Stammzelltherapie

Gewebe- Dünnschnitt eines kutanen T-Zell-Lymphoms. Die Zellkerne sind blau gefärbt, PP4R1 braun. Die unter der Haut liegenden T-Zellen weisen keine braune Färbung und somit kein PP4R1 auf. - Quelle: Dr. Marco Herling, Universität Köln

T-Zellen übernehmen die Kontrolle – das Uniklinikum Würzburg die Koordination

Das Universitätsklinikum Würzburg koordiniert das EU-weite Forschungsprojekt „T Control”. Ziel des Vorhabens ist es, die Erfolgsrate von Stammzelltransplantationen weiter zu erhöhen. Gleichzeitig sollen die Nebenwirkungen dieser wichtigen Krebstherapie reduziert werden.

Der Krebsexperte Prof. Hermann Einsele und sein Team vom Universitätsklinikum Würzburg (UKW) haben in einem hochkarätigen Wettbewerb die Förderzusage für ein EU-Forschungsprojekt mit dem Titel „T Control“ bekommen. Drei Jahre lang werden die Würzburger Mediziner nun das Vorhaben koordinieren, das die Stammzelltransplantation weiter verbessern will.

Ansprechraten maximieren, Nebenwirkungen minimieren „Die Stammzelltransplantation ist für viele Patienten mit Leukämie, Lymphknotenkrebs oder multiplem Myelom die einzige potenziell dauerhaft heilende Behandlungsoption“, betont Prof. Einsele, der Leiter der Medizinischen Klinik II des UKW. Seine Klinik gehört mit ihrer Abteilung für Hämatologie und Onkologie zu den deutschland- und europaweit führenden Zentren der Krebstherapie. Sie pflegt eines der größten und modernsten Programme für Knochenmark- und Blutstammzell-Transplantation. Bei der Stammzelltherapie erhalten die Krebspatienten blutbildende Zellen von einem gesunden Spender, um das erkrankte Knochenmark und blutbildende System zu ersetzen. Am Uniklinikum Würzburg werden dabei neben Stammzellpräparaten von gewebeidentischen Familien- und Fremdspendern auch Nabelschnurblutstammzellen und Stammzellen von in den Gewebsmerkmalen nicht identischen Spendern eingesetzt. „Trotz dieser weit fortgeschrittenen, vielfältigen Therapieoptionen sehen wir durchaus noch Ansatzpunkte für Verbesserungen“, sagt Prof. Einsele. Dabei gehe es seinem Team und ihm um eine weitere Erhöhung der Ansprechraten und eine Reduktion der Nebenwirkungen.

Weiße Blutkörperchen im Forscher-Fokus Im Zentrum der Aufmerksamkeit steht ein Teil der weißen Blutkörperchen, die so genannten T-Zellen. „Wir wissen, dass das Knochenmark des Spenders das erkrankte Knochenmark des Patienten nicht einfach ‚nur‘ ersetzt. Zusätzlich attackiert das Immunsystem, das aus dem neuen Knochenmark hervorgeht, aktiv die Leukämiezellen des Patienten”, erklärt Prof. Einsele. „Dabei spielen die T-Zellen eine entscheidende Rolle.“ Beim Forschungsprojekt „T Control” werden die T-Zellen, die gegen die Leukämie, die Lymphom- oder Myelomzellen ankämpfen, durch neue, hochmoderne Verfahren identifiziert und aktiviert, um diesen Effekt weiter zu verstärken. Nach dem gleichen Prinzip werden im Rahmen des Forschungsprojekts ebenfalls gezielt T-Zellen stimuliert, die die Patienten vor Infektionen und schädlichen Wechselwirkungen des Immunsystems schützen.

Neben den Würzburger Medizinern bringen renommierte Kollegen aus Deutschland, Großbritannien und den Niederlanden ihr Know-how und neue Technologien in T Control ein. „Die Patienten an unserer Klinik werden zu den ersten gehören, die von den optimierten Therapieverfahren profitieren können”, freut sich Prof. Einsele.

