Urologen appellieren: Nierenfunktion entscheidend für Lebensqualität und Lebenserwartung

Links die normale Lage der Nebennieren (gelbe Pfeile) im Körper, rechts ein Nebennieren-karzinom in einer kernspintomographischen Darstellung. Bild: Medizinische Klinik

Die Nieren sind das zentrale Organ für die Entgiftung des Körpers, für die Steuerung des Wasser- und Salzhaushaltes, sie sind aber genauso wichtig für die Regulierung von Wachstum, Knochenstoffwechsel und Blutdruck. Obwohl lebenswichtig, ist die Nierengesundheit im Alltag vieler Menschen kein Thema und müsse, so die Deutsche Gesellschaft für Urologie e.V. (DGU), mehr als bisher ins Bewusstsein der Öffentlichkeit rücken. Auf ihrer 65. Jahrestagung vom 25. bis 28. September 2013 in Dresden diskutieren wissenschaftliche Experten aktuelle Erkenntnisse bei der Diagnose und Behandlung von Nierenerkrankungen.

Wie viel Nierenfunktion braucht der Mensch? Welche Fortschritte gibt es bei der Behandlung von Nierenkrebs? Wie steht es mit der Nierentransplantation nach dem Organspendeskandal? Diese und weitere Fragen stehen im Mittelpunkt des Nieren-Forums am 26. September. Auch der Einfluss der Nierenfunktion auf Lebensqualität und Lebenserwartung, verschiedene operative Verfahren zur Entfernung von Tumoren, Organtransplantationen und Niereneingriffe zur Behandlung von Bluthochdruck werden thematisiert.

Mit etwa 16.500 jährlichen Neuerkrankungen in Deutschland ist das Nierenzellkarzinom die dritthäufigste urologische Krebsart – mit steigender Tendenz. „Nierenkrebs wird heute meist eher zufällig bei Ultraschalluntersuchungen des Bauchraumes entdeckt. Symptome wie Schmerzen oder Blut im Urin werden meistens erst ausgelöst, wenn die Erkrankung bereits fortgeschritten ist. Dabei gilt auch hier, je früher der Tumor erkannt wird, desto besser sind die Heilungsaussichten. Eine sogenannte ‚gesetzliche‘ Früherkennung, die von den Kassen übernommen würde, gibt es für das Nierenkarzinom allerdings nicht“, sagt DGU- und Kongresspräsident Prof. Dr. Michael Stöckle. Bekannt ist, dass Nierenzellkrebs bei Tabakkonsum, Übergewicht, Bluthochdruck, Diabetes mellitus sowie Alkohol- und Schmerzmittelmissbrauch häufiger auftritt. Selten besteht eine genetische Vorbelastung.

„Die einzige Möglichkeit der Heilung besteht in einer Operation, da Bestrahlung oder Chemotherapie beim Nierenkarzinom nicht greifen. Aber nicht alle Nierentumoren müssen operiert werden: Bei sehr alten Patienten (über 75 Jahre) mit einem kleinen Nierentumor kann durchaus ein abwartendes Vorgehen sinnvoll sein“, sagt Prof. Dr. Markus Giessing, stellvertretender Direktor und Leitender Oberarzt der Urologischen Klinik des Universitätsklinikums Düsseldorf. Ansonsten wird bei der Nierentumorentfernung heute, wann immer möglich, eine organerhaltende Operation angestrebt, während früher die Niere komplett entfernt wurde. Langzeitstudien konnten zeigen, dass die Tumorheilungsraten bei organerhaltender Tumorentfernung genauso gut sind wie bei der kompletten Nierenentfernung. Außerdem gibt es Hinweise, dass es aufgrund der besseren verbleibenden Nierenleistung einen Überlebensvorteil für Patienten nach nierenerhaltender Operation gibt.

