Harnblasentumoren

Die Neoblase

Im letzten Artikel haben wir die Behandlung (Therapie) der bereits infiltrierten (in die Harnblase eingedrungenen) Harnblasentumoren und deren Harnableitungen nach der Harnblasenentfernung erläutert. Da dieses Thema noch nicht gänzlich ausgeschöpft ist, setzten wir in dieser Ausgabe diesen Artikel mit weiteren operativen und nichtoperativen Behandlungsformen des infiltrierten Harnblasenkrebs fort.

Zunächst wurde die Neoblase, die mittels ausgeschalteten Dünndarmschlingen ein Reservoir für den Urin bildet und auf natürlichem Weg über die Harnröhre entleert wird, nur für Männer entwickelt. Vor 1980 gab es im Hinblick auf die Anästhesie, der Intensivmedizin und der Infektionsprofilaxe keine Möglichkeit, in einem OP-Vorgang die Harnblase zu entfernen und gleichzeitig eine Neoblase aus Dünndarm als Harnableitungssystem zu fertigen, ohne das Risiko einzugehen, den Patienten während der Operation zu verlieren. Erst danach gab es durch neue Verfahren die Möglichkeit eine orthotope Neoblase (Harnblasenersatz) aus Dünndarmschlingen herzustellen und 1986 gab es weltweit die ersten Erfahrungsberichte über diese Methode, die seitdem immer öfter als Standard- Harnableitungssystem Verwendung findet. Die Gefahren der Operation sind heutzutage als gering anzusehen.

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Therapie von infiltrierten Harnblasentumoren

Im letzten Artikel haben wir die Behandlung (Therapie) des oberflächlichen Harnblasenkrebses behandelt. In diesem Artikel beschäftigen wir uns nun mit der Therapie der bereits infiltrierten (in die Harnblase eingedrungenen) Harnblasentumoren, die ganz andere Therapien erfordern, als die oberflächlichen und noch nicht in die Harnblasenwand eingedrungenen Tumoren.

Therapiewahl

Nur etwa 20% der Harnblasenkarzinome befinden sich zum Zeitpunkt der ersten Diagnose im fortgeschrittenerem Stadium, d.h. mit Beteiligung der Muskelschicht der Harnblasenwand. Diese werden – tief infiltrierende Harnblasenkarzinome – genannt. Hier stehen folgende Therapiemöglichkeiten zur Verfügung:


Behandlung (Therapie) des oberflächlichen Harnblasenkrebses

Im letzten Artikel haben wir die diagnostischen Möglichkeiten behandelt, Harnblasenkrebs (auch Blasenkrebs oder medizinisch Urothelkarzinom genannt) zu erkennen. In diesem Artikel beschäftigen wir uns nun mit der Behandlung (Therapie) des oberflächlichen Harnblasenkrebses.

Operative Blasenspiegelung (TUR-B)

TUR-B-Zeichnung - Bild: Detlef HöwingHat der Urologe nach der Diagnose den dringenden Verdacht, dass ein Harnblasenkrebs vorliegen könnte, wird er zunächst eine relativ kleine Operation, die Trans-Urethrale Resektion der Blase (TUR-B, TUR-Blase, oder auch operative Blasenspiegelung genannt) zur Abklärung und Sicherung der Diagnose empfehlen.

Diese wird meist in einer urologischen Fachklinik durchgeführt. Dazu wird unter Narkose ein starres Rohr durch die Harnröhre in die Harnblase eingeführt, durch das sich zusätzliche Operationsinstrumente wie, z. B. eine Hochfrequenzstrom führende Drahtschlinge, einbringen lassen. Mit deren Hilfe werden eventuell vorhandene Tumoren und tumorverdächtige Bereiche entfernt. In den ersten 24 Std. nach der TUR-B sollte eine Frühinstillation (Spülung der Harnblase mit einem Medikament) erfolgen, um zu vermeiden, dass sich in den resizierten (entfernten) Bereichen Krebszellen neu ansiedeln können.


Diagnostik des Harnblasenkrebs

Im letzten Artikel haben wir über die Risiken, die zu Harnblasenkrebs führen können, aufgeklärt und über mögliche Vorsorge- und Früherkennung berichtet, der ein Mittel darstellt, frühzeitig Blasenkrebs zu erkennen. In diesem Artikel beschäftigen wir uns nun mit den diagnostischen Möglichkeiten, Harnblasenkrebs (auch Blasenkrebs oder medizinisch Urothelkarzinom genannt) zu erkennen.

