Hirntumor - Quelle: NGFN
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Hirntumoren gezielt angreifen

27. Mai 2015 Detlef Hoewing 0

Beim Glioblastom, dem bösartigsten unter den Hirntumoren, suchen Wissenschaftler im Deutschen Krebsforschungszentrum nach spezifischen Strukturen, die mit zielgerichteten Medikamenten erfolgreich angegriffen werden können. Dabei entdeckten die Forscher ein Enzym, das das Wachstum der Tumoren antreibt. Wirkstoffe, die das Enzym blockieren und bereits als Medikament zugelassen sind, könnten das Wachstum der Hirntumoren aufhalten. Zu den vielversprechendsten Zielstrukturen für moderne, maßgeschneiderte Krebsmedikamente zählt die große Enzym-Familie der Kinasen. Sie bilden die Schaltstationen der zellulären Signalwege. Viele der in Krebszellen auftretenden Erbgutveränderungen haben zur Folge, dass diese Signalwege überaktiv sind und dadurch das Wachstum der Zellen anfeuern. Wirkstoffe, die Kinasen hemmen, blockieren die Signalweiterleitung und bremsen so die unkontrollierte Zellteilung. Einige dieser Substanzen sind bereits für die Krebstherapie zugelassen. „Gerade bei besonders aggressiv wachsenden Krebsarten wie dem Glioblastom sind heute noch keine erfolgversprechenden Angriffspunkte für zielgerichtete Medikamente bekannt“, sagt Professor Peter Lichter aus dem Deutschen Krebsforschungszentrum. „Daher haben wir uns darauf konzentriert, nach Behandlungsmöglichkeiten für diese gefährliche Krankheit zu suchen.“ Die Forscher um Peter Lichter wollten herausfinden, wie sich der Verlust dieser Enzyme auf die Zelle auswirkt. Dazu schalteten sie in Glioblastom-Zellen von Patienten mit spezifischen RNA-Sonden jedes der Kinase-Gene einzeln aus. Dabei erwiesen sich ca. 80 der Enzyme als unentbehrlich für die […mehr lesen]

Kurzfristiger Ausfall: Nach dem Rückruf zu MCP-Tropfen müssen sich die Apotheker umstellen. - Foto: Elke Hinkelbein
Medizin

Magenmittel MCP verschwindet

17. April 2014 Detlef Hoewing 0

Berlin – In den Apotheken werden heute die meisten Medikamente mit dem Wirkstoff Metoclopramid (MCP) aus dem Regal genommen und an die Hersteller zurückgeschickt. Denn die Arzneimittelbehörde BfArM hat die Zulassung für die Magentropfen in der bislang üblichen Dosierung widerrufen. Bis es Nachfolgepräparate mit geringerer Wirkstoffmenge gibt, werden Ärzte und Patienten auf andere Medikamente ausweichen müssen. Hunderttausende Patienten sind betroffen. MCP wird jährlich 5,7 Millionen Mal von Ärzten auf Kassenrezept verordnet. Das Medikament gehört zur Gruppe der Antiemetika und wird eingesetzt bei Störungen des oberen Magen-Darm-Traktes. Der Wirkstoff vermindert Übelkeit, Brechreiz und Erbrechen unter anderem bei Migräne, Leber- und Nierenerkrankungen, Schädel- und Hirnverletzungen und Arzneimittelunverträglichkeiten. Ein weiteres Einsatzgebiet sind Verdauungsstörungen bei Diabetikern. Wegen der seit Jahren bekannten neurologischen Nebenwirkungen hatte die europäische Arzneimittelagentur EMA den Wirkstoff untersucht und war zu dem Ergebnis gekommen, dass bei hoher Dosis und langer Behandlungsdauer die Risiken den Nutzen überwiegen. Deshalb müssen jetzt alle Tropfen mit mehr als 1 Milligramm Wirkstoff pro Milliliter vom Markt. Bei der Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft (AkdÄ) kann man die Entscheidung nachvollziehen: In der Vergangenheit sei der Wirkstoff allzu leichtfertig verordnet worden, sagt AkdÄ-Vorstandsmitglied Professor Dr. Bernd Mühlbauer. „Die Zulassungseinschränkung wäre nicht nötig gewesen, wenn die Ärzte mit MCP stringenter […mehr lesen]

Lungenkrebszelle bei der Teilung Quelle: Dr. Felix Bestvater, Deutsches Krebsforschungszentrum
Lungenkrebs

Doppelte Enzym-Blockade gegen Lungentumore verspricht neuen Therapieansatz

23. September 2013 Detlef Hoewing 0

Medikamente gegen Krebs kann es gar nicht genug geben. Denn immer wieder schaffen es Tumoren, selbst die Wirkung der besten Substanzen gegen bösartiges wucherndes Wachstum auszuhebeln. Professor Reinhard Zeidler von der Münchner Uni-Klinik für Hals-Nasen-Ohrenheilkunde sowie des Helmholtz- Zentrum München und sein Kollege Professor Christoph Renner von der Universität Zürich haben jetzt zwei sogenannte Antikörper entwickelt. Diese Moleküle blockieren zwei Enzyme, die solide Tumoren wie Lungen-, Brust- oder Darmkrebs brauchen, um zu wachsen.