Auch Nierentransplantationen bei komplettem Verlust der Nierenfunktion, insbesondere von Lebendnierenspendern, stehen in Dresden auf der Agenda. 2012 wurden 2586 Nieren in Deutschland transplantiert, 766 von lebenden, 1820 von verstorbenen Spendern. Als Folge des Organspendeskandals, obwohl dieser ausschließlich nur die Lebertransplantation betraf, geriet auch die Nierentransplantation in den Negativsog der öffentlichen Meinung. Die Zahl der Organspenden bei hirntoten Spendern ging in Deutschland stark zurück. Auch die Zahl der Lebendnierenspenden sank in Deutschland geringfügig (766 in 2012 gegenüber 795 in 2011).

Die Lebendorganspende ist an gesetzliche Vorgaben geknüpft: der freiwillige Spender muss völlig gesund sein und in verwandtschaftlichem oder engem persönlichen Verhältnis zum Empfänger stehen, jeder potentielle kommerzielle oder sonst wie fragwürdige Aspekt muss ausgeschlossen sein, was von Ethikkommissionen der Ärztekammern geprüft wird. Die Lebenserwartung der Lebendnierenspender werde durch den Verzicht auf eine Niere nicht beeinträchtigt, so Prof. Giessing, der Vorsitzende des „Arbeitskreises Nierentransplantation“ der Deutschen Gesellschaft für Urologie, obwohl dies in Laienkreisen oft geglaubt wird. Prof. Giessing sieht aber eine psychologische Komponente, die bis zu 30% der Lebendnierenspender nachträglich beeinträchtigen könne. „Hier ist es wichtig, dass nicht nur im Vorfeld, sondern auch nach der Transplantation eine psychologische Begleitung angeboten wird.“

Nierengesundheit ist lebenswichtig. „Deshalb gilt es, so viel Nierengewebe wie möglich lebenslang zu erhalten. Menschen, die nicht das Glück haben, funktionierende Nieren zu besitzen“, appelliert Prof. Giessing, „kann und sollte geholfen werden: durch eine Nierenspende zu Lebzeiten oder nach dem Tod.“

Medienvertreter erwartet in der Messe Dresden ein voll ausgestattetes Pressezentrum. Die Eröffnungs-Pressekonferenz findet am Donnerstag, dem 26. September 2013, 15:00 bis 16:30 Uhr statt. Ein Pressegespräch mit DGU- und Kongresspräsident Prof. Dr. Michael Stöckle ist für den 27. September, 12:00 bis 13:00 Uhr geplant.

Weitere Informationen:
DGU-Kongresspressestelle
Bettina-C. Wahlers
Sabine M. Glimm
Stremelkamp 17
21149 Hamburg
Tel: 040 – 79140560
Mobil: 0170 – 4827287
redaktion@bettina-wahlers.de

Weitere Informationen finden Sie unter
http://www.dgu-kongress.de
http://www.urologenportal.de
http://www.dgu-kongress.de/index.php?id=317 (Akkreditierungen sind bereits jetzt möglich)

Pressemitteilung Deutsche Gesellschaft für Urologie e.V., Bettina-Cathrin Wahlers

Radiotherapie des Prostatakrebs


Krebszeitung

--Download Urologen appellieren: Nierenfunktion entscheidend für Lebensqualität und Lebenserwartung als PDF-Datei --


  • NCT Patientensportprogramm Joggen - Quelle: Medienzentrum des Universitätsklinikums Heidelberg
    Krebsthemen

    Jüngste klinische Studien zeigen, dass Sport Krebspatienten hilft, die Nebenwirkungen einer Therapie messbar zu reduzieren. Außerdem werden Leistungsfähigkeit und Selbstbewusstsein gestärkt – was die Lebensqualität deutlich verbessern kann. Doch dies nicht allein: Körperliche Aktivität hat auch direkten Einfluss auf die Entstehung von Krebs sowie den Verlauf einer Krebserkrankung.

