So hat Radon keine Chance

Prof. Ingrid Herr und Dr. Wolfgang Groß, Chirurgische Universitätsklinik Heidelberg, bestimmen Proben am neuen Messgerät für die Krebsforschung. Die Dietmar Hopp Stiftung hat die Anschaffung unterstützt. Foto: Universitätsklinikum Heidelberg.

Wir haben zuviel Radon in unseren Innenräumen. Dabei lässt sich das radioaktive Edelgas – die zweithäufigste Ursache für Lungenkrebs – meist mit einfachen, preiswerten und wenig aufwändigen Maßnahmen deutlich reduzieren. „Beton-Plattenfundamente und Abdichtungen gegen Bodenfeuchte bieten einen wirkungsvollen Schutz gegen das Eindringen von Radon“, erläutert ein Sprecher des Bundesamtes für Strahlenschutz (BfS).

BfS empfiehlt Maßnahmen zur Verringerung von Radon in der Raumluft

Besonders wichtig ist auch das Abdichten von Leitungsdurchführungen im Mauerwerk im erdberührendem Gebäudebereich. Sinnvoll kann auch die Installation eines Zu- und Abluftsystems sein. Der Einbau einer dicht schließenden Kellertür trägt dazu bei, die Ausbreitung von Radon in höhere Etagen zu verhindern. Über die vielfältigen technischen Maßnahmen – wie den Einsatz von Folien, dichtenden Anstrichen bis hin zu lüftungstechnischen Maßnahmen informiert auch das zusammen mit dem Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit (BMU) vom BfS herausgegebene „Radon- Handbuch“.

Nachhaltig und kostengünstig sind Maßnahmen zur Radonverminderung, wenn diese vorsorglich bereits beim Neubau von Häusern ergriffen werden. „Die Kosten liegen dann in vielen Fällen bei maximal 2.000 Euro für ein Haus mit 100 m² Grundfläche“, so heißt es aus dem BfS. Das BMU bereitet deshalb einen Gesetzentwurf für Radon in Aufenthaltsräumen vor. Grundlage ist die wissenschaftliche Erkenntnis, dass es ab einer Radonkonzentration von 100 Becquerel pro Kubikmeter (Bq/m3) zu einer signifikanten Erhöhung des Krebsrisikos kommt.

Aber auch in bestehenden Häusern kann die Radonkonzentration meist mit geringem finanziellen Aufwand reduziert werden. So kann in vielen Fällen mit Hilfe eines in die Keller-Außenwand eingebauten kleinen Ventilators ein Über- oder Unterdruck erzeugt werden, der das Radon am Eindringen in das Haus oder seine Weiterverbreitung im Haus verhindert. In Deutschland und einigen anderen Ländern haben sich auch sogenannte „Radonbrunnen“ bewährt. Dabei wird, ähnlich wie bei Überläufen zum Abpumpen von Grundwasser, ein quadratischer Schacht im Boden angelegt, in dem sich das Radon sammelt und dann unter der Bodenplatte abgesaugt. In gleicher Weise wirken Drainagerohre unter der Bodenplatte, an die ein leichter Unterdruck angelegt wird. „Mit solchen lüftungstechnischen Maßnahmen kann man oft schon für geschätzte 1.000 Euro gute Ergebnisse bei der Radonminimierung erzielen“, so der BfS-Sprecher.

Maßnahmen zur Reduzierung der Radonkonzentration lassen sich übrigens auch kostensparend mit ohnehin fälligen Renovierungsarbeiten verbinden. Das Thema Radon sollte beispielsweise berücksichtigt werden, wenn der Keller gegen Feuchte besser isoliert werden soll. Einen Überblick über die Verteilung der Radonkonzentration in einem Meter Tiefe im Erdboden in Deutschland bietet die Radon-Karte des BfS. Die Radonkonzentration in Gebäuden unterliegt allerdings starken zeitlichen Veränderungen.

Entscheidende Einflussfaktoren sind dabei die jahreszeitlichen und täglichen Wetterveränderungen in Kombination mit den individuellen Gewohnheiten bei der Lüftung und Raumnutzung. In Abhängigkeit vor allem von den speziellen Baugrundbedingungen an den Hausstandorten und den Bauwerkseigenschaften können die Radonkonzentrationen auch bereits innerhalb einer Ortschaft stark variieren. Da sich die Radonkonzentrationen selbst zwischen benachbarten Häusern stark unterscheiden können, ist die Situation nur durch Messung zuverlässig zu ermitteln.

