Schwierige Rahmenbedingungen bei Operationen in der Gynäkologie

Prof. Dr. med. Jürgen Hucke, Wuppertal
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Minimalinvasive Operationen sind in der Frauenheilkunde längst Standard. Die Gynäkologie ist hier Vorreiter. Für die Patientinnen bringen Eingriffe über das Endoskop (Bauchhöhlenspiegelung) meist große Vorteile. Problematisch sind derzeit jedoch die gesundheitspolitischen Rahmenbedingungen. Sowohl die Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe mit ihrer Weiterbildungsakademie (DAGG) als auch das „Forum Operative Gynäkologie“ (FOG) bieten entsprechende Bildungsmaßnahmen.

In der Frauenheilkunde sind endoskopische Operationstechniken schon seit vielen Jahren verankert. So wird heute an entsprechenden Zentren und Kliniken die große Mehrzahl gynäkologischer Operationen endoskopisch ausgeführt. Dies hat für die Patientin den nachgewiesenen Vorteil der deutlich reduzierten operationsbedingten körperlichen Beeinträchtigung mit weniger Schmerzen, früherer Mobilisierung, verkürzten Liegezeiten und schnellerer Wiedereingliederung in den Arbeitsprozess oder das häusliche Umfeld. Nicht selten bedeutet allerdings die Ausweitung endoskopischer Operationstechniken eine Zunahme der benötigten Operationszeit und somit eine zusätzliche Bindung personeller Ressourcen.

Das deutsche Gesundheitswesen befindet sich zur Zeit im Umbruch. Die Ökonomisierung wird begleitet von einer fortschreitenden Ausweitung der ärztlichen Aufgaben außerhalb des eigentlichen medizinischen Bereichs. Gleichzeitig steigen die Patientenzahlen bei deutlich abnehmender durchschnittlicher stationärer Verweildauer. Die Zahl der im Krankenhaus pro Arzt betreuten Patienten liegt in Deutschland inzwischen bei einem europäischen Spitzenwert.

Die Abrechnung nach Fallpauschalen (DRGs) berücksichtigt nicht die Kosten für die Ausbildung des Nachwuchses. Dies alles hat inzwischen deutlich negative Auswirkungen auf Umfang und Qualität der operativen Ausbildung und auf Erfahrung der nachwachsenden Generation von Ärztinnen und Ärzten. Hinzu kommen die Folgen des neuen Arbeitszeitgesetzes (siehe hierzu den Pressetext von Prof. Hackelöer).

Für die Ausbildung junger Ärzte ist ferner die starke Zunahme ambulanter Operationszentren negativ. Diese Zentren haben sich meist auf einfache endoskopische Operationen in großer Stückzahl spezialisiert. Begünstigt wird dieses Konzept häufig durch Spezialverträge mit den Kostenträgern, nicht selten unter finanziell fördernder Einbindung der überweisenden Ärzte. Operative Ausbildung junger Ärztinnen und Ärzte findet in diesen Institutionen in der Regel nicht statt. Gleichzeitig werden die „Basisoperationen“ aus den Kliniken heraus verlagert und fehlen so für die Ausbildung der ärztlichen Anfänger.
Zusätzlich findet eine Subspezialisierung innerhalb des Fachgebietes der operativen Frauenheilkunde statt, die durch Zentrenbildung (Brustzentrum, Beckenbodenzentrum, Krebszentrum) noch gefördert wird.

All dies hat zur Folge, dass gerade in den operativen medizinischen Fächern in der durchschnittlichen ausbildenden Klinik häufig nicht mehr die Zeit und Möglichkeit besteht, die Operationstechniken einschließlich der Endoskopie ausreichend zu erlernen. Die DGGG bemüht sich mit ihrer Deutschen Akademie für Gynäkologie und Geburtshilfe (DAGG) die Aus- und Weiterbildung junger Frauenärztinnen und Frauenärzte zu fördern (siehe dazu die Unterlagen von Prof. Strauss).

Die Arbeitsgemeinschaft für gynäkologische Endoskopie (AGE)in der DGGG versucht, durch Einführung eines strukturierten Ausbildungskonzeptes jungen Ärzten und Ärztinnen die Möglichkeit zu geben, Defizite im Bereich der klinischen Ausbildung zu kompensieren und sie mit einem abgestuften Konzept an die operative gynäkologische Endoskopie heranführen. Hierzu werden von der AGE deutschlandweit endoskopische Ausbildungszentren benannt, die regelmäßig Kurse und Hospitationen anbieten. Der Arzt/die Ärztin selber können den zunehmenden Grad ihrer endoskopischen Kenntnisse und Erfahrungen von der AGE durch Erwerb einer abgestuften Qualifikation bestätigen lassen.
Zudem hat sich die AGE mit den beiden anderen operativ spezialisierten gynäkologischen Arbeitsgemeinschaften – der AGUB (Arbeitsgemeinschaft für Urogynäkologie und plastische Beckenbodenrekonstruktion) sowie der AWOgyn (Arbeitsgemeinschaft für ästhetische, plastische und wiederherstellende Operationsverfahren in der Gynäkologie – im „Forum Operative Gynäkologie“ (FOG) zusammengeschlossen. Dieses gestaltet alle zwei Jahre in Berlin einen großen Fachkongress.

