Wenn der Krebs zweimal kommt

Gewebe- Dünnschnitt eines kutanen T-Zell-Lymphoms. Die Zellkerne sind blau gefärbt, PP4R1 braun. Die unter der Haut liegenden T-Zellen weisen keine braune Färbung und somit kein PP4R1 auf. - Quelle: Dr. Marco Herling, Universität Köln

Die Behandlung mit alleiniger Strahlentherapie könnte gegenüber einer kombinierten Strahlen- und Chemotherapie für Patienten mit Hodgkin-Lymphom langfristig zu einem erhöhten Risiko führen, Jahre später an einer anderen Krebsart zu erkranken. Dies ist ein Ergebnis einer Meta-Analyse der „Hodgkin Second Malignancies Collaborative Group“ im Kompetenznetz Maligne Lymphome, die Dr. Jeremy Franklin heute in Köln vorgestellt hat.

Sekundärneoplasien nach Hodgkin-Lymphom

„Diesen Befund, dass eine an sich schonendere Therapie das Risiko für einen Zweitkrebs in die Höhe treibt, erklären wir uns anhand unserer Daten damit, dass die nur strahlentherapeutisch behandelten Patienten eher einen Rückfall der Erkrankung erleiden. Diese muss dann mit einer sehr aggressiven Chemotherapie angegangen werden, die wiederum später den Zweitkrebs verursacht“, erklärte Franklin, der die Meta-Analyse für die Cochrane Haematological Malignancies Group durchgeführt hat. Um allerdings aus diesen Ergebnissen konkrete Empfehlungen ableiten zu können, müssen die Daten nach Aussage des Wissenschaftlers weiter ergänzt und aktualisiert werden.

Fach-Pressekonferenz
des VI. Internationalen Hodgkin-Symposiums

Köln, 20. September 2004

Jeremy Franklin, KölnDie Heilungschancen für Patienten mit dem Hodgkin-Lymphom haben sich Dank intensiverer Therapie in den letzten Jahrzehnten immer weiter verbessert, so dass die Patienten heute eine im Schnitt lange Überlebenserwartung haben. Allerdings erkranken auffällig viele Patienten oft Jahrzehnte nach erfolgreicher Hodgkin-Therapie an einem Zweitkrebs (Sekundärneoplasie). Dabei handelt es sich nicht um ein wiederkehrendes Hodgkin-Lymphom, sondern um eine andere Erkrankung, beispielsweise Lungenkrebs, Darmkrebs oder Leukämie. In Einzelfällen sind solche Erkrankungen ebenso wie in der Gesamtbevölkerung zu erwarten, insbesondere wenn die Patienten älter werden. Jedoch wurde in mehreren Untersuchungen festgestellt, dass die Häufigkeit bei Hodgkin-Patienten deutlich größer ist als bei anderen Menschen.

Gründe für diese Tatsache könnten sein, dass Hodgkin-Patienten generell anfälliger für allerlei Krebserkrankungen sind als andere Menschen oder dass das erhöhte Risiko eine Nebenwirkung der intensiven Therapie ist, die für ihre Heilung nötig ist. Es ist bekannt, dass sowohl Radiotherapie als auch die Einnahme zelltoxischer Chemikalien (wie in der Chemotherapie) Krebs auslösen kann. Darüber hinaus haben mehrere Untersuchungen gezeigt, dass die Häufigkeit des Zweitkrebses je nach erfolgter Hodgkin-Therapie deutlich variiert. Für die Zweitleukämie ist beispielsweise eindeutig die Chemotherapie verantwortlich, allerdings unterscheidet sich das Risiko stark je nach Zusammensetzung der Chemotherapeutika. Bei den weit häufigeren ’soliden‘ Tumoren wie zum Beispiel Lungenkrebs scheinen sowohl Bestrahlung als auch Chemotherapie eine Rolle zu spielen. Unklar ist jedoch bisher, wie sich das Gesamtrisiko einer Sekundärneoplasie am besten verringern lässt.

