Warum wir psychoonkologische Unterstützung heute brauchen – Hintergründe und Ausblicke

Deutsche Bevölkerung hat Angst vor Krebs Grafik: Roche
Deutsche Bevölkerung hat Angst vor Krebs Grafik: Roche

Das Krankheitsbild Krebs hat sich in den letzten Jahren aufgrund des medizinischen Fortschrittes stark gewandelt. Akute und rasch tödliche Verläufe sind seltener geworden. Erkrankungen nehmen eher einen chronischen Verlauf, allerdings häufig um den Preis von dauerhaften Beeinträchtigungen und um die Einbuße von Lebensqualität. Hier sind spezifische psychosoziale Maßnahmen gefordert, um die Auswirkungen von Erkrankung und Therapie zu lindern und eine patientengerechte Krebsmedizin zu betreiben.

Tatsache ist, dass Krebs nach wie vor als lebensbedrohlich und unkontrollierbar wahrgenommen wird. Persönliche Ressourcen von Patienten und Angehörigen reichen oftmals nicht aus, um einen Umgang mit dieser Ausnahmesituation finden zu können. Das professionelle System ist dabei, dem Bedarf Rechnung zu tragen und adäquate Antworten zu geben. Vor zwei Wochen ist die S3-Leilinie ‚Psychoonkologische Diagnostik, Beratung und Behandlung von Krebspatienten‘ veröffentlich worden. Ein Wegweiser mit evidenzbasierten Behandlungsempfehlungen, der mehr bedarfsgerechte, psychoonkologische Behandlungsleistungen erwarten lässt.

Die Bedeutung von psychosozialen Aspekten bei der Versorgung von onkologischen Patienten ist im Medizinsystem hinreichend bekannt. In hochwertigen S3-Leitlinien und Zertifizierungsrichtlinien, in Zentren und im DMP-Programm Brustkrebs werden psychoonkologischer Unterstützungsbedarf von Krebspatienten bedacht sowie Empfehlungen für diagnostische und therapeutische Maßnahmen ausgesprochen.

Die Deutsche Krebshilfe arbeitet seit ihrer Gründung daran, die psychosoziale Situation von krebskranken Menschen zu verbessern, z. B. durch die Förderschwerpunkte ‚Psychosoziale Beratungsstellen‘ oder ‚Psychosoziale Onkologie‘. Der Nationale Krebsplan legt in Ziel 9 fest ‚Alle Krebspatienten erhalten bei Bedarf eine angemessene psychosoziale und psychoonkologische Versorgung‘. Wohlgemerkt, ein Ziel. Drei Kernfragen drängen sich auf:

1. Wie wird seitens der Therapeuten psychoonkologischer Unterstützungsbedarf zuverlässig erkannt?

2. Wie erfahren Patienten und Angehörige von psychoonkologischen Versorgungsangeboten?

3. Wie wird die psychoonkologische Versorgung sektorenübergreifend sichergestellt?

Die Antworten auf jede einzelne Frage können sehr unterschiedlich ausfallen, je nach Krankheitsstadium, nach Information, nach Region, nach Vernetzung der Versorgungsangebote, nach Qualifizierung der Therapeuten, nach Vergütung, nach Schnittstellenproblemen. Die derzeitige Versorgungssituation ist bunt. Aufgrund der verkürzten stationären Behandlungszeiten lässt sich in der Akutklinik häufig eine psychoonkologische Versorgung nicht realisieren, Angebote im ambulanten Sektor sind deshalb umso wichtiger, allerdings mit einer halbjährigen Wartezeit auf einen Termin verbunden. Es ist zwar belegt, dass etwa ein Drittel der Erkrankten einen Bedarf nach psychosozialer Unterstützung aufweist, aber wo er im Krankheitsverlauf auftritt und wann welche Angebote in Anspruch genommen werden ist bislang unzureichend untersucht.