Symptome

Harnblasenkrebs wird oftmals zu spät erkannt, da Symptome der Erkrankung oft sehr spät auftreten und von Arzt wie Patient falsch gedeutet werden können, da gleiche Symptome auch auf weniger gefährliche Erkrankungen hinweisen können. Gerade der Anteil der zu spät diagnostizierten Frauen ist sehr hoch, da bestimmte Frauenleiden die gleiche Symptomatik haben können.

Die Symptome im Einzelnen:

  • Häufig auftretende Infekte oder Entzündungen der Harnblase
  • Schmerzen beim Wasserlassen
  • Häufiger Harndrang
  • Harninkontinenz
  • Harnverhalt
  • Sichtbare oder nicht sichtbare Blutbeimengungen im Urin (Makro- oder Mikrohämaturie)
  • Zellklumpen im Urin

Wenn diese Symptome auftreten, ist unbedingt der Arztbesuch bei einem Urologen zu empfehlen, der den Ursachen auf den Grund gehen wird. Bei Blutbeimengungen im Urin ist auf jeden Fall ein Harnblasenkrebs auszuschließen, so die Empfehlung der internationalen Leitlinien zum Harnblasenkrebs

Schmerzen entstehen oft erst sehr spät in weit fortgeschrittenen Stadien oder wenn ein Harnleiter (von der Niere zur Harnblase) oder die Harnröhre durch einen Tumor verlegt ist. In diesem Fall können die Schmerzen auch in den Flanken oder im Rücken sein, wegen der Stauung oder Entzündung der betroffenen Niere.


Harnblasenkrebs

Neuerkrankungsrate Harnblasenkrebs 2004 - Bild: Detlef Höwing Laut Schätzungen des Robert-Koch-Instituts erkrankten in Deutschland im Jahr 2004 etwa 28.750 Menschen neu an Harnblasenkrebs und 6.194 Menschen starben an dieser Krebsart. Das sind etwa 4.000 Erkrankte mehr, als zur Jahrtausendwende. Damit ist der Krebs der Harnblase (Urothelkarzinom) nach dem Prostatakrebs die zweithäufigste urologische Krebsart bei Männern und liegt bei Frauen noch vor dem Gebärmutterhalskrebs. Bei einem drittel der neu Erkrankten ist bei der Erstdiagnose der Krebs bereits in ein invasives Wachstumsstadium eingetreten und damit schwer oder gar nicht mehr behandelbar. Trotz dieser alarmierenden Zahlen ist in der Öffentlichkeit wenig über diese Krebsart bekannt.

Die Risiken zu erkranken

Harnblasenkrebs ist eine Krebsart, die oft bei solchen Menschen auftritt, die während ihres Lebens häufig mit krebserregenden Stoffen zu tun hatten. Dabei kann der Zeitpunkt bis zum Ausbruch der Krankheit Jahrzehnte zurückliegen. Leider wissen immer noch zu wenige Menschen über die Risiken Bescheid, die zu Harnblasenkrebs führen können.

Der wichtigste Risikofaktor für Blasenkrebs ist das langjährige Rauchen. Ein erhöhtes Risiko für Blasenkrebs haben wegen des häufigen Umgangs mit krebsauslösenden Substanzen außerdem:

  • Industrie- und Bauarbeiter,
  • Beschäftigte, die mit Teerprodukten in Kontakt kommen,
  • Berufskraftfahrer und Tankstellenbedienstete,
  • Feuerwehrleute,
  • Druckereibeschäftigte,
  • Maler, Lackierer,
  • Beschäftigte der Kunststoff- Ver- bzw. Bearbeitung,
  • Frisöre.

Jenaer Operationsstrategie

Eine Minimierung des Komplikationsspektrums nach einer radikalen Zystektomie mit Neoblase wird zunehmend weltweit in Publikationen thematisiert. Dabei werden zahlreiche neue Operations-Techniken beschrieben, wobei hier der teilweise Prostataerhalt bei Männern im Mittelpunkt steht. Diskutiert wird in diesem Zusammenhang, ob insbesondere die häufigst auftretende erektile Dysfunktion, die Harninkontinenz bei einigen Patienten und ein möglicher Verschluss der Nahtstelle zwischen Neoblase und Harnröhre auszuschließen ist oder sich minimieren lässt.

