Wirksam und sicher – Bewertung der ersten zehn Jahre Darmspiegelung in der Krebsvorsorge

Postkarte für die Darmkrebs-Vorsorge - Quelle: Dr. Thomas Block

Wissenschaftler im Deutschen Krebsforschungszentrum werteten die Daten der ersten zehn Jahre der Vorsorge-Koloskopie (Darmspiegelung) aus: Ihr Fazit: Durch die etwa 4,4 Millionen Vorsorge-Koloskopien wurden circa 180.000 Darmkrebsfälle verhütet. Dem stehen 4500 Überdiagnosen gegenüber.

Deutschland war 2002 eines der ersten Länder weltweit, das die Darmspiegelung als Bestandteil des gesetzlichen Krebsvorsorgeprogramms eingeführt hat. Zehn Jahre nach dem Start dieses Programms ziehen nun Wissenschaftler aus dem Deutschen Krebsforschungszentrum Bilanz: Wie viele Krebsfälle konnten durch das Screening-Programm bisher verhütet, wie viele Tumoren frühzeitig entdeckt werden? Und wie steht es um die Überdiagnosen, also denjenigen bösartigen Befunden, die zu Lebzeiten der Betroffenen gar nicht klinisch in Erscheinung getreten wären?

Die Forscher zogen für ihre Studie die Befunde der 4,4 Millionen Vorsorge-Koloskopien heran, die zwischen 2003 und 2012 durchgeführt wurden. „Das ist die bisher umfassendste Auswertung des nationalen Vorsorge-Koloskopie-Programms“, sagt Studienleiter Prof. Hermann Brenner vom Deutschen Krebsforschungszentrum, der die Berechnungen durchgeführt hat.

Grundlage für die Berechnungen ist ein mathematisches Modell, das neben den Befunden und der Sterblichkeitsrate unter anderem auch berücksichtigt, mit welcher Häufigkeit und in welchem Zeitraum sich verschiedene Darmkrebsvorstufen zu bösartigem Krebs weiterentwickeln.

Insgesamt wurden in den ersten zehn Jahren Vorsorge-Koloskopie 180.000 Krebsvorstufen entdeckt und konnten gleich während der Untersuchung entfernt werden. Die Ärzte fanden außerdem mehr als 40.000 Fälle von Darmkrebs frühzeitig in einem Stadium, in dem zumeist noch eine Heilung möglich ist. Dem gegenüber standen nur etwa 4500 Überdiagnosen.

„Um eine Krebsvorstufe zu finden und damit einen Krebsfall zu vermeiden, müssen 28 Darmspiegelungen durchgeführt werden. Bei einer unter 121 Untersuchungen wird ein bösartiger Tumor frühzeitig erkannt. Aber nur eine von 1089 Untersuchungen führt zu einer Überdiagnose“ erläutert Dr. Michael Hoffmeister, einer Autoren der Arbeit, und ergänzt: „Bei Teilnehmern unter 75 Jahren resultieren nur 0,4 Prozent der Darmspiegelungen in einer Überdiagnose – damit schneidet die Vorsorge-Koloskopie deutlich besser ab als andere Programme zur Krebs-Früherkennung. Bei der Mammographie beispielsweise führt ein deutlich höherer Prozentsatz der Untersuchungen zu einer Überdiagnose.“

Die Wahrscheinlichkeit, durch die Endoskopie einem Krebsfall vorzubeugen, ist am höchsten, wenn die Untersuchung um das 60. Lebensjahr vorgenommen wird. Mit steigendem Alter der Screening-Teilnehmer steigt auch die Rate der Überdiagnosen.

Hermann Brenners Fazit ist eindeutig: „Die Darmspiegelung wird auf lange Sicht nicht nur die Darmkrebs-Sterblichkeit senken. Das endoskopische Screening ist echte Prävention. Im Gegensatz zu anderen Screening-Programmen wird zusätzlich auch das Auftreten neuer Krebsfälle deutlich zurückgehen.“

Hermann Brenner, Lutz Altenhofen, Christian Stock, Michael Hoffmeister: Prevention, Early Detection, and Overdiagnosis of Colorectal Cancer Within 10 Years of Screening Colonoscopy in Germany. Clinical Gastroenterology and Hepatology 2014, DOI: 10.1016/j.cgh.2014.08.036

