Lebertumoren

Lebertherapie per Ultraschall

Fraunhofer MEVIS koordiniert EU-Projekt zur Weiterentwickelung einer neuartigen, schonenden Therapie Tumoren entfernen ohne Skalpell und Röntgenstrahlung – das ist mit einer speziellen Art von Ultraschall möglich. Dabei werden starke, gebündelte Ultraschallwellen so in den Körper des Patienten gerichtet, dass sie dort gezielt Krebszellen erhitzen und abtöten. Dieses noch junge und…

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Mediziner der Asklepios Klinik Barmbek bekämpfen Lebertumoren lokal mit Chemosaturation-Therapie

Schematische Darstellung wie die Leber während der Behandlung vom restlichen Kreislauf abgekoppelt wird.  - Quelle: DelcathMediziner der Asklepios Klinik Barmbek haben erstmalig in der Metropolregion Hamburg eine Leberkrebspatientin mit der Chemosaturation- Therapie behandelt. Hierbei handelt es sich um eine lokal begrenzt wirkende, hochdosierte Chemotherapie, die zum Einsatz kommt, wenn andere Therapie ausgeschöpft sind. Bislang kommt die neue Behandlungsmethode in Deutschland nur in wenigen Universitätskliniken zum Einsatz. In Barmbek wird diese technisch besonders aufwändige Chemotherapie in enger Zusammenarbeit zwischen den Fachabteilungen Radiologie (Chefarzt Prof. Dr. Roland Brüning), Onkologie (Chefarzt Dr. Axel Stang) und Viszeralmedizin (Chefarzt Prof. Dr. Karl J. Oldhafer) durchgeführt.

Den entscheidenden Vorteil der neuen Therapie erläutert Prof. Dr. Roland Brüning, Chefarzt der Radiologie der Asklepios Klinik Barmbek: „Im Gegensatz zur herkömmlichen Chemotherapie können wir hier eine wesentlich höhere Dosierung einsetzen – denn die Therapie wirkt lokal begrenzt; praktisch nur die Leber kommt in Kontakt mit der chemotherapeutischen Substanz.“ Danach werden die eingesetzten Medikamente mithilfe eines Filtersystems wieder aus dem Körper entfernt. Ermöglicht wird dies durch ein spezielles Kathetersystem, das einen geschlossenen Blutkreislauf mit der Leber hergestellt (siehe beigefügte Grafik).


Integration der SIRT in das Behandlungskonzept inoperabler Lebertumoren

Die Selektive Interne Radiotherapie (SIRT) ist mittlerweile fester Bestandteil palliativer Behandlungskonzepte von nicht resektablen Lebermetastasen und primärem Leberzellkrebs und gewinnt zunehmend auch im Rahmen der Leberchirurgie an Bedeutung. Durch Injektion radioaktiver Mikrokügelchen in die Leberarterie wird das Tumorgewebe direkt im Körperinneren bestrahlt. Entscheidend für die Wirksamkeit der Therapie ist eine effiziente Patientenselektion im Rahmen eines fächerübergreifenden Tumorboards. Experten stellten die Auswahlkriterien auf dem diesjährigen Chirurgenkongress einem Fachpublikum vor.

Die Selektive Interne Radiotherapie kann die Prognose bei zielgenauer Patientenauswahl signifikant verbessern, war das Fazit von Experten auf dem diesjährigen DGCH-Kongress. Die Therapie wird besonders beim nicht resektablen hepatozellulären Karzinom sowie bei Lebermetastasen aus Darm- und Brustkrebs oder neuroendokrinen Tumoren eingesetzt. Aber auch Cholangiokarzinome und Metastasen aus dem Pankreas oder des okulären Melanoms zeigen nach SIRT gute Ansprechraten.

„Bei der SIRT ist eine sorgfältige Patientenselektion Voraussetzung für den Therapieerfolg. Die Indikation sollte stets im Rahmen eines interdisziplinären Tumorboards aus erfahrenen Onkologen, Leberchirurgen, Nuklearmedizinern und interventionellen Radiologen gestellt werden“, empfiehlt Prof. Dr. Christiane Bruns, leitende Oberärztin der Chirurgischen Klinik und Poliklinik am Klinikum der Universität München in Großhadern und Mitglied der Expertengruppe Selektive Interne Radiotherapie. Um für die Therapie in Frage zu kommen, sollte ein guter Performance-Status gegeben sein. Zudem muss der Bilirubinspiegel unter 2 mg/dl liegen, um das Risiko einer Strahlenhepatitis gering zu halten. Vor der Behandlung ist auch eine signifikante extrahepatische Metastasierung auszuschließen. Ein hepato-pulmonaler Shunt über 20 Prozent ist als Kontraindikation anzusehen und Experten empfehlen, eine radiosensibilisierende Chemotherapie mindestens zwei Wochen vor und nach der SIRT auszusetzen. Zudem sollte die Leber zuvor nicht perkutan bestrahlt worden sein.


Mit Ultraschall gegen Lebertumoren

Im Rahmen des EU-Projekts FUSIMO präsentiert Fraunhofer MEVIS vielversprechende Zwischenergebnisse

Mit Ultraschall lassen sich nicht nur Bilder aus dem Körper aufnehmen. Mittlerweile können ihn Mediziner auch nutzen, um Tumoren zu behandeln. Dazu zielen sie mit starken, gebündelten Ultraschallwellen so in den Körper des Patienten, dass dort die Krebszellen auf über 60 Grad Celsius erhitzt und zerstört werden. Das gesunde Gewebe dagegen bleibt weitgehend ungeschädigt. Bislang ist diese „fokussierte Ultraschalltherapie“ nur für wenige Erkrankungen zugelassen, etwa zur Behandlung von Prostatakrebs und bestimmten Gebärmutter-Tumoren. Im Rahmen des EU-Projekts FUSIMO arbeiten MEVIS-Forscher daran, das Einsatzfeld des Verfahrens auf Organe wie die Leber zu erweitern, die sich mit der Atmung im Bauchraum bewegen. Nun, zwei Jahre nach Projektstart, stellen sie erfolgversprechende Zwischenresultate vor.

Will man die Leber mit fokussiertem Ultraschall behandeln, stößt man auf ein gravierendes Problem: Das Organ bewegt sich mit der Atmung auf und ab – und damit auch der zu behandelnde Tumor. Dadurch steigt die Gefahr, dass der Ultraschallstrahl die Krebszellen verfehlt und das umgebende gesunde Gewebe zu stark erhitzt. Deshalb haben Forscher das Verfahren bislang nur bei Patienten unter Vollnarkose getestet: Um den Tumor zu beschallen, halten sie die Beatmungsmaschine für einige Sekunden an, damit der Patient in absoluter Ruhe verharrt. Allerdings stellt jede Vollnarkose ein Risiko dar und belastet den Patienten, was den großen Vorteil der fokussierten Ultraschalltherapie – die Nicht-Invasivität – schmälert.


Tumortypen durch Gen-Chips sortiert

Wissenschaftlern des Pathologischen Instituts am Universitätsklinikum Heidelberg unter Leitung von Professor Dr. Peter Schirmacher ist es gelungen, die Bedeutung bestimmter Gene zu entschlüsseln, die das Wachstum und das Übergreifen von bösartigen Lebertumoren auf gesundes Gewebe steuern. Damit können diese Tumoren nun genauer charakterisiert werden und in Zukunft möglicherweise auch zielgerichteter behandelt werden.