Hirntumor - Quelle: NGFN
Hirntumoren

Therapiekonzepte bei Hirntumorpatienten werden zunehmend individualisierter

23. Oktober 2014 Detlef Hoewing 0

Neue Ansätze zur individualisierten Therapie von Hirntumoren bilden einen Themenschwerpunkt der Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Neuroradiologie e.V. Köln, 23.Oktober 2014. Diffuse, hirneigene Tumoren, sogenannte Gliome, treten mit einer Häufigkeit von 5-6/100.000 in Deutschland lebender Menschen auf und sind somit eine sehr seltene Erkrankung. Bislang wurden die meisten Gliom-Patienten mit einer postoperativen Radiotherapie, Chemotherapie mit Temozolomid oder PCV (Procarbazin, CCNU und Vincristin) oder einer entsprechenden Radio-Chemo-Therapie behandelt. In den letzten Jahren haben sich erste individualisierte neuroonkologische Therapiekonzepte etabliert. Diese betreffen zunächst drei molekulare Parameter, die wichtige Informationen für die Therapieentscheidung liefern: Mutationen im Isocitratdehydrokinase-(IDH)-Gen, der Verlust der Chromosomenarme (Kodeletion von) 1p/19q und die Promotorhypermethylierung von MGMT. IDH-Mutationen differenzieren zwei biologisch vollständig unterschiedliche Gruppen von Gliomen. Patienten mit einem IDH-mutierten Gliom haben eine deutlich bessere Prognose und sollten in den meisten Fällen mit einer Radio-Chemo-Therapie mit PCV oder Temozolomid behandelt werden. Ein ähnlicher Grundsatz gilt für Patienten mit einer Kodeletion von 1p und 19q. Diese Patienten haben durch diese Deletion charakterisierte oligodendrogliale Tumoren und profitieren ebenfalls von einer kombinierten Radio-Chemo-Therapie gegenüber dem vor zwei Jahren gültigen Standard einer alleinigen Radiotherapie. Ob solche Patienten ähnlich günstig auch mit einer alleinigen Chemotherapie behandelt werden können, wird Gegenstand zukünftiger Studien in dieser Patientengruppe sein. […mehr lesen]