Urknall in der Strahlentherapie

Krebssymbol - pixabay
Krebssymbol - pixabay

Intensitätsmodulierte Strahlentherapieverfahren (IMRT) haben seit einigen Jahren Einzug in die klinische Routine in der Strahlentherapie gehalten. Mit der so genannten Intensitätsmodulation, deren technische Spielarten auch die Tomotherapie und das Cyberknife umfassen, ist es möglich, hochkomplexe Zielvolumina zu umschließen und somit die Nebenwirkungswahrscheinlichkeit deutlich zu reduzieren.

Ärzte am Münchner Uniklinikum der LMU nutzen Erkenntnisse aus CERN für die bestmögliche Strahlenbehandlung

Das aktuell im Klinikum der Universität München eingeführte Bestrahlungsverfahren wurde durch die Arbeitsgruppe für medizinische Physik unter der Leitung von Dr. Markus Alber an der Universität Tübingen federführend entwickelt und dort von einem Ärzteteam um Prof. Claus Belka und Dr. Ute Ganswindt in die breite klinische Routine eingeführt. Aus dem Entwicklungsprototyp ist in Zusammenarbeit mit der Firma Computerized Medical Systems (Saint Louis/USA und Freiburg/Deutschland) ein kommerzielles Produkt entwickelt worden.

Diese Bestrahlungsplanungs-Software, die als MONACO bezeichnet wird, kommt aktuell an der Universität München erstmalig zum klinischen Einsatz in Deutschland. Die Berechnungsverfahren („Monte Carlo- Algorithmen“), die zur Planung der optimalen Strahlungsbehandlung angewandt werden, resultieren zum Teil aus der Grundlagenforschung aus der internationalen Großforschungseinrichtung CERN im Kanton Genf/Schweiz. In riesigen Teilchenbeschleunigern werden dort unter anderem Versuche zur Entstehung der Welt und zum Urknall durchgeführt.

Um das Verhalten der Teilchen zu analysieren, bedarf es komplexer Rechenvorgänge, die auch bei der medizinischen Behandlungsplanung in der Strahlentherapie von Nutzen sind.

Hohe Rechenleistung sorgt für geringe Nebenwirkungen Vorteile dieses IMRT-Verfahrens der zweiten Generation ist die Implementierung von so genannten Monte-Carlo-Berechnungsroutinen, mit denen es möglich ist, die Dosisverteilung, die bei der Bestrahlung im Patienten erzielt wird, mit bislang unerreichter Präzision vorauszuberechnen. Insbesondere bei komplizierten Dosisverteilungen an Grenzflächen zwischen Luft und Knochen, wie sie bei Bestrahlung im Gesichtsschädelbereich auftreten, bietet dieses Dosisberechnungsverfahren eine optimale Möglichkeit, die Dosen im behandelten Patienten im Voraus hochpräzise im Computer abzubilden.

Neben dieser optimalen Vorausberechung von Dosisverteilungen ist es mit dem neuen Bestrahlungsplanungssystem erstmalig möglich auf das biologische Reaktionsverhalten von gesunden Geweben spezifisch Rücksicht zu nehmen und die Strahlenverteilung somit zu perfektionieren. Somit ermöglichen es die im Programm implementierten Computerroutinen dem behandelnden Arzt auf einfache Weise, die bestmögliche Entscheidung zwischen einer möglichen Schädigung von umliegenden Normalgeweben und einer optimalen Behandlung des Tumors zu treffen.

Einfachere Anwendung bedeutet größere Sicherheit für Patienten Mit diesem Verfahren wird die Anwendung von IMRT erheblich vereinfacht und dem behandelnden Arzt eine viel intuitivere Steuerung der Bestrahlungsplanung ermöglicht. Für den Patienten bedeutet es im Umkehrschluss, dass immer das Optimum des physikalisch Erreichbaren in der Bestrahlungsplanung angeboten werden kann. Das aus Tübingen nach München gewechselte Behandlungsteam hat im klinischen Einsatz mit dem Prototyp dieses Behandlungsplanungssystems bereits weit mehr als 700 Patienten mit Tumoren der Prostata, des Kopf-Hals-Bereiches und des Gesichtsschädels, inklusive von komplexen Meningeomen, behandelt. In wissenschaftlichen Untersuchungen konnte die hohe Effizienz und die effektive Normalgewebsschonung dieses Verfahrens belegt werden.

In Kombination mit Linarbeschleunigern, die über eine Ausstattung mit einem Cone-Beam-CT zur präzisen Lagerungskontrolle des Patienten verfügen, kann mit dieser Bestrahlungsplanungstechnologie eine – im Rahmen der physikalischen Grenzen – perfekte IMRT-Bestrahlung erreicht werden.

