Wie viel Behandlung brauchen ältere Krebspatienten?

Patientin - pixabay

Internationale Experten fordern Änderungen bei klinischen Studien zur Erforschung von Krebstherapien, um älteren Patienten besser gerecht zu werden

Überleben Patienten durch die Behandlung mit einem neuen Krebsmedikament oder einem neuen Verfahren länger oder lässt sich der Krebs damit länger zurückdrängen als mit herkömmlichen Therapien? Das sind die Fragen, die klinische Studien in der Krebsmedizin zu beantworten versuchen; Voraussetzung für die Zulassung einer neuen Therapie ist ein deutliches „ja“.

„Wir beobachten aber seit geraumer Zeit, dass dieses Studiendesign den Bedürfnissen der älteren Krebspatienten, die den Großteil unserer Patienten ausmachen, nicht entspricht“, so PD Dr. Ulrich Wedding, Onkologe und Chefarzt der Abteilung für Palliativmedizin am Universitätsklinikum Jena. „Patienten, die in Krebsstudien eingeschlossen werden, sind im Schnitt zehn Jahre jünger als der durchschnittliche Krebspatient, viele typische Begleiterkrankungen sind oftmals Ausschlusskriterien für eine Studienteilnahme.“

Wedding ist Mitglied in einer internationalen Expertengruppe, die die stärkere Berücksichtigung älterer Patienten und ihrer Gesundheitssituation bei Krebsstudien fordert. In einem jetzt veröffentlichten Positionspapier sprechen sich die Europäische Organisation für Forschung und Behandlung von Krebs, die Internationale Gesellschaft für Geriatrische Onkologie und die Allianz für Klinische Studien in der Onkologie dafür aus, sowohl fitte als auch ältere und gebrechliche Patienten in Krebsstudien einzuschließen. Studien speziell für ältere Krebspatienten sollten zur Pflicht werden, wenn sich die Standard-Therapie von der bei jüngeren Patienten unterscheidet.

Obwohl Studien, in denen die Teilnehmer zufällig der Interventions- oder der Kontrollgruppe zugewiesen werden, als Goldstandard in der klinischen Forschung gelten, könnten diese nicht alle Fragen für die Behandlung älterer Patienten beantworten, so die Autoren. Deshalb empfehlen sie auch kleinere Untersuchungen, eventuell ohne Kontrollgruppe, um Erkenntnisse zu Wirksamkeit und Toxizität für enger umschriebene Patientengruppen zu gewinnen. Es sei wesentlich, in künftige onkologische Studien mit älteren Patienten vergleichbare geriatrische Bewertungskriterien zu integrieren. Große Beobachtungsstudien und die Auswertung von Krebsregistern könnten weitere Ergebnisse liefern. Die Zulassungsbehörden sollten Belege für Wirksamkeit und Sicherheit von neuen Therapien bei älteren und gebrechlichen Patienten einfordern, regt die Expertengruppe an, die über 13.000 Krebsmediziner weltweit repräsentiert.

Die Onkologen des Universitätsklinikums sehen in dem Positionspapier eine wichtige Datensammlung für künftige Studienprojekte. „Die Einbeziehung älterer und gebrechlicher Patienten in hochwertige klinische Studien sind eine zentrale Aufgabe der forschenden Altersmedizin, gerade in der Onkologie“, betont Prof. Dr. Andreas Hochhaus, Direktor des UniversitätsTumorCentrums. Die Erforschung der Alterns und altersassoziierter Erkrankungen ist ein wissenschaftlicher Schwerpunkt am Jenaer Uniklinikum.