Jenaer Operationsstrategie der radikalen Zystektomie mit dem teilweisen Erhalt der Prostata und Bildung einer Neoblase als Harnblasenersatz

Modifizierte OP-TechnikPostoperativer Zustand

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


Zweitlinien-Chemotherapie bei Blasenkrebs

Blasenkrebs ist eine heimtückische Tumorerkrankung der Harnblase, da die Erkrankung zunächst sehr lange Zeit ohne Beschwerden abläuft und damit oft zu spät erkannt wird. Die Folge ist, dass dann häufig nicht nur die Harnblase betroffen ist, sondern der Tumor sich weiter im Körper ausgebreitet hat (metastasiert ist). Dann spricht man von einem fortgeschrittenen Stadium der Krankheit, die nur noch radikal operativ, mit Radiotherapie, Chemotherapie oder einer Kombination aus allem mit mäßigem Erfolg behandelt werden kann. Denn oft treten in der Folge erneut Tumoren auf. Nun gibt den Betroffenen ein neues Medikament Hoffnung, das mit dem Wirkstoff Vinflunin, um die Erkrankung nach einer erfolglosen Chemotherapie mit einem erneuten Auftreten (Rezidiv) erfolgreich in den Griff zu bekommen. Hier spricht man dann von Zweitlinien-Chemotherapie oder auch Second-Line Therapie.


Berliner Neoblase

Grafik: Standardvorgehen- Zystektomie der FrauWenn eine radikale Entfernung der Blase bevorsteht, sieht die Frau folgendes Bild vor sich:
Sie sieht die Verwüstung ihres eigenen Körpers, kann sich weniger anfreunden mit einem späteren Urostoma und einem Auffangbeutel. Bis Ende der 90er Jahren gab es als „Goldener Standard“ das Conduit bei der Frau. Es wurden auch katheterisierbare Pouches standardmäßig eingesetzt und die Ureterosigmoidestomie (Harnableitung in den Enddarm) wurde als Versuch einer Harnersatzblase durchgeführt. Trotzdem blieben diese Eingriffe gerade bei der Frau „verstümmelnde Eingriffe“ !


Vinflunin zur Behandlung des metastasierten Harnblasenkarzinoms

Forschungslabor von Pierre Fabre - Quelle: Pierre FabreNach Erteilung der Marktzulassung durch die EMEA wird JAVLOR® in Europa die erste Monotherapie zur Behandlung erwachsener Patienten mit fortgeschrittenem oder metastasiertem Übergangszellkarzinom des Urothels nach Versagen einer Platin-haltigen Therapie sein. Entsprechend groß sind die Erwartungen der Ärzte und Patienten. In Europa ist die Häufigkeit des Harnblasenkarzinoms mit einer geschätzten Inzidenz von 100.000 Neuerkrankungen und einer Mortalität von jährlich 50.000 sehr hoch, wobei die meisten Fälle in Zusammenhang mit Tabakkonsum stehen.

Das Unternehmen Pierre Fabre Pharma gibt bekannt, dass der Ausschuss für Humanarzneimittel (Committee for Medicinal Products for Human Use – CHMP), das wissenschaftliche Beratungskomitee der Europäischen Arzneimittelagentur (European Medicines Agency – EMEA), heute eine positive Bewertung abgegeben hat und somit die Marktzulassung für JAVLOR® (Vinflunin) als Monotherapie zur Behandlung des metastasierten Harnblasenkarzinoms (fortgeschrittenes oder metastasiertes Übergangszellkarzinom des Urothels nach Versagen einer Platin-haltigen Therapie) empfiehlt. Das CHMP hat diese positive Bewertung auf der Basis der Ergebnisse von zwei Phase-II-Studien sowie der bisher einzigen Phase-III-Studie, die beim metastasierten Harnblasenkarzinom nach Versagen einer Platin-haltigen Therapie publiziert wurde, getroffen.


Immer mehr Blasenkrebskranke

Nach neuesten Schätzungen des Robert-Koch Instituts (RKI) für das Jahr 2004 erkrankten etwa 28.750 Menschen in Deutschland neu an Harnblasenkrebs und etwa 6.194 Menschen starben an dem Krebs der Harnblase. Demnach erkrankt etwa alle 18 Minuten ein Mensch in Deutschland an Blasenkrebs und etwa jede Stunde stirbt jemand bei uns an diesem Krebs, dessen Neuerkrankungsrate im Gegensatz zu anderen Krebsarten immer weiter ansteigt. Denn vergleicht man diese Statistik mit der aus dem Jahr 2000, dann ergibt sich ein Anstieg der Neuerkrankungen von etwa 4.000 Menschen innerhalb von vier Jahren. Da in den letzten Jahren nichts für die rechtzeitige Früherkennung von Harnblasenkrebs im Gesundheitssektor getan wurde, ist zu befürchten, dass die Neuerkrankungsrate von Harnblasenkrebs in diesem Jahr bei etwa 32.750 Menschen liegen dürfte.