Eine Würzburger Erfolgsstory, Fortsetzung folgt Das Würzburger Stammzell-/Knochenmarktransplantationsprogramm ist sowohl aus klinischer Sicht als auch wissenschaftlich eine Erfolgsstory. Nach der Eröffnung des Knochenmarktransplantationszentrums im Jahr 2005 wurden gemeinsam mit der Universitätskinderklinik mehr als 1 810 solcher Behandlungen durchgeführt. Maßgebend für diesen Erfolg ist auch das Engagement der Bevölkerung in Würzburg und der Region Unterfranken. Durch ihre Spenden an den Würzburger Verein „Hilfe im Kampf gegen Krebs e.V.“ mit seiner engagierten Vorsitzenden Gabriele Nelkenstock haben sie den Bau der Transplantationsstation überhaupt erst ermöglicht. Ein Achtungszeichen war bereits im Jahr 2005 die Beteiligung der Würzburger Hämatologen an einem EU-Projekt mit dem Titel „AlloStem“, bei dem die Grundlage für die rasante Entwicklung der Knochenmarktransplantation in Würzburg gelegt wurde. „Die diesjährige Vergabe des EU-Projektes T Control an unser Forscherkonsortium mit Würzburger Führung krönt diese Entwicklung und ist der Lohn für unsere harte Arbeit“, zeigt sich Prof. Einsele zufrieden. Die Vorbereitungen für die ersten Testläufe im Labor und die spätere klinische Umsetzung laufen auf Hochtouren.

Spenden für die nächste Generation der Krebstherapie Doch damit nicht genug: Die Planungen für die nächsten Forschungsprojekte und die Weiterentwicklung der bestehenden Therapiekonzepte bei Leukämiepatienten liegen am UKW bereits in der Schublade. „Bei manchen unserer Patienten ist die Leukämie bereits sehr weit fortgeschritten, bei anderen ist aufgrund von Begleiterkrankungen die Knochenmarktransplantation sehr schwierig“, schildert Prof. Einsele und fährt fort: „Bei diesen Patienten könnten schon bald neue Antikörper und Designer-T-Zellen zum Einsatz kommen, die derzeit in unseren Forschungslaboren entwickelt werden. Mit einer Spende an den Verein ‚Hilfe im Kampf gegen Krebs‘ kann jeder helfen, auch diese Überlebenschancen für krebskranke Mitmenschen noch schneller voranzubringen.“

Spendenkontakt:
Hilfe im Kampf gegen Krebs e.V., Sterngasse 3, 97070 Würzburg
Spendenkonto: Castell Bank Würzburg, BLZ 790 300 01, KTO 92 45

Pressemitteilung Universitätsklinikum Würzburg, Susanne Just

Lauschangriff auf den Tumor


Krebszeitung

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  • Von Links: Dr. Freerk Baumann, Prof. Dr. med. Jürgen Dunst. Prof. Dr. med Nadia Harbeck
    Krebskongress 2008

    Von Links: Dr. Freerk Baumann, Prof. Dr. med. Jürgen Dunst. Prof. Dr. med Nadia Harbeck

    In westlichen Industrieländern erkrankt jede 8.-10. Frau im Laufe ihres Lebens an einem Mammakarzinom. Durch Fortschritte bei Früherkennung und medikamentöser Therapie ist diese Erkrankung heute bei über 70 % der Patientinnen im Frühstadium heilbar. Dennoch ist Brustkrebs in der Altersgruppe der Frauen zwischen 35 und 55 Jahren immer noch die häufigste Todesursache. Weiterentwicklungen bei der Systemtherapie wie Aromataseinhibitoren oder zielgerichtete Therapeutika (z.B. Antikörper), die bereits heute für die adjuvante Therapie zur Verfügung stehen, machen jedoch – neben konsequenter Früherkennung – weitere Verbesserungen der Heilungschancen realistisch.

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    Brustkrebs

    Showstar Kylie Minogue und der ehemalige Lauterer Bundesliga-Profi Wolfram Wuttke haben eines gemeinsam: Ihr Arzt stellte bei beiden dieselbe Krankheit fest – Brustkrebs. Mit einem Unterschied. Der australische Popstar ist eine Frau. Bei ihr waren die Chancen, die Krankheit in einem gut heilbaren Frühstadium zu entdecken, größer als bei Wolfram Wuttke. Der Grund: Das Thema Brustkrebs wird von Männern und auch deren Ärzten bislang nicht ernst genug genommen. Deshalb wird Brustkrebs bei Männern oft erst in einem fortgeschrittenen Stadium erkannt – das heißt, der Tumor ist größer und die Krebszellen haben sich weiter ausgebreitet. Dadurch fällt die Heilungschance bei Männern deutlicher geringer aus als bei Frauen. Für Männer liegt die Wahrscheinlichkeit, den Brustkrebs zu besiegen, zwischen 45 und 85 Prozent, bei Frauen dagegen im Mittel bei 76 Prozent, so die Einschätzung des Berliner Robert-Koch-Instituts.

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