Ausbildung kostet viel Zeit und damit Geld. Diese Zeit wird Ärztinnen und Ärzten heute leider nicht mehr im notwendigen Ausmaße gewährt, was zu absehbaren Problemen in der operativen Ausbildung und Erfahrung führen wird. Es ist an der Zeit, dass die politisch Verantwortlichen diesen Problembereich erkennen und mithelfen, Gegenmaßnahmen einzuleiten.

Ansprechpartner:

Prof. Dr.med. Jürgen Hucke
Ausbildungsbeauftragter der AGE
Chefarzt der Frauenklinik Krankenhaus Bethesda
Hainstraße 35,
42109 Wuppertal

Tel.: 0202/290-2152, Fax: -2158
hucke@bethesda-wuppertal.de

Pressetext von Prof. J. Hucke, Wuppertal


Krebszeitung

--Download Schwierige Rahmenbedingungen bei Operationen in der Gynäkologie als PDF-Datei --


  • Abbildung | Rot gefärbt sind ehemals bösartige Tumorzellen, Melanomzellen, die im Rahmen der natürlichen Immunkontrolle in den dauerhaften Wachstumsarrest, die Seneszenz übergegangen sind. Braumüller H. et al., 2013, Nature 494: 361-365
    Forschung

    Abbildung | Rot gefärbt sind ehemals bösartige Tumorzellen, Melanomzellen, die im Rahmen der natürlichen Immunkontrolle in den dauerhaften Wachstumsarrest, die Seneszenz übergegangen sind.  Braumüller H. et al., 2013, Nature 494: 361-365Gut 40 Jahre nachdem der ehemalige US-Präsident Richard Nixon den „War on cancer“ ausgerufen hatte, stellen neueste Forschungsergebnisse den klassischen Ansatz der Krebsbekämpfung, der exklusiv auf Zerstörung beruht, in Frage. Dem Forscherteam um Professor Martin Röcken der Universitäts-Hautklinik Tübingen gelang es, mit Hilfe von Immunantworten Krebszellen so in einen Dauerschlaf zu versetzen, dass sie in ihrem Wachstum vollständig angehalten wurden. Dieser Zustand des Wachstumsarrestes wird wissenschaftlich Seneszenz genannt und domestiziert den Krebs, ohne die Tumorzellen aktiv zerstören zu müssen. Dies ebnet so langfristig den Weg zu einer nebenwirkungsarmen Krebstherapie.

    Hunderte von Milliarden wurden in den letzten Jahrzehnten in Programmorientierte Forschung (POF) investiert mit dem Ziel in kurzer Zeit den Krebs durch das Zerstören von Tumorzellen zu besiegen. „Zahlreiche sehr wichtige, teils geniale Erfolge verbesserten das Verständnis für die Entstehung und die Diagnostik von Krebs. Erstaunlicherweise stammen viele der wichtigsten Erfolge jedoch nicht aus der POF. Die wichtigsten Ergebnisse sind die Folge einer kompetitiven Einzelförderung – wie sie die Wilhelm Sander-Stiftung gewährt“, zieht Professor Röcken Bilanz. Zwar habe die POF einige wichtige Aspekte vieler Krebserkrankungen zu Tage gebracht, doch der eigentliche durch die POF versprochene Sieg gegen den Krebs sei ausgeblieben. „Das POF-Ziel der einseitig auf Zerstörung ausgerichteten Strategie des ‚War on Cancer’ wird damit zunehmend in Frage gestellt“, so Professor Röcken.

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  • Dr. med. Jörg Neymeyer - Quelle: Charité
    DGU-Kongress 2012

    Dr. med. Jörg Neymeyer - Quelle: CharitéFeingezielte LASER-Therapie innerhalb englumiger Hohlorgane erfordert lange, dünne und in definierte Richtungen strahlende Lichtwellenleiter und wenig tiefenschädigende Gewebedestruktion jedoch mit guter Vaporisationsleistung. Um oberflächliche gut- und bösartige Gewebsneubildungen endoskopisch zu Verdampfen, soll die Wirktiefe des kohärenten Lichtbündels des LASER´s geringer als 1 mm sein. Um das zu destruierende Gewebe optimal abzutragen wurde die Harpoon-Faser eingesetzt. Diese hat ein gebogenes Faserende. Die Therapie wurde dadurch erleichtert.

    Material und Methoden:

    Ein modifizierter Multifunktions-Dioden-LASER für minimalinvasive endoluminale Weichgewebsdestruktion wurde entwickelt (LIMMER-LASER GmbH). Die verwendeten Lichtleiter des Dioden-LASERs wurden entweder als „“harpoon“, als „“bare-fiber“ oder als „“sidefire fibre“ geformt.

    Die klinische Effektüberprüfung erfolgte bei urothelialen Tumore des oberen Harntraktes (Ureter und Nierenbeckentumore). Mittels Tip-on-the-Chip-Endoskopen sowie mittels Narrow Banding Imaging (NBI) erfolgte die Detektion der Tumore. Die LASER-Therapie wurde stets videoendoskopisch dokumentiert.

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