Metastasenbildung

Biomarker unterstützen Strahlentherapie von morgen

Tumorstammzellen erkennen, markieren, angreifen

Berlin – Die Strahlentherapie von Krebserkrankungen könnte in Zukunft gezielt auf Stammzellen ausgerichtet werden, die für Tumorwachstum und Metastasenbildung verantwortlich sind. Um Tumorstammzellen im Körper von Krebspatienten aufzuspüren, arbeiten deutsche Wissenschaftler derzeit an der Entwicklung spezieller Biomarker: Gelingt es, die gefährlichen Krebszellen mithilfe der Marker sicher zu orten, könnten sie mit leistungsstarken Bestrahlungsgeräten ins Visier genommen und „abgetötet“ werden. Nach Einschätzung der Deutschen Gesellschaft für Radioonkologie (DEGRO) wird das Erkennen und Markieren von Tumorstammzellen die Krebsbehandlung in Zukunft grundlegend verändern.

Krebstumoren wurden lange Zeit als eine Masse gleichartiger Zellen angesehen, die sich unkontrolliert vermehren und in der Lage sind, Metastasen auszubilden. In den letzten Jahren haben Wissenschaftler jedoch erkannt, dass nicht alle Krebszellen gleich sind. Diese Heterogenität der Tumorzellen wird in der Forschung mit zwei unterschiedlichen Modellen zu erklären versucht. Das eine geht davon aus, dass der Tumor biologisch homogen ist und alle Krebszellen die Fähigkeit haben, das Tumorwachstum anzustoßen. Das andere Modell geht von einem grundlegenden Unterschied zwischen den Krebszellen aus. Professor Dr. med. Michael Baumann von der Technischen Universität Dresden und Präsident der DEGRO: „Zum unbegrenzten Wachstum tragen im Wesentlichen nur einige wenige Stammzellen bei.“ Im Tierexperiment könne man sehen, dass die Tiere erkranken, wenn Tumoren mit Stammzellen verpflanzt werden. Ohne Stammzellen im Tumor blieben die Tiere gesund, erläutert der DEGRO-Präsident.

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Dickdarmkrebs – MDC-Forscher identifizieren genetischen Fingerabdruck für Metastasenbildung

Tumorzellen im Zellverband (Photo: Johannes Fritzmann/Copyright: MDC)Bei Dickdarmkrebs standen bisher nur einzelne Gene im Verdacht, die Bildung von Tochtergeschwülsten (Metastasen) zu begünstigen. Forscher des Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin (MDC) Berlin-Buch und der Charité – Universitätsmedizin Berlin haben jetzt jedoch 115 Gene identifiziert, die sowohl im Ursprungstumor als auch in dessen Metastasen verändert sind. Ihre Ergebnisse könnten in Zukunft helfen, Patienten mit aggressiven Tumoren früher zu erkennen (Gastroenterology 2009, doi:10.1053/j.gastro.2009.03.041).*


Angriffspunkt gegen Metastasenbildung bei Speiseröhrenkrebs

Die meisten krebsbedingten Todesfälle sind auf Metastasen zurückzuführen, selbst nach zunächst erfolgreicher Entfernung des so genannten Primärtumors. Die Vorhersage des weiteren Verlaufs der Erkrankung und die Entscheidung über die medikamentöse Therapie richten sich gegenwärtig nach der anatomischen Ausbreitung des Primärtumors und im Zeitalter molekularerer Therapien zunehmend auch nach dessen genetischer Beschaffenheit. Eine neue Studie von Wissenschaftlern der Universitätsklinika Regensburg, Düsseldorf, Hamburg-Eppendorf und dem Max-Planck-Institut für Biochemie in Martinsried legt nun nahe, dass dies möglicherweise nicht ausreicht. Bessere Therapieergebnisse könnten erreicht werden, wenn die genetische Beschaffenheit von Vorläuferzellen späterer Metastasen ebenfalls untersucht würde.


Tumorzellen auf der Spur

Die erfolgreiche EU-Studie zur Metastasenbildung (DISMAL) erhält im neuen TIME-Projekt eine großzügige Anschlussfinanzierung von 1 Mio. Euro durch den „Verein zur Förderung der Krebsforschung e.V.“. In Hamburg sind das Heinrich-Pette-Institut (HPI) und das Universitätsklinikum Eppendorf (UKE) an TIME beteiligt. TIME soll untersuchen, wie gestreute (disseminierte) Tumorzellen aus soliden Tumoren, wie Brust-, Prostata-, Lungen- und Darmkrebs, blockiert und eliminiert werden können. Dadurch soll die Bildung von Metastasen bereits im Keim erstickt werden.