Prof. Ingrid Herr und Dr. Wolfgang Groß, Chirurgische Universitätsklinik Heidelberg, bestimmen Proben am neuen Messgerät für die Krebsforschung. Die Dietmar Hopp Stiftung hat die Anschaffung unterstützt. Foto: Universitätsklinikum Heidelberg.
Forschung

Auf dem Weg zu einem neuen Krebsmedikament

10. März 2016 Detlef Hoewing 0

Forscher der Goethe-Universität und der Universität von Kent (Großbritannien) haben den ersten Schritt auf dem Weg zu einer neuen Generation von Krebsmedikamenten gefunden, die in der Lage sind, Resistenzen gegen Wirkstoffe zu hemmen. Mit seiner Forschung hat das internationale Team von Professor Jindrich Cinatl von der Goethe-Universität und Professor Martin Michaelis von der Kent’s School of Biosciences den Weg zu maßgeschneiderten Medikamentenkombinationen geebnet, die die Wirksamkeit von Behandlungen insbesondere bei Patienten mit therapieresistenten Krebsarten steigern könnten. Medikamentenresistenzen sind ein häufiger Grund für das Scheitern von Krebstherapien, und sie sind somit verantwortlich für den Tod vieler Patienten. Trotz großer Fortschritte bei der Behandlung von Krebs in den vergangenen Jahrzehnten kommt es noch immer vor allem dann zur Heilung, wenn der Krebs früh entdeckt und lokal behandelt wird in Form von chirurgischem Eingriff und Strahlentherapie. Haben sich die Krebszellen erst einmal im Körper verbreitet und Metastasen gebildet (sekundäre Tumoren), ist die Prognose düster: Die Überlebensrate nach fünf Jahren liegt dann bei unter 20 Prozent. Deshalb werden dringend wirksame Medikamente gesucht, die die Chancen von Patienten mit metastasierendem Krebs systemisch verbessern helfen. Allerdings tragen viele Krebsarten Resistenzen in sich und reagieren schon vom Zeitpunkt der Diagnose an auf keinerlei Therapie, andere sprechen zunächst […mehr lesen]

Foto: Pathologie des Klinikums der Uni Heidelberg
Gesundheitspolitik

Erneuter Lieferengpass für Krebsmedikament Melphalan

16. Dezember 2015 Detlef Hoewing 1

DGHO kritisiert Untätigkeit der Bundesregierung Berlin, 16. Dezember 2015 – Erneut ist ein Lieferengpass für das Krebsmedikament Melphalan aufgetreten. Melphalan ist ein lebenswichtiges Standardmedikament für Patienten mit Multiplem Myelom, einem lymphatischen Knochenkrebs. Lieferengpässe bei Arzneimitteln sind seit Jahren ein chronisches Problem. Die DGHO Deutsche Gesellschaft für Hämatologie und Medizinische Onkologie e.V. fordert die Bundesregierung auf, endlich aktiv zu werden. Bereits im vergangenen Sommer hatte über fünf Wochen ein Lieferengpass bei Melphalan bestanden. Das Arzneimittel ist unverzichtbar in der Behandlung von Patienten mit Multiplem Myelom. Es gehört seit Jahrzehnten zur Standardtherapie bei älteren Patienten. Bei jüngeren Patienten wird Melphalan in hoher Dosierung im Rahmen der Stammzelltransplantation eingesetzt und führt zu einer signifikanten Verlängerung der Überlebenszeit. Der Vertreiber dieses Arzneimittels hat jetzt erneut mitgeteilt, dass ein Lieferengpass besteht. Die Lieferung von Melphalan wird kontingentiert. Es wird gebeten, Behandlungen von Patienten nur dann zu beginnen, wenn die Versorgung sichergestellt ist. Es ist zurzeit nicht absehbar, ab wann dieses Arzneimittel wieder uneingeschränkt lieferbar sein wird. „Immer wieder sind in den letzten Jahren Krebsmedikamente nicht lieferbar gewesen. Betroffen sind fast alle Krebserkrankungen“, erklärt Prof. Mathias Freund, Geschäftsführender Vorsitzender der DGHO. Die Gründe für die Lieferengpässe sind vielfältig. „Die meisten Probleme entstehen bei Substanzen, die seit […mehr lesen]