Die beiden Enzyme sind die Carboanhydrasen 9 und 12. Sie sitzen auf der Oberfläche fast aller Tumorzellen, die bislang darauf untersucht wurden. Wahrscheinlicher Grund: Wenn solide Tumoren wachsen, leiden sie häufig unter Sauerstoffmangel, weil die Blutversorgung nicht optimal ist. Die beiden Carboanhydrasen helfen dem Krebs, mit diesem Problem umzugehen. Folglich sind sie auf den Tumorzellen in hoher Konzentration vertreten.

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Leukämiezelle mit einem intakten und einem gebrochenen BRWD3-Gen (drei rote Fluoreszenzsignale) - Quelle: Dr. Claudia Kalla und DKFZ
Leukämie

Maßgeschneiderte Leukämie-Therapie:

2. September 2013 Detlef Hoewing 0

defektes Regulatorgen – möglicher Angriffspunkt für Medikamente 

Was genau die genetischen Ursachen für Blutkrebs sind, will Prof. Claudia Baldus, Oberärztin an der Charité in Berlin, jetzt klären. „Wenn wir die Ursache für die Erkrankung kennen, haben wir die Möglichkeit, Patienten mit maßgeschneiderten Therapien zu versorgen und die Heilungschancen realistisch abzuschätzen“, erläutert die Hämatologin.

Im Fokus ihrer aktuellen Untersuchung steht die ‚akute T-lymphoblastische Leukämie’ (T-ALL). Für diese Erkrankung sind noch keine spezifischen Therapieansätze verfügbar. Das will Baldus ändern. Ihre ersten Analysen dazu geben Hinweise auf Defekte in Genen für Regulatormoleküle, die die Markierung bestimmter Abschnitte im Erbgut steuern. 

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Der HDAC-Inhibitor verstärkt deutlich die Wirkung eines Chemotherapeutikums in Prostatakrebszellen. - Quelle: Prof. James Beck, Universitätsklinikum Jena
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Achillesferse der Krebszellen gefunden

5. November 2012 Detlef Hoewing 0

Wissenschaftler vom Deutschen Krebsforschungszentrum und vom Universitätsklinikum Heidelberg identifizierten das Enzym HDAC11 als vielversprechende Zielstruktur für neue Krebstherapien. Wird das Molekül ausgeschaltet, so stellen die Krebszellen ihr Wachstum ein und sterben ab. Normalen Zellen schadet eine Blockade von HDAC11 dagegen nicht. Auf der Basis dieser Ergebnisse suchen die Forscher nun nach selektiven Wirkstoffen gegen HDAC11.

Bei der Suche nach neuen Krebsmedikamenten werden seit einigen Jahren Substanzen erprobt, die die so genannten HDAC-Enzyme hemmen. „Studien haben gezeigt, dass solche HDAC-Inhibitoren das Wachstum von Krebszellen in der Kulturschale sehr gut bremsen. Aber außer bei einem seltenen Lymphdrüsenkrebs sind diese Medikamente im klinischen Einsatz leider nicht gegen bösartige Tumoren wirksam“, sagt Prof. Dr. Olaf Witt, Leiter einer Forschungsabteilung im Deutschen Krebsforschungszentrum und Kinderarzt am Zentrum für Kinder- und Jugendmedizin des Universitätsklinikums Heidelberg.

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Verteilung der Kindertumoren - Quelle: Deutsches Kinderkrebsregister Mainz
Krebsthemen

Neuer Therapieansatz für die Bekämpfung von resistenten Tumoren

26. Juni 2012 Detlef Hoewing 0

Krebserkrankungen sind schwer zu behandeln, weil sich Tumore in jedem Patienten anders verhalten und im Laufe der Zeit verändern. Mehr Erfolg ist daher von Therapien zu erwarten, bei denen mehrere Medikamente miteinander kombiniert werden. Dafür müssen die molekularen Besonderheiten des jeweiligen Tumors bestimmt werden.

Diesen Ansatz verfolgt Thomas Lengauer, Direktor am Max-Planck-Institut für Informatik, seit langem erfolgreich für die HIV-Therapie. Gemeinsam mit seinem früheren Mitarbeiter Christoph Bock hat er jetzt einen Artikel in der renommierten Zeitschrift Nature Reviews Cancer veröffentlicht. Darin zeigen die Autoren Perspektiven auf, wie eine personalisierte Krebsbehandlung in Zukunft aussehen könnte.