Kontakt

Prof. Dr. Claus Belka
Direktor der Klinik und Poliklinik für Strahlentherapie und Radioonkologie
Klinikum der Universität München

Tel: 089 7095-4521 (Campus Großhadern)
Und 089 5160-7561 (Campus Innenstadt)
E-mail: claus.belka@med.uni-muenchen.de

Klinikum der Universität München

Im Klinikum der Universität München (LMU) sind im Jahr 2008 an den Standorten Großhadern und Innenstadt etwa 500.000 Patienten ambulant, poliklinisch, teilstationär und stationär behandelt worden. Die 44 Fachkliniken, Institute und Abteilungen verfügen über mehr als 2.300 Betten. Von insgesamt 9.800 Beschäftigten sind rund 1.700 Mediziner.

Forschung und Lehre ermöglichen eine Patientenversorgung auf höchstem medizinischem Niveau. Das Klinikum der Universität München hat im Jahr 2008 etwa 64 Millionen Euro an Drittmitteln eingeworben und ist seit Juni 2006 Anstalt des öffentlichen Rechts.

Pressemitteilung Klinikum der Universität München, Philipp Kressirer


Krebszeitung

--Download Urknall in der Strahlentherapie als PDF-Datei --


  • Mit dem Dermascanner wird die Hautoberfläche des Patienten aus verschiedenen Positionen gescannt. © Dirk Mahler/Fraunhofer IFF
    Hautkrebs

    Berlin -Als einen großen Erfolg sehen Experten die seit gut vier Jahren laufende Früherkennungsuntersuchung auf Hautkrebs. Zugleich geben neue Medikamente zur Behandlung des schwarzen Hautkrebses (malignes Melanom) Hoffnung auf verbesserte Prognosen der bösartigsten Hautkrebsform. Aber Herausforderungen bleiben: So steigt die Zahl der Neuerkrankungen beim malignen Melanom seit Jahrzehnten stetig. Zudem ist die Datenlage zu den übrigen Tumoren der Haut derzeit noch unbefriedigend. Ferner sollten künftig noch mehr Betroffene in zertifizierten, interdisziplinär arbeitenden Zentren behandelt werden. Zu diesem Fazit kommen Experten auf dem 2. Symposium „Brennpunkt Haut – Was wollen wir als Gesellschaft leisten“ am Berliner IGES Institut, an dem rund 30 Fachleute aus Krankenkassen, Forschung, Versorgungsinstitutionen sowie Fach- und Selbsthilfeverbänden teilnahmen.

    Die frühe Diagnose einer Hautkrebserkrankung erhöht die Heilungschancen und die Lebensqualität Betroffener. Aus diesem Grund wurde 2008 für alle gesetzlich Versicherten ab dem Alter von 35 Jahren ein Hautkrebs-Screening als Krankenkassen-Leistung eingeführt. „Eine bisherige Teilnahmequote von 30 Prozent ohne eine große Kampagne erreicht zu haben, ist ein hervorragendes Zeichen und zeugt von einem gestiegenen Bewusstsein der Menschen für Hautkrebs“, sagte Prof. Eckhard Breitbart, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Dermatologische Prävention e.V. Das Pilotprojekt des deutschen Hautkrebsscreenings, SCREEN[1], 2003/04 in Schleswig-Holstein habe bereits gezeigt, dass sich so langfristig die Sterblichkeit bei Hautkrebs verringern lässt. Wichtig bleibe es aber, mit einem integrierten Kommunikationskonzept noch mehr über die Untersuchung zu informieren.

    […mehr lesen]

  • Hautnah betrachten - Hautkrebs früh erkennen - Quelle: Patientenratgeber der Deutschen Krebshilfe
    Krankenkassen

    Heute, am 1. Juli 2008 startet das Angebot einer neuen Krebs-Früherkennungsuntersuchung: Alle gesetzlich Versicherten ab dem Alter von 35 Jahren haben dann alle zwei Jahre Anspruch auf eine qualitätsge­sicherte kostenlose Hautkrebsuntersuchung. In Deutschland befinden sich derzeit mindestens 870.000 Hautkrebs-Patienten in medizinischer Behandlung. Seit 1980 hat sich die jährliche Neuerkrankungsrate für das maligne Melanom (.schwarzer Haut­Krebs‘) verdreifacht. Bei Basalzellkarzinom und Spinozellulärem Karzinom (.heller Hautkrebs‘) treten heute sechs bis neun Mal mehr Neuerkrankun­gen auf als vor 35 Jahren. Die Ursache: ein geändertes Freizeitverhalten mit Sonnenurlauben rund um das Jahr sowie häufige Solarienbesuche. Die Deutsche BKK beantwortet in diesem Artikel die wichtigsten Fragen rund um das Hautkrebsscreening. Lesen Sie noch mehr zum Thema in unserem Artikel.

    […mehr lesen]

Google News – Gesundheit