Krebssymbol - pixabay
dkfz

Neue Methode kann Nebenwirkungen von Krebsmedikamenten vorhersagen

9. Oktober 2014 Detlef Hoewing 0

Jedes neue Krebsmedikament kann die Überlebenschancen von Patienten erhöhen. Leider bringen diese Medikamente manchmal jedoch schwere Nebenwirkungen mit sich, deren Ursachen bisher selten entschlüsselt werden konnten. Einem internationalen Wissenschaftlerteam aus München, Heidelberg, Schweden und Singapur ist es nun gelungen, eine neue Methode zu entwickeln, mit der sie Nebenwirkungen auf Zellebene erklären und sogar vorhersagen können. Krebsmedikamente rufen neben der erhofften Wirkung auf Krebszellen oft schwerwiegende, teilweise schmerzhafte Nebenwirkungen hervor. Zu den bekannteren Nebenwirkungen gehören Haarausfall, Übelkeit und Immunschwäche. Viele Patienten leiden darüber hinaus an Kribbeln in den Händen bis hin zu schweren Nervenstörungen wie dem Verlust des Tastsinns oder klagen über Lichtempfindlichkeit, was die Lebensqualität erheblich einschränkt. Ein Grund dafür liegt in der Wirkungsweise der Medikamente: Viele greifen nicht nur die gewünschten Ziele, bestimmte Proteine in den Krebszellen, an, sondern auch andere Proteine in gesunden Zellen. Das kann in manchen Fällen die gewünschte Wirkung sogar noch steigern, sorgt in den meisten Fällen jedoch vorrangig für Nebenwirkungen. Ließen sich diese „falschen“ Ziele eines neuen Medikaments vorab erfassen, könnten seine Nebenwirkungen vorhergesagt werden. Man wüsste, ob, warum und vor allem wie ein Medikament Nebenwirkungen hervorruft. Mit einem einfachen aber ausgeklügelten Verfahren ist dies Wissenschaftlern von Cellzome in Heidelberg und dem Karolinska Institut […mehr lesen]

Die Bildfolge zeigt die Isolierung einer Brustkrebszelle (kleiner Kreis links und Mitte) und rechts einen Ausschnitt aus ihrem »molekularen Porträt«. - © Fraunhofer ITEM
Krebsthemen

Schneller zum richtigen Krebsmedikament

30. April 2014 Detlef Hoewing 0

Wie sich eine Krebserkrankung entwickelt, ist oft schwer vorherzusagen. Neue Erkenntnisse aus der Fraunhofer-Forschung helfen, den Krankheitsverlauf besser zu verstehen und für den Patienten die individuell richtige Therapie zu finden. Der Kampf gegen Krebs ist für Betroffene eine langwierige Angelegenheit: Auch wenn ein Tumor operativ entfernt wurde, ist die Krankheit längst nicht ausgestanden. Zellen aus dem Tumor streuen in andere Organe und können sich dort zu neuen Metastasen auswachsen. Um auch diese gestreuten Zellen unschädlich zu machen, muss sich der Patient nach der Operation einer Chemotherapie unterziehen. Neuere Behandlungsansätze, etwa für Brustkrebs, beziehen molekulargenetische Erkenntnisse mit ein, um für die Patientinnen die wirksamste Medikation zu finden: Die Ärzte untersuchen dazu den genetischen »Fingerabdruck« des Primärtumors. Liegt dabei etwa das Gen HER2 vermehrt vor, bekommt die Patientin das Medikament Herceptin. Tumor streut bereits bei einer Größe von 1 bis 6 Millimetern Forscher des Fraunhofer-Instituts für Toxikologie und Experimentelle Medizin ITEM haben nun Erstaunliches herausgefunden: »Die Annahme, dass die gestreuten Zellen die gleichen Eigenschaften aufweisen wie der Primärtumor, stimmt manchmal, aber bei weitem nicht immer«, erklärt Prof. Christoph Klein, Leiter der ITEM-Projektgruppe »Personalisierte Tumortherapie« in Regensburg. Der Wissenschaftler und sein Team konnten nachweisen, dass die Streuung weitaus früher erfolgt als bislang angenommen. […mehr lesen]

Ein 'Labor' kleiner als eine 1-Euromünze: Der Mikrochip, den die Hochschule Hamm-Lippstadt gemeinsam mit der iX-factory GmbH in einem neu gestarteten Forschungsprojekt entwickelt, um Leukämiediagnostik zukünftig in der Praxis zu ermöglichen. - Copyright: Hochschule Hamm-Lippstadt
Krebsthemen