    Berlin, 2. Januar 2014 – Wer regelmäßig Sport treibt, beugt einer Krebserkrankung vor. Man geht heute davon aus, dass sportlich aktive Menschen ihr Risiko, an Krebs zu erkranken, durchschnittlich um 20 bis 30 Prozent reduzieren können. Wenn dennoch Krebs auftritt, haben Patienten, die vor ihrer Erkrankung regelmäßig Sport getrieben haben, nachweislich ein geringeres Rückfallrisiko. Aber auch bislang eher inaktive Patienten können noch von einer Änderung ihres Lebensstils profitieren: Körperliche Aktivität nach einer Tumorerkrankung reduziert nachweisbar die Gefahr eines Rückfalls und erhöht die Wahrscheinlichkeit für eine dauerhafte Heilung. Dieser Effekt kann sich je nach Tumorart im gleichen Maße vorteilhaft auswirken wie eine Chemo- oder Hormontherapie. Besonders gut erforscht ist dies bisher für Brust-, Darm- und Prostatakrebs.

    […mehr lesen]

  • Krebssymbol - pixabay
    Forschung

    Für ein wissenschaftliches Projekt, das Prozesse klären soll, die zu Leukämien, Lymphomen und anderen Erkrankungen der Blutbildung führen, erhalten Wissenschaftler der Universität Leipzig vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) Fördermittel in Höhe von 1,6 Millionen Euro. Dazu sollen zunächst mathematische Modelle erarbeitet und am Computer zu simuliert werden. Darauf aufbauend sollen bessere Behandlungsstrategien entwickelt werden, die im Rahmen von klinischen Studien überprüft werden können.

    […mehr lesen]

Google News – Gesundheit

  • Behörden hoffen auf experimentelle Ebola-Therapie
    am 14. August 2018 um 16:42

    Behörden hoffen auf experimentelle Ebola-Therapie  SPIEGEL ONLINEEbola im Kampfgebiet  Süddeutsche.deWHO sieht große Gefahr für Ausbreitung von Ebola im Kongo  Deutsches Ärzteblatt«Kongo hat bewiesen, dass es diese Krankheit bekämpfen kann»  Schweizer Radio und […]

  • Mehr als doppelt so viele Zecken wie 2017: So schützen Sie sich vor einer Infektion
    am 14. August 2018 um 15:18

    Mehr als doppelt so viele Zecken wie 2017: So schützen Sie sich vor einer Infektion  kreiszeitung.deRekord-Zahl an Zeckenstichen: «Da muss etwas anderes am Laufen sein»  az Aargauer Zeitung«Meine Begeisterung für Zecken hält seit bald 40 Jahren an»  Schweizer Radio und Fernsehen […]

  • Wird durch Mücken übertragen: Das West-Nil-Virus breitet sich in Europa aus
    am 14. August 2018 um 15:11

    Wird durch Mücken übertragen: Das West-Nil-Virus breitet sich in Europa aus  Berliner ZeitungGefährliches West-Nil-Virus breitet sich in Europa aus  General-AnzeigerRotes Kreuz Vorarlberg testet Blutspenden auf West-Nil-Virus  VOL.AT - Vorarlberg OnlineKKH warnt: Immer mehr Infektionen durch […]

  • Deepmind: Künstliche Intelligenz erkennt Augenkrankheiten
    am 14. August 2018 um 15:11

    Deepmind: Künstliche Intelligenz erkennt Augenkrankheiten  heise onlineDeepmind-System diagnostiziert Augenkrankheiten  Golem.deKünstliche Intelligenz: Google-KI diagnostiziert über 50 Augenkrankheiten  VRODOFull coverag […]

  • Kardiologen warnen vor Doping im Breitensport
    am 14. August 2018 um 14:52

    Kardiologen warnen vor Doping im Breitensport  Deutsches ÄrzteblattFreizeitsportler gefährden immer öfter ihre Herzgesundheit mit Doping  Ärzte ZeitungFull coverag […]