Das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ) ist mit mehr als 3.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern die größte biomedizinische Forschungseinrichtung in Deutschland. Über 1000 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler erforschen im DKFZ, wie Krebs entsteht, erfassen Krebsrisikofaktoren und suchen nach neuen Strategien, die verhindern, dass Menschen an Krebs erkranken. Sie entwickeln neue Methoden, mit denen Tumoren präziser diagnostiziert und Krebspatienten erfolgreicher behandelt werden können. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Krebsinformationsdienstes (KID) klären Betroffene, Angehörige und interessierte Bürger über die Volkskrankheit Krebs auf. Gemeinsam mit dem Universitätsklinikum Heidelberg hat das DKFZ das Nationale Centrum für Tumorerkrankungen (NCT) Heidelberg eingerichtet, in dem vielversprechende Ansätze aus der Krebsforschung in die Klinik übertragen werden. Im Deutschen Konsortium für Translationale Krebsforschung (DKTK), einem der sechs Deutschen Zentren für Gesundheitsforschung, unterhält das DKFZ Translationszentren an sieben universitären Partnerstandorten. Die Verbindung von exzellenter Hochschulmedizin mit der hochkarätigen Forschung eines Helmholtz-Zentrums ist ein wichtiger Beitrag, um die Chancen von Krebspatienten zu verbessern. Das DKFZ wird zu 90 Prozent vom Bundesministerium für Bildung und Forschung und zu 10 Prozent vom Land Baden-Württemberg finanziert und ist Mitglied in der Helmholtz-Gemeinschaft deutscher Forschungszentren.

Ansprechpartner für die Presse:

Dr. Stefanie Seltmann
Leiterin Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Deutsches Krebsforschungszentrum
Im Neuenheimer Feld 280
69120 Heidelberg
T: +49 6221 42-2854
F: +49 6221 42-2968
E-Mail: S.Seltmann@dkfz.de

Dr. Sibylle Kohlstädt
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Deutsches Krebsforschungszentrum
Im Neuenheimer Feld 280
69120 Heidelberg
T: +49 6221 42 2843
F: +49 6221 42 2968
E-Mail: S.Kohlstaedt@dkfz.de

E-Mail: presse@dkfz.de


Weitere Informationen:

http://www.dkfz.de

Pressemitteilung
Deutsches Krebsforschungszentrum, Dr. Stefanie Seltmann


Krebszeitung

--Download Wirksam und sicher – Bewertung der ersten zehn Jahre Darmspiegelung in der Krebsvorsorge als PDF-Datei --


  • Impfen gegen Gebärmutterhalskrebs - Quelle: 16.05.13_foto sanofi pasteur msd
    Gebärmutterhalskrebs

    Impfen gegen Gebärmutterhalskrebs - Quelle: 16.05.13_foto sanofi pasteur msd

    Gebärmutterhalskrebs – diese Tumorerkrankung ist nach Brustkrebs die zweithäufigste bei Frauen zwischen 15 und 44 Jahren. Wie eine Impfung vorbeugen kann, zeigt dieser Überblick.

    Frauen, die an Gebärmutterhalskrebs erkranken, sind oft bereits in ihrer Jugend von den Auslösern infiziert worden: „Humane Papillomviren, kurz HPV, können viele verschiedene Erkrankungen verursachen. Erwiesen ist, dass Infektionen mit bestimmten HPV-Typen für die Entstehung von Krebserkrankungen und deren Vorstufen am Gebärmutterhals, der Scheide, des äußeren weiblichen und männlichen Genitalbereichs verantwortlich sind“, erklärt Professorin Dr. med. Monika Hampl. Die Expertin ist leitende Oberärztin der Frauenklinik am Universitätsklinikum Düsseldorf sowie unter anderem Mitglied der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG), der Arbeitsgemeinschaft für Infektionen und Infektionsimmunologie in der Gynäkologie und Geburtshilfe (AGI) sowie der Arbeitsgemeinschaft für gynäkologische Onkologie (AGO).

    […mehr lesen]

  • Hautnah betrachten - Hautkrebs früh erkennen - Quelle: Patientenratgeber der Deutschen Krebshilfe
    Allgemein
    Deutsche Krebshilfe und ADP geben einfache UV-Schutztipps Bonn (sts) – Endlich Frühling. Die Cafés und Parks füllen sich, das Fahrrad wird aus dem Keller geholt, Groß und Klein genießen Licht und Wärme der Sonne. Vergessen [...mehr lesen]

Google News – Gesundheit