Therapiebegleitende Diagnostik bei Krebs

7. Oktober 2013 Detlef Hoewing 0

Eigentumsrechte klären und Abläufe standardisieren

Ärzte können heute durch Tests immer häufiger und genauer vorhersagen, ob ein Krebsmedikament bei einem Patienten wirken wird oder nicht. Diese „Companion Diagnostics“ entwickeln sich derzeit zu einem wachsenden neuen Forschungsbereich der Medizin. Die dafür notwendigen Gewebeproben werden zunehmend für klinische Studien genutzt. Welche ethischen, auch eigentumsrechtlichen und technischen Probleme Companion Diagnostics bergen, ist ein Thema des diesjährigen Herbstsymposiums der Korporativen Mitglieder der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin e. V. (DGIM).

Ein Drittel aller neu zugelassenen Arzneimittel bis zum Jahr 2015 sind Krebsmedikamente. Früher bestimmten Pathologen durch ihre Gewebediagnostik im wesentlichen nur, an welcher Krebsart ein Patient leidet und wie bösartig der Tumor ist. Doch vor allem für Lungen-, Magen-, Dickdarm- und Hautkrebs entwickelten Forscher in den vergangenen drei Jahren neue therapiebegleitende Tests. Sie geben vor Gabe der Medikamente darüber Aufschluss, ob ein Wirkstoff bei einem Patienten überhaupt wirksam sein kann. Mehr als 20 Tests wurden bislang eingeführt, um bei Leukämien und bösartigen Tumoren eine für den Patienten passende Therapie zu finden, berichtet Professor Dr. med. Christoph Röcken, Leiter des Instituts für Pathologie an der Christian-Albrechts-Universität in Kiel.

[…mehr lesen]

Themenfoto Darmkrebs - Foto: Bayer Vital gmbH
Darmkrebs

Abhilfe bei schwerer Nebenwirkung von Krebsmedikament

12. November 2012 Detlef Hoewing 0

Krebspatienten, die bei einer Chemotherapie das Medikament Oxaliplatin erhalten, leiden häufig unter schmerzhaften Nervenstörungen. Forscher der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) und der Ludwigs- Maximilians-Universität München haben nun den Grund für diese gravierende Nebenwirkung herausgefunden. Ihre Ergebnisse haben sie kürzlich in der Fachzeitschrift PNAS veröffentlicht und die Deutsche Schmerzgesellschaft zeichnete sie zudem mit dem ersten Preis im Bereich Grundlagenforschung aus.

Oxaliplatin ist ein Medikament, das unter anderem zur Behandlung von Darmkrebs eingesetzt wird. Eine häufige Nebenwirkung ist eine akute sowie chronische Form von Nervenschädigung, die sogar dazu führen kann, dass die Therapie abgebrochen werden muss. Diese äußerst unangenehmen Muskelkrämpfe und Missempfindungen – eine Art Kribbeln – treten auf, sobald die Patienten einen kalten Gegenstand berühren, wie beispielsweise eine Cola- Dose. Dies führt dazu, dass die Patienten kalte Getränke oder niedrige Zimmertemperaturen meiden, da die Effekte, die am ganzen Körper auftreten können, unerträglich sind. In der Studie zeigten die FAU-Wissenschaftlerin PD Dr. Angelika Lampert, Institut für Physiologie und Pathophysiologie, und ihre Münchner Kollegin Dr. Ruth Sittl mit ihren Teams, welcher Baustein der Nervenzellen dafür verantwortlich ist.

[…mehr lesen]

Chemotherapie - pixabay
Medizin

Engpässe bei Krebsmedikamenten – jetzt auch in Deutschland

3. September 2012 Detlef Hoewing 0

Engpässe bei Krebsmedikamenten – jetzt auch in Deutschland.

Berlin, 31. August 2012 – In den kommenden Wochen entscheidet der Bundesrat über das Zweite Gesetz zur Änderung arzneimittelrechtlicher und anderer Vorschriften. Nun gilt es für die Länder, Engpässe bei Krebsmedikamenten durch entsprechende gesetzliche Regelungen vorzubeugen. Die aktuelle Marktrücknahmen und Lieferschwierigkeiten bei essentiellen und überlebensnotwendigen Krebsmedikamenten zeigen den dringenden politischen Handlungsbedarf.