Mit dem Fokus auf geriatrische Krebspatienten ergeben sich völlig neue Studienfragen, die sich für jüngere Patienten nicht stellen. Ulrich Wedding: „Wir sollten auch unterschiedliche Behandlungsstrategien vergleichen, wie z.B. Therapie der Krebserkrankung und symptommindernde Versorgung. Denn bei älteren Patienten tritt oft die Frage nach der verbleibenden Lebenszeit zurück hinter die nach der noch möglichen Lebensqualität.“

Originalliteratur:
Wildiers et al. End Points and Trial Design in Geriatric Oncology Research: A Joint European Organisation for Research and Treatment of Cancer – Alliance for Clinical Trials in Oncology – International Society of Geriatric Oncology Position Article, Journal of Clinical Oncolocy, September 9, 2013, doi: 10.1200/JCO.2013.49.6125
<http://jco.ascopubs.org/content/early/2013/09/09/JCO.2013.49.6125.short>

Kontakt:
PD Dr. Ulrich Wedding
Abteilung Palliativmedizin, Klinik für Innere Medizin II,
Universitätsklinikum Jena
Tel: 03641/9392200
E-Mail: Ulrich.Wedding[at]med.uni-jena.de

Pressemitteilung Universitätsklinikum Jena, Dr. Uta von der Gönna

Licht zerstört Tumoren im Auge


Krebszeitung

--Download Wie viel Behandlung brauchen ältere Krebspatienten? als PDF-Datei --


  • Abb. a: Symptomatische Pneumonitis vier Wochen nach Strahlentherapie eines Lungenkarzinoms mit 60 Gy. Abb. b: Fibrotische Residuen sechs Monate nach Strahlentherapie.
    Krebsthemen
    Berlin – Wer eine Krebserkrankung von Enddarm oder Gebärmutter überlebt hat, erkrankt in den Folgejahren dreimal häufiger als andere Menschen erneut an einem bösartigen Tumor. Fester Bestandteil der Therapie ist heute die Bestrahlung der Beckenorgane. [...mehr lesen]
  • Kursteilnehmer beim Qigong Training - Copyright des Bildes: A.Schmieder
    Krebsthemen

    [21.08.2012]Kursteilnehmer beim Qigong Training -  Copyright des Bildes: A.SchmiederDer Qi­gong-Kurs ist ein An­ge­bot der Psy­choon­ko­lo­gie am Uni­ver­si­tä­ren Cen­trum für Tu­mor­er­kran­kun­gen (UCT). Bis­he­ri­ge Stu­di­en lie­fern ers­te Hin­wei­se, dass re­gel­mä­ßi­ges Qi­gong-Trai­ning für vie­le Pa­ti­en­ten zu ei­ner Ver­bes­se­rung der Le­bens­qua­li­tät bei­tra­gen kann. Es wird ver­mu­tet, dass die Mi­schung aus kör­per­li­cher Be­we­gung und Kon­zen­tra­ti­on die­sen po­si­ti­ven Ef­fekt be­wirkt. Das Trai­ning fin­det im Re­ha­do­me Main Tain in Frank­furt-Nie­der­rad statt und wird von ei­nem qua­li­fi­zier­ten Trai­ner be­treut. Die Kurs­ein­hei­ten sind je­weils zwei Mo­na­te lang. Die Kursan­mel­dung er­folgt über die Ruf­num­mer 0178 / 33 72 468.

    Pa­ti­en­ten, die auf­grund ei­ner Krebs­er­kran­kung in Hessen an einer Klinik behandelt werden, kön­nen kos­ten­los an ei­nem Qi­gong-Kurs teil­neh­men.

    Der Be­such des Kur­ses ist kos­ten­los. Um ei­nen po­si­ti­ven Ef­fekt zu er­zie­len, wird die Teil­nah­me zwei­mal in der Wo­che für je­weils 40 Mi­nu­ten emp­foh­len. An den rest­li­chen Ta­gen der Wo­che soll­te 15 bis 20 Mi­nu­ten täg­lich selbst­stän­dig zu Hau­se ge­übt wer­den. Das Kurs­an­ge­bot wird wis­sen­schaft­lich be­glei­tet, wo­bei die Teil­nah­me an ei­ner Stu­die frei­wil­lig ist.

    […mehr lesen]

Google News – Gesundheit