor des Rippenfells und der Lunge, der meist sehr spät erkannt wird. Die mittlere Überlebenszeit nach den ersten Symptomen liegt bei 7 bis 16 Monaten. Am Frankfurter Universitätsklinikum wurde in einer Studie jetzt ein lokales chemotherapeutisches Verfahren geprüft, das bei nicht mehr operablen Tumoren eingesetzt werden kann. Die Studie kam zu dem Ergebnis, dass die sogenannte Transarterielle Chemoperfusion (TACP) die Überlebenszeit der Patienten deutlich verlängert und dabei die Belastung für die Patienten durch Nebenwirkungen sehr gering sind. Die Studie wird nun im renommierten amerikanischen Fachjournal Radiology veröffentlicht.

In der Forschungsarbeit wurden im Verlauf von drei Jahren 39 Patienten mit einem bösartigen Pleuramesotheliom im Alter von 26 bis 89 in durchschnittlich drei Sitzungen mit der TACP behandelt. Diese lokale Chemotherapie wird über die Arterien des Brustraumes eingebracht. Durch diese Arterien wird auch der Tumor mit Blut versorgt. Bei der TACP wird ein Schlauch in ausgewählte tumorversorgenden Arterien eingeführt. Durch diesen Schlauch werden chemotherapeutische Medikamente direkt in die Arterien gepumpt und gelangen so direkt zu dem kranken Gewebe. Die Diagnose und Auswertung erfolgte im Abstand von vier Wochen mittels Computertomografiebildern.

Die Studie hat gezeigt, dass die TACP den Betroffenen eine deutliche Verlängerung der Lebenszeit ermöglichen kann. Die Behandlung wurde von allen Patienten ohne größere Nebenwirkungen verkraftet. Bei über einem Drittel war das Tumorvolumen deutlich reduziert (im Schnitt um 71 Prozent). Bei knapp der Hälfte blieb das Tumorvolumen unverändert und bei rund einem Sechstel der Personen nahm das Volumen zu (im Schnitt um 24 Prozent). Die durchschnittliche Überlebenszeit wurde mit Hilfe einer wissenschaftlichen Methode errechnet und lag mit gut 21 Monaten deutlich über dem allgemeinen Schnitt bei dieser Erkrankung – und das ohne die heftigen Nebenwirkungen einer konventionellen Chemotherapie. Prof. Thomas J. Vogl, Direktor des Instituts für Diagnostische und Interventionelle Radiologie, erläutert, was die TACP für die Patienten bedeutet: „Es handelt sich bei diesem Verfahren um eine palliative Therapie, die eingesetzt wird, wenn keine Chance mehr auf eine vollständige Heilung besteht. Weil die Behandlung gut verträglich ist, kann sie den Betroffenen zusätzliche, körperlich relativ unbeschwerte Lebenszeit schenken.“

Pressemitteilung Klinikum der Johann Wolfgang Goethe-Universität, Frankfurt a. M., Ricarda Wessinghage


Krebszeitung

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