Zellteilung unmöglich: Optimierter Wirkstoff schickt Krebszellen in den Tod

Eine ferroptotische Zelle Quelle: Helmholtz Zentrum München
Eine ferroptotische Zelle Quelle: Helmholtz Zentrum München

Viele Tumorzellen haben eine fehlerhafte Zellausstattung. Nur mithilfe eines Tricks gelingt es ihnen, ihre Chromosomen während der Zellteilung korrekt auf ihre Tochterzellen zu verteilen. Wissenschaftler aus dem Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) haben nun eine Substanz entwickelt, die diesen Trick vereitelt und Krebszellen während der Zellteilung in den Tod führt. Ihre Ergebnisse haben die Forscher in der Zeitschrift „Cancer Research“ veröffentlicht.

Bei der Teilung von gesunden Zellen werden die Chromosomen, das Erbmaterial, auf genau zwei Tochterzellen gleichmäßig verteilt. Für einen ordnungsgemäßen Ablauf sorgen zwei sogenannte Polkörperchen. Zu Beginn der Zellteilung liegen sie an den gegenüberliegenden Polen der Zelle und bilden Zugfasern aus Proteinen zu den einzelnen Chromosomen aus. Anschließend werden diese unter Spannung zu jeweils einem Pol gezogen und so gleichmäßig auf die beiden Tochterzellen verteilt. Krebszellen haben meist zu viele Polkörperchen. So sollte eine korrekte Zellteilung eigentlich nicht mehr möglich sein, was zum Tod der Krebszellen führen würde – doch haben die meisten Krebszellen einen Trick entwickelt, um diesem Schicksal zu entgehen: Sie bündeln die Polkörperchen zu Aggregaten auf zwei Pole zusammen.

„Diese Aggregatbildung haben wir bereits vor einigen Jahren als potenziellen Angriffspunkt für eine Krebstherapie erkannt“, sagt Professor Alwin Krämer, Leiter der Klinischen Kooperationseinheit Molekulare Hämatologie/Onkologie am DKFZ. In weiteren Untersuchungen fanden die Forscher heraus, dass das Antibiotikum Griseofulvin die Aggregatbildung unterbindet.

Professor Alwin Krämer und Dr. Marc S. Raab, Leiter der Max-Eder-Nachwuchsgruppe Experimentelle Therapien hämatologischer Neoplasien am DKFZ, ist es nun in einer Kooperation mit einem internationalen Forscherteam gelungen, diese Substanz für die Krebstherapie weiter zu entwickeln. An dem Projekt waren unter anderem Wissenschaftler des Universitätsklinikums Heidelberg beteiligt. „Der optimierte Wirkstoff GF-15 setzt die Spannung der Zugfasern herab und verhindert so die Bildung der Aggregate. Daraufhin läuft die Zellteilung chaotisch ab, was schließlich zum Tod der Krebszelle führt“, erläutert Raab. Seine Nachwuchsgruppe wird von der Deutschen Krebshilfe gefördert.

Die Forscher testeten den Inhibitor zunächst in der Kulturschale. Die Substanz wirkte auf verschiedene Zelllinien, die von so unterschiedlichen Krebsarten abstammten wie Dickdarmkrebs, Gebärmutterhalskrebs, Hirntumoren oder Blutkrebs. Auf gesunde Zellen zeigte GF-15 dagegen keine Wirkung. Daraufhin testeten die Wissenschaftler den Wirkstoff auch an Mäusen, die an Dickdarmkrebs oder Knochenmarkkrebs erkrankt waren. Die behandelten Tiere überlebten deutlich länger als die unbehandelten und zeigten keine schwerwiegenden Nebenwirkungen. „GF-15 weist günstigere pharmakologische Eigenschaften auf als das ursprüngliche Griseofulvin: Es ist spezifischer und wirksamer“, erklärt Krämer. Weitere Tests müssen zeigen, ob GF-15 tatsächlich bis zum wirksamen Krebsmedikament weiterentwickelt werden kann.