Einen wichtigen Beitrag zur psychosozialen Versorgung erfüllt auch die Krebs-Selbsthilfe, ihre Leistungen dürfen nicht unterschätzt werden. Sie ergänzen die Versorgungsangebote des professionellen Systems um eine Variante, wie sie von keinem professionellen Helfer und auch nicht von Familie oder Freunden erbracht werden kann. Sie beruhen auf der Grundlage eigenen Erlebens, auf persönlicher Betroffenheit. Die Gespräche sind geprägt von tiefem Verständnis, Offenheit, Intensität und hoher Glaubwürdigkeit, wie sie nur zwischen Betroffenen möglich ist. Krebs-Selbsthilfe ermöglicht Erfahrungsaustausch zwischen Gleichbetroffenen, informiert über Hilfen zur Krankheitsbewältigung, fungiert als Wegweiser im Gesundheitssystem, erhöht die Zufriedenheit und Lebensqualität von Krebspatienten, stärkt die Patientenkompetenz und beeinflusst insgesamt den Krankheitsverlauf positiv.

Eine stärkere Vernetzung zwischen professionellen Unterstützungsangeboten und denen der Selbsthilfe, mehr Versorgungsforschung mit Patientenbefragungen, die Umsetzung der vorhandenen Leitlinien und des Nationalen Krebsplanes wären ein erheblicher Beitrag zu einer besseren psychosozialen Onkologie in Deutschland.

Statement von Hilde Schulte, ehemalige Bundesvorsitzende der Frauenselbsthilfe nach Krebs e.V., Neukirchen


Krebszeitung

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  • Melanom
    Deutsche Krebshilfe

    UV- Schutz ist notwendig - Quelle: Deutsche KrebshilfeBonn/Hamburg (sts) – Anlässlich des europäischen „Melanoma-Tages“ am 5. Mai 2008 rufen die Deutsche Krebshilfe und die Arbeitsgemeinschaft Dermatologische Prävention (ADP) e.V. dazu auf, die Hautkrebs-Früherkennung zu nutzen. 22.000 Menschen erkranken jedes Jahr neu an dem besonders aggressiven Malignen Melanom, auch bekannt als schwarzer Hautkrebs. „Die Zahl der Melanom-Patienten verdoppelt sich derzeit alle zehn Jahre. 2.300 Menschen sterben jährlich bundesweit daran“, so Professor Dr. Eckhard Breitbart, Zweiter Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Dermatologische Prävention (ADP). Die Einführung des kostenlosen Hautkrebs-Screenings für alle gesetzlich Versicherten ab 35 Jahren bietet eine große Chance – denn früh erkannt, ist Hautkrebs heilbar.

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  • Prof. Dr. Günter Mayer an der Tafel, an der er seine Projekte entwickelt. In der Hand hält der Forscher das Modell eines Dinukleotids, aus welchem Aptamere aufgebaut sind. (c) Foto: Volker Lannert/Uni Bonn
    Prostatakrebs

    Prof. Dr. Günter Mayer an der Tafel, an der er seine Projekte entwickelt. In der Hand hält der Forscher das Modell eines Dinukleotids, aus welchem Aptamere aufgebaut sind. (c) Foto: Volker Lannert/Uni BonnNachteil vieler Tumortherapien ist, dass sie nicht nur die Krebszellen angreifen, sondern auch gesundes Gewebe in Mitleidenschaft ziehen. Wissenschaftler suchen deshalb fieberhaft nach Wegen, Krebszellen selektiv zu bekämpfen. Das Verbundprojekt „META“ beschreitet hier neue Wege zur Diagnose und Therapie von Prostatakarzinomen. Unter Federführung der Universität Bonn beteiligen sich fünf internationale Partner. Die Europäische Union fördert das Projekt in den nächsten drei Jahren mit rund 1,2 Millionen Euro.

    Prostatakrebs gehört nach Lungen- und Darmkrebs zu den häufigsten Krebserkrankungen des Mannes. An dem bösartigen Tumor der Vorsteherdrüse sterben in Deutschland etwa drei von 100 Männern. Das Ziel von „META“ (Metastases targeting aptamers) ist, neue Diagnose- und Behandlungsansätze für Prostatakarzinome zu erforschen. „Wir nutzen so genannte Aptamere, die im Körper speziell an diese Krebszellen binden“, sagt Prof. Dr. Günter Mayer vom Life and Medical Science Institute (LIMES) der Universität Bonn, der für die Gesamtkoordination des Projektes zuständig ist. „Mit ihrer Hilfe wollen wir die Tumor- und Metastasenzellen markieren und abtöten.“

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