[…mehr lesen]

Darstellung eines Hirntumors mit Computer- und Positronenemissions- Tomographie. Die farbigen Konturen dienen zur Planung einer Strahlentherapie - Quelle: dkfz
Hirntumoren

Neues Krebsmedikament in klinischer Erprobung

15. Dezember 2004 Detlef Hoewing 0

Eine der am häufigsten auftretenden Formen von Hirntumoren sind die so genannten „Glioblastome“, an denen allein in Deutschland jährlich bis zu 5.000 Menschen erkranken. Die Behandlungsmöglichkeiten hierfür sind gegenwärtig noch sehr beschränkt, an wirksamen Medikamenten wird intensiv geforscht. Einer Gruppe von Wissenschaftlern am Lehrstuhl II für Organische Chemie der TU München (Prof. Horst Kessler) gelang es in Zusammenarbeit mit dem Darmstädter Pharma-Konzern Merck bereits 1995 ein Eiweißmolekül („Cilengitide“) zu synthetisieren, das zur Bekämpfung aggressiver Krebszellen eingesetzt werden kann. Nach erfolgreich abgeschlossenen klinischen Vorstudien ist der Wirkstoff „Cilengitide“ kürzlich in die klinische Studie II aufgenommen worden.

[…mehr lesen]

Gefärbte mikroskopische Aufnahme eines Influenza-Virus CDC/ Erskine. L. Palmer, Ph.D.; M. L. Martin
Krebs bei Kindern

Valproinsäure als Krebsmedikament

30. November 2004 Detlef Hoewing 0

Die Verdienste von Professor Dr. Jindrich Cinatl, Leiter des Interdisziplinären Labors für Tumor- und Virusforschung am Institut für Medizinische Virologie (Direktor: Prof. Dr. Hans Wilhelm Doerr), Universitätsklinikum Frankfurt am Main, auf dem Gebiete der Krebsforschung sind in jüngster Zeit in zweifacher Hinsicht von unabhängiger Seite gewürdigt worden. So erhielt Professor Cinatl für seine pädiatrisch-onkologischen Arbeiten den Fritz-Acker-Preis 2004. Der Fritz-Acker-Preis ist mit € 5.000,- dotiert und wird jährlich von der Fritz-Acker-Stiftung an Wissenschaftler verliehen, die sich auf dem Fachgebiet der Krebsforschung oder der Herzleiden besonders verdient gemacht haben.

[…mehr lesen]

Bild Dr. Andreas Benesic: Cyclophosphamid und Ifosfamid sowie dessen Abbauprodukte Chloroacetaldehyd und Acrolein schädigen eine bestimmte Struktur in den Nieren (gelber Pfeil). Dadurch gehen dem Körper mit dem Urin wertvolle Stoffe verloren
Krebs bei Kindern

Schäden an der Niere als Nebenwirkung der Chemotherapie

16. November 2004 Detlef Hoewing 0

Bild Dr. Andreas Benesic: Cyclophosphamid und Ifosfamid sowie dessen Abbauprodukte Chloroacetaldehyd und Acrolein schädigen eine bestimmte Struktur in den Nieren (gelber Pfeil). Dadurch gehen dem Körper mit dem Urin wertvolle Stoffe verlorenBei krebskranken Kindern werden zur Behandlung von Knochen- und Muskeltumoren die Medikamente Cyclophosphamid und Ifosfamid eingesetzt. Die Heilungsrate bei dieser Chemotherapie ist hoch, bis zu 70 Prozent. Allerdings sind Nebenwirkungen möglich – unter anderem Nierenschäden, die sich zum Teil erst Jahre nach der Behandlung bemerkbar machen. Wie es dazu kommt, wird an der Uni Würzburg erforscht. Es ist vor allem die Therapie mit Ifosfamid, die sich negativ auf die Nieren auswirkt. Die Kinder sind dann zwar von ihrer Tumorerkrankung geheilt, scheiden aber mit dem Urin zu viele Elektrolyte und Aminosäuren aus. Das kann schwerwiegende Konsequenzen haben: Verliert der Körper zu viel Kalzium und Phosphat, so entwickelt sich eine Rachitis mit abnormalem Knochen- und Körperwachstum.

[…mehr lesen]