Raab MS, Breitkreutz I, Anderhub S, Ronnest MH, Leber B, Larsen TO, Weiz L, Konotop G, Hayden PJ, Podar K, Fruehauf J, Nissen F, Mier W, Haberkorn U, Ho AD, Goldschmidt H, Anderson KC, Clausen MH, Krämer A. GF-15, a novel inhibitor of centrosomal clustering, suppresses tumor cell growth in vitro and in vivo. Cancer Research, 31. August 2012, doi:10.1158/0008-5472.CAN-12-2026

Das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ) ist mit mehr als 2.500 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern die größte biomedizinische Forschungseinrichtung in Deutschland. Über 1000 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler erforschen im DKFZ, wie Krebs entsteht, erfassen Krebsrisikofaktoren und suchen nach neuen Strategien, die verhindern, dass Menschen an Krebs erkranken. Sie entwickeln neue Ansätze, mit denen Tumoren präziser diagnostiziert und Krebspatienten erfolgreicher behandelt werden können. Gemeinsam mit dem Universitätsklinikum Heidelberg hat das DKFZ das Nationale Centrum für Tumorerkrankungen (NCT) Heidelberg eingerichtet, in dem vielversprechende Ansätze aus der Krebsforschung in die Klinik übertragen werden. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Krebsinformationsdienstes (KID) klären Betroffene, Angehörige und interessierte Bürger über die Volkskrankheit Krebs auf. Das Zentrum wird zu 90 Prozent vom Bundesministerium für Bildung und Forschung und zu 10 Prozent vom Land Baden-Württemberg finanziert und ist Mitglied in der Helmholtz-Gemeinschaft deutscher Forschungszentren.

Dr. Stefanie Seltmann
Leiterin Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Deutsches Krebsforschungszentrum
Im Neuenheimer Feld 280
D-69120 Heidelberg
T: +49 6221 42 2854
F: +49 6221 42 2968
presse@dkfz.de

Pressemitteilung vom Deutschen Krebsforschungszentrum


Krebszeitung

--Download Zellteilung unmöglich: Optimierter Wirkstoff schickt Krebszellen in den Tod als PDF-Datei --


  • Einladung für den Workshop - Visions for future Diagnostics Grafik: die superpixel - Büro für Gestaltung und Illustration
    Forschung

    Einladung für den Workshop - Visions for future Diagnostics Grafik: die superpixel - Büro für Gestaltung und IllustrationKrisen bieten die Chance, ein Umdenken anzuregen. Obwohl die Industrie im Bereich der optischen Technologien für Medizin und die Life Sciences (der Biophotonik) augenblicklich offenbar kaum von der Wirtschaftskrise betroffen ist, so kommt eine andere Krise unausweichlich auf sie und die Gesellschaft zu – die Überalterung und die damit verbundenen Folgen für die Gesundheitssysteme.

    Krankheiten früher als bisher diagnostizieren, ihre Ursachen verstehen und mit schonenden und gezielten Verfahren heilen – all dies machen neueste optische Technologien möglich. Besonders die steigende Zahl an Krebserkrankungen ließe sich mit ihnen effektiver bekämpfen. Doch damit diese innovativen Verfahren schnell und in bedarfsgerechter Form in Kliniken und Forschungslabors ankommen, müssen Anwender und Entwickler enger zusammenarbeiten. Einen Impuls hierfür soll der Workshop „Visions for Future Diagnostics“ vermitteln, der am 17. Juni 2009 im Rahmen der Weltleitmesse für Optische Technologien LASER World of PHOTONICS stattfindet.

     

    […mehr lesen]

  • Im Vergleich mit dem natürlichen Wuchs (links) der Versuchspflanze (Arabidopsis thaliana) sind die mutierten Pflanzen deutlich im Wachstum zurück geblieben. An diesen erforschen die Wissenschaftler die Defekte bei der DNA. - Quelle: ZMBP Uni Tübingen
    Seltene Tumorarten

    MHH-Wissenschaftler findet genetische Varianten, die zur Entwicklung von Hodentumoren beitragen / Veröffentlichung in Nature Genetics und in Human Molecular Genetics

    Hodentumoren sind die häufigsten Tumoren bei jungen Männern. Sie neigen stärker als viele andere Krebsarten dazu, gehäuft in bestimmten Familien aufzutreten. Das deutet darauf hin, dass die Entstehung dieser Tumoren durch erbliche Faktoren begünstigt wird. Zwei neue in den namhaften Zeitschriften Nature Genetics und in Human Molecular Genetics erschienene Artikel beschreiben insgesamt fünf neue genetische Varianten, die mit dem Risiko der Entwicklung von Hodentumoren assoziiert sind.

    […mehr lesen]

Google News – Gesundheit