Eine HIV-Infektion ist unheilbar, auch wenn sie sich von einer ursprünglich unweigerlich tödlichen Krankheit heute bei richtiger Behandlung zu einer lebenslangen chronischen Krankheit gewandelt hat. HIV- infizierte Patienten müssen sich im Laufe Ihres Lebens mehrfach einem Therapiewechsel unterziehen, da einzelne Therapien nach einer gewissen Zeit unwirksam werden. „Das liegt daran, dass sich das Virus im Patienten laufend verändert und gegen einzelne Medikamente Resistenzen entwickelt. Ein ähnliches Muster ist bei Krebs zu beobachten“, sagt Bioinformatiker Christoph Bock, der am CeMM Forschungszentrum für Molekulare Medizin der Österreichischen Akademie der Wissenschaften in Wien arbeitet. In den vergangenen Jahren wuchs das Wirkstoffarsenal gegen HIV. Ärzte sammelten Erfahrung, wie man Kombinationen solcher Medikamente verabreichen kann. Auf der Basis der Analyse des viralen Genoms kann man mithilfe des Computers Resistenzen erkennen und vielversprechende Therapien vorschlagen.

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Kongress - pixabay
Krebskongress 2012

Der Patient im Fokus der Experten

25. Februar 2012 Detlef Hoewing 0

Neben der Erforschung neuer Medikamente, den Diskussionen um die Finanzierbarkeit moderner Therapien und der Umsetzung verbesserter Früherkennungsmaßnahmen wurde der Patient mit seinen Belangen bislang oft übersehen. Mit dem vierten Behandlungsfeld des Nationalen Krebsplans steht „Der Patient im Mittelpunkt“ der Krebsforschung.

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Blaue und violette Bereiche leiden unter Sauerstoffmangel - Quelle: Charité - Universitätsmedizin Berlin
Forschung

Neuer Ansatz zur Behandlung von Tumoren

9. September 2010 Detlef Hoewing 0

Blaue und violette Bereiche leiden unter Sauerstoffmangel - Quelle: Charité - Universitätsmedizin BerlinWissenschaftler der Charité – Universitätsmedizin Berlin haben eine Erklärung entwickelt, weshalb die Versorgung eines Tumors mit Blut und Sauerstoff häufig fehlgesteuert ist. Daraus ergeben sich Lösungswege, um den Zugang für Medikamente zu verbessern. Das Team um Prof. Axel Pries, Direktor des Instituts für Physiologie am Campus Benjamin Franklin, beschreibt in der aktuellen Ausgabe des Fachjournals Nature Reviews Cancer* zusammen mit Wissenschaftlern des Max-Delbrück- Centrums in Berlin Buch, der University of Arizona und der Duke University in North Carolina Ursachen der Fehlversorgung und mögliche therapeutische Ansatzpunkte.

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Hirntumor - Quelle: NGFN
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Warum sprechen Hirntumore nicht auf Medikamente an?

4. September 2009 Detlef Hoewing 0

Bösartige Hirntumore sprechen häufig nicht auf vielversprechende, neue Medikamente an. Heidelberger Wissenschaftler haben einen Mechanismus und einen Tumormarker für die Entwicklung dieser Resistenz gefunden. Ein „Todesrezeptor“ kann möglicherweise Hinweise darauf geben, wie groß die Erfolgschancen einer Chemotherapie sind. Gleichzeitig bietet er einen neuen Ansatz für eine erfolgversprechende Therapie von Hirntumoren.

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Das Deutsche Krebsforschungszentrum - dkfz - in Heidelberg
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Krebsmedikamente: zielgenau statt Schrotschuss-Taktik

11. Januar 2009 Detlef Hoewing 0

Eine neue Klasse von Wirkstoffen wird derzeit weltweit in klinischen Studien gegen verschiedene Krebserkrankungen getestet. Diese Medikamente wirken unspezifisch gegen eine ganze Gruppe von Enzymen, die an der Krebsentstehung beteiligt sind. Beim bösartigen Neuroblastom, einem häufigen Krebs des Kindesalters, zeigten Wissenschaftler aus dem Deutschen Krebsforschungszentrum zum ersten Mal, dass ein einzelner Vertreter dieser Gruppe, das Enzym HDAC8, für Krebswachstum und schwere Krankheitsverläufe verantwortlich ist. Ein spezifischer Wirkstoff gegen HDAC8 stoppt das Wachstum von Neuroblastomzellen in der Kulturschale.

Eine neue Klasse von Krebsmedikamenten gilt Ärzten derzeit als vielversprechend. Diese Substanzen hemmen die Aktivität einer Gruppe von Enzymen, die an der Krebsentstehung beteiligt sind. Die so genannten HDAC-Enzyme legen im Erbgut Gene still. Von der Stilllegung betroffen sind auch viele der „Krebsbremsen“, die unkontrolliertes Wachstum von Tumorzellen verhindern könnten. Wirkstoffe gegen die HDAC-Enzyme verlangsamen das Zellwachstum und sensibilisieren die Krebszellen wieder für den programmierten Zelltod.

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