Vielversprechende Immuntherapie gegen Rhabdomyosarkome

Gewebeprobe eines Osteosarkoms unter dem Mikroskop: Rot gefärbt sind Immunzellen, die den Tumor attackieren. Dr. Pierre Kunz
Gewebeprobe eines Osteosarkoms unter dem Mikroskop: Rot gefärbt sind Immunzellen, die den Tumor attackieren. Dr. Pierre Kunz

Vielversprechende Immuntherapie gegen den häufigsten und sehr bösartigen Weichteiltumor bei Kindern

Rhabdomyosarkome sind die häufigsten, bösartigen Weichgewebstumoren bei Kindern. Trotz aggressiver Hochdosistherapien überleben nur 30 bis 60 Prozent der jungen Patienten die nächsten fünf Jahre. Bei Betroffenen mit einem Hochrisikotyp und im metastasierten Stadium sind es sogar nur 5 bis 10 Prozent. Diese alarmierenden Zahlen machen neue Therapieansätze dringend erforderlich. Forscher der Universitäten Gießen und Aachen haben jetzt ein Antikörper-basiertes Behandlungskonzept entwickelt, das speziell gegen diesen Tumor gerichtet ist.

In Vorarbeiten hatte die Arbeitsgruppe um die Professoren Stefan Gattenlöhner und Stefan Barth bereits ein sogenanntes Immuntoxin synthetisiert, welches in Zellkulturversuchen und im Tiermodell eine spezifische, hohe Tumortoxizität zeigte. Darauf aufbauend hat das kürzlich abgeschlossene Projekt zwei weitere Ziele erfolgreich umgesetzt. Zum einen haben die Wissenschaftler das Immuntoxin voll humanisieren können und zum anderen die Expression des Tumorantigens erhöhen können. Während diese Art der Humanisierung mögliche Resistenzen gegen die rettenden Antikörper verhindert, steigert die medikamentös erzeugte Expression des Tumorantigens die Effizienz der Therapie.

Zur vollen Humanisierung des Immuntoxins wurde das beim Menschen natürlicherweise vorkommende Zellgift Granzym B eingesetzt. Der wesentliche Vorteil dieser vollen Humanisierung besteht darin, unerwünschte Immunisierungen von Patienten gegen allogene therapeutische Antikörper (zum Beispiel Mausantikörper) zu unterbinden, die zu einer Resistenz und damit zum Versagen der Behandlung führen können. Darüber hinaus erlauben immuntolerante therapeutische Antikörper einen wiederholten Einsatz über einen längeren Zeitraum, Voraussetzung für eine niedrig dosierte Langzeitbehandlung um eine minimale Resttumorerkrankung zu verhindern beziehungsweise zu eliminieren.

Neben einer verbesserten Spezifität und Bioverfügbarkeit eines therapeutischen Antikörpers ist die Höhe der Expression des Antigens, gegen das der Antikörper gerichtet ist, von entscheidender Bedeutung für die Therapieeffizienz. In der zweiten Projektphase wurden deshalb verschiedene Substanzen getestet, die aufgrund ihrer biochemischen Struktur und ihres bekannten Wirkspektrums eine mögliche Induktion der Expression der gamma Untereinheit des fetalen Acetylcholinrezeptors erwarten ließen. Dabei konnte gezeigt werden, dass die Gabe des Wirkstoffs Forskolin eine signifikante Erhöhung der Rezeptorexpression von über 50 Prozent bewirkte. Professor Stefan Gattenlöhner dazu: „Bei Forskolin handelt es sich um eine in dem Harfenstrauch Plectranthus barbatus vorkommende chemische Verbindung, die als nichtselektiver Stimulator der Isoenzyme der Gruppe der Adenylylcyclasen in der Herz-, Gefäß- und Thrombosebehandlung diskutiert wird, so dass ein unterstützender Einsatz im Rahmen einer Antikörper-basierten Immuntherapie von Rhabdomyosarkomen realistisch erscheint“.

Damit haben die Arbeitsgruppen der Professoren Gattenlöhner und Barth die sehr erfolgreichen Arbeiten auf dem Gebiet der Immuntherapie von Rhabdomyosarkomen fortgesetzt und bereiten gegenwärtig eine klinische Phase-1-Studie zur Etablierung einer effizienten Immuntherapie gegen die nach wie vor prognostisch ungünstige Tumorgruppe der Rhabdomyosarkome vor.

Kontakt (Projektleitung):
Prof. Dr. Stefan Gattenlöhner, Institut für Pathologie der
Universitätsklinik Gießen
Telefon: 0641 985-41100,
E-Mail: stefan.gattenloehner@patho.med.uni- giessen.de

Die Wilhelm Sander-Stiftung förderte dieses Forschungsprojekt mit über 188.000 Euro. Stiftungszweck ist die Förderung der medizinischen Forschung, insbesondere von Projekten im Rahmen der Krebsbekämpfung. Seit Gründung der Stiftung wurden insgesamt über 190 Millionen Euro für die Forschungsförderung in Deutschland und der Schweiz bewilligt. Die Stiftung geht aus dem Nachlass des gleichnamigen Unternehmers hervor, der 1973 verstorben ist.

Weitere Informationen zur Stiftung: http://www.wilhelm-sander-stiftung.de

Pressemitteilung
Wilhelm Sander-Stiftung, Bernhard Knappe

Engagierte junge Menschen mit Krebs


Krebszeitung

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