Die Suche nach dem besten Therapieansatz zur Vermeidung von Zweitkrebs

Im Jahre 2000 wurde in Köln im Rahmen des Kompetenznetzes Maligne Lymphome und der Cochrane Collaboration beschlossen, das Risiko von Zweitneoplasien nach Hodgkin-Lymphom für verschiedene Therapieformen systematisch zu untersuchen. „Da wir nicht bereit waren, Jahrzehnte zu warten, um die Spätfolgen beobachten zu können, griffen wir für die Analyse auf bereits erhobene Daten von in den letzten Jahrzehnten behandelten Patienten zurück“, erklärte Franklin. Um ohne Verzerrung vergleichen zu können wurden nur randomisiert kontrollierte Studien (RCT = randomised controlled trial) in die Untersuchung eingeschlossen, in denen unterschiedliche Therapieformen miteinander verglichen werden. „Zunächst suchten wir systematisch durch die medizinische Literatur, um möglichst alle in Frage kommenden Studien zu finden. Für die Endauswertung konnten wir nach eingehender Prüfung die Daten von einem Großteil der Studien mit den Methoden der Meta-Analyse auswerten“, so Franklin. Insgesamt wurden über 9.300 Patienten mit über 700 Zweitkrebs-Fällen aus 38 Studien eingeschlossen.

Mehr Zweitkrebs bei weniger Primärtherapie?

Die Ergebnisse dieser Meta-Analyse, die erst in diesem Monat vervollständigt worden ist, sind zum Teil überraschend: Patienten, die nur bestrahlt wurden, erkrankten häufiger an einem Zweitkrebs als Patienten, die zusätzlich auch eine Chemotherapie erhielten. Diese zunächst widersprüchlich anmutende Tatsache lässt sich möglicherweise erklären, wenn man nicht nur die Primärtherapie der Patienten, sondern auch eventuell erlittene Rückfälle der Erkrankung betrachtet: Der Rückfall eines Hodgkin-Lymphoms macht eine zweite, so genannte Salvagetherapie notwendig, die in der Regel viel intensiver ist als die Primärtherapie und daher ebenfalls Sekundärneoplasien verursachen kann. Die Analyse des Risikos für einen Rückfall zeigt, dass dies nach einer ausschließlichen Radiotherapie viel höher ist als nach einer kombinierten Radio-Chemotherapie. Daher bekommen also die Patienten, die anfangs nur bestrahlt worden sind, in vielen Fällen später noch eine zweite, intensivere Therapie, welche die Zweitkrebs-Rate in die Höhe treibt.

Trotz einiger eindeutiger Erkenntnisse zeigt die Untersuchung allerdings, dass auch nach systematischer Zusammenfassung vieler Studien die Datenlage nicht ausreicht, um eindeutige Therapieempfehlungen ableiten zu können: „Zu Beginn der früheren von uns erfassten Studien war das Problem der Sekundärneoplasien noch gar nicht bekannt, so dass eine systematische und vollständige Erfassung nicht eingeplant wurde. Deshalb muss unsere Analyse durch weitere Nachbeobachtungen und den Einschluss neuer Studien aktualisiert werden“, betonte Franklin.

Weitere Informationen:

Jeremy Franklin
Hodgkin Second Malignancies Collaborative Group
im Kompetenznetz Maligne Lymphome
Herderstraße 52-54
50931 Köln
Tel.: 0221-478 5894
Fax: 0221-478 6311
E-Mail: jeremy.franklin@biometrie.uni-koeln.de

Presse- und Öffentlichkeitsarbeit: Antje Schütt M.A.
Zentrale des Kompetenznetzes Maligne Lymphome
Klinikum der Universität zu Köln
Joseph-Stelzmann-Str. 9, 50924 Köln
Tel.: 0221/478-7405, Fax: 0221/478-7406
E-Mail: antje.schuett@medizin.uni-koeln.de
Internet: www.lymphome.de

Kompetenznetz Maligne Tumoren, Antje Schütt


Krebszeitung

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