Radon kann man auf verschiedene Weise messen. Es gibt Methoden für Fachleute und auch ganz einfache, von jedermann handhabbare Messeinrichtungen (Exposimeter). Für die Bewertung der Radonsituation eines Hauses empfiehlt das BfS Messungen über einen längeren Zeitraum in einem Wohnraum und einem Schlafraum. Messungen im Kellergeschoss geben wichtige Informationen über die Bedeutung von Radon aus dem Boden für das betreffende Haus. Radonexposimeter können bei einer Reihe von Messstellen bezogen werden. Landesmessstellen und Stiftung Warentest erteilen Auskunft über kompetente Messinstitutionen.

Das Radon-Handbuch kann für 10 Euro unter folgender Adresse bestellt
werden:

Wirtschaftsverlag NW
Verlag für neue Wissenschaft GmbH
Postfach 101110
27511 Bremerhaven
Fax: 0471/945 44-88
Email: info@nw-verlag.de .

Hintergrund:

Radon:
Radon ist ein natürliches radioaktives Edelgas, das beim spontanen radioaktiven Zerfall von Uran entsteht und praktisch überall in unterschiedlichen Konzentrationen in der Umwelt vorkommt. Die Höhe der Radonkonzentration in Aufenthaltsräumen hängt neben den geologischen Bedingungen des Baugrundes von einer Vielzahl von Faktoren ab (Dichtigkeit der bodenberührenden Teile des Hauses, Nutzung der Räume, Lüftungsgewohnheiten etc.). Die Hauptursache für Radonkonzentrationen von über 100 Bq/m3 in Aufenthaltsräumen ist in Deutschland Radon aus dem Gebäudeuntergrund. Der bundesweite Durchschnittswert der Radonkonzentration in Wohnräumen liegt bei etwa 50 Bq/m3.

Studie:
Eine im Dezember 2004 im British Medical Journal vorgestellte europaweite Studie zeigt, dass etwa neun Prozent aller Lungenkrebsfälle auf Radon in Aufenthaltsräumen zurückzuführen sind. Radon ist damit die häufigste, umweltbedingte Lungenkrebsursache im Innenraumbereich. Insgesamt betrachtet verursacht nur das Rauchen mehr Lungenkrebsfälle. Das BfS hat daher einen neuen Zielwert für die Radonkonzentration in der Raumluft von 100 Bq/m3 ermittelt. Auch die Weltgesundheitsorganisation (WHO) nennt einen Zielwert in gleicher Höhe.

Pressemitteilung, Bundesamt für Strahlenschutz, Florian Emrich


Krebszeitung

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  • BU: Computergenerierte Darstellung eines Parvovirus H1, Antonio Marchini, Deutsches Krebsforschungszentrum
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    BU: Computergenerierte Darstellung eines Parvovirus H1, Antonio Marchini, Deutsches KrebsforschungszentrumWissenschaftler im Deutschen Krebsforschungszentrum entdeckten, dass das Medikament Valproinsäure die Wirksamkeit von Parvoviren gegen Krebs verbessert. Auf Ratten übertragene Bauchspeicheldrüsen- und Gebärmutterhalstumoren bildeten sich nach einer Behandlung mit Virus und Wirkstoff zum Teil vollständig zurück. Das Medikament bewirkt, dass sich die Viren schneller vermehren und Krebszellen besser abtöten können.

    Parvoviren verursachen beim Menschen keine Krankheitssymptome, können aber Krebszellen befallen und abtöten. Seit 1992 erforschen Wissenschaftler im Deutschen Krebsforschungszentrum diese Viren mit dem Ziel, eine Virustherapie gegen Glioblastome, aggressive wachsende Hirntumoren, zu entwickeln. Seit 2011 läuft in der Neurochirurgischen Universitätsklinik Heidelberg eine klinische Studie, die erstmals die Sicherheit einer Behandlung mit dem Parvovirus H1 erprobt.

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