Sicherere Diagnose-Methode zur Erkennung von Bauchspeicheldrüsen-Krebs entwickelt

Raman-Sonde IPHT Jena/S. Döring
Raman-Sonde - IPHT Jena/S. Döring

Mediziner der Universität Jena präsentieren neues aussagekräftiges Verfahren zur Erkennung von Pankreaskrebs am 1. Oktober auf Ostthüringer Endosonographie-Symposium. Eine international einzigartige neue Methode zur sichereren Diagnose von Bauchspeicheldrüsenkrebs haben Mediziner des Universitätsklinikums Jena entwickelt. Mit Hilfe der Endosonographie bei gleichzeitiger Verwendung von Kontrastmitteln ist es ihnen gelungen, ein wesentliches Erkennungsmerkmal von Bauchspeicheltumoren zu ermitteln. Bisher war eine zuverlässige diagnostische Unterscheidung zwischen einer Entzündung und einer Krebserkrankung im Bereich der Bauchspeicheldrüse (Pankreas) nicht möglich.

Ein solches Unterscheidungskriterium haben jetzt die Ärzte der Klinik für Innere Medizin II am Jenaer Uniklinikum in einer Studie an über 50 Patienten entdeckt. Demnach können im endoskopischen Ultraschall (Endosonographie) entzündliche Prozesse anhand der Erkennbarkeit der mit Kontrastmitteln markierten Blutgefäße in den Geweben mit 96% Sicherheit von Tumoren unterschieden werden. Andere bildgebende Methoden lieferten lediglich zu 60 Prozent genaue Daten.

Bei der Endosonographie wird ein an einem Endoskop befestigter Ultraschallkopf zur Untersuchung vor allem des Verdauungstraktes von innen verwendet. Das Verfahren ermöglicht mit der Verwendung von Minisonden auch hochauflösende Aufnahmen schwer zugänglicher Körperregionen. Mit Hilfe von so genannten Kontrastmitteln lassen sich dabei zudem bestimmte Gefäße oder Gewebe farblich markieren und dadurch besser unterscheiden.

Pankreas-Tumoren an sichtbaren Arterien erkennen
„In unserer Studie zeigte sich bei Einsatz eines speziellen Farbverfahrens, dass Pankreastumoren bei endosonographischer Untersuchung lediglich arterielle Gefäße erkennen lassen“ erklärt Oberarzt Dr. Michael Hocke, Leiter der interdisziplinären Endoskopie am Uniklinikum. „Bei chronisch entzündeten Bauchspeicheldrüsen konnten wir dagegen auch Venen erkennen.“ Der Grund: Die Wachstumskraft der bösartigen Zellen presst in Tumoren das Gewebe derartig stark zusammen, dass nur die mit einem höheren Druck durchbluteten Arterien gesehen werden können. Anhand dieses Kriteriums können krankhafte Veränderungen der Bauchspeicheldrüse, die bei endosonographischer Untersuchung nur arterielle Gefäße aufweisen, künftig auch ohne operative Eingriffe mit fast 100prozentiger Sicherheit als Tumoren identifiziert werden.

Bessere Behandlungschancen
„Damit haben wir ein hochsensibles Verfahren und sehr hartes Unterscheidungskriterium für die sicherere Erkennung von Pankreaskrebs gefunden“ ist Prof. Klaus Höffken, Direktor der Klinik für Innere Medizin II, überzeugt. Durch die so mögliche rechtzeitige Einordnung von Bauchspeichel-drüsenkrebs könnten die Behandlungschancen dieser sehr aggressiven Krebsart mit schlechter Prognose in Zukunft erhöht werden.

Tumoren der Bauchspeicheldrüse, die Verdauungsenzyme und körpereigenen Hormonen wie das Insulin produziert, liegen in Deutschland bei den Krebstodesursachen an vierter Stelle. Jährlich erkranken 10.000 Menschen neu an einer bösartigen Bauchspeicheldrüsenveränderung, während 50.000 eine akute oder chronische Entzündung des Pankreas entwickeln.

Da beide Krankheitsbilder nur schwer zu unterscheiden sind, wird bisher bei vielen Patienten der Krebs zu spät erkannt. „Obwohl sich die neue aufwändige Methode der endosonographischen Diagnose nicht als flächendeckende Frühdiagnostik eignet, können damit künftig sichere Unterscheidungen zu einem wesentlich früheren Zeitpunkt getroffen werden“, so Endoskopie-Spezialist Hocke.

Derzeit werden die Ergebnisse der Jenaer Mediziner in weiteren Studien überprüft, wobei auch untersucht wird, ob sich die Erkenntnisse zu den Bauchspeichel- drüsentumoren auch auf andere Tumorarten ausdehnen lassen. Die neue, von den Jenaern entwickelte Technik wird aktuell auch Gegenstand des 3. Ostthüringer Endosonographie-Symposiums sein, das am Freitag, dem 01.10. 2004, am Universitätsklinikum Jena stattfindet.
(Helena Reinhardt)

Kontakt:
Oberarzt Dr. Michael Hocke
Zentrale Endoskopie
Klinik für Innere Medizin II der Universität Jena
Tel. 03641/ 9 32 23 20
E-Mail: michael.hocke@med.uni-jena.de

Pressemitteilung Friedrich-Schiller-Universität Jena


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