Zentren in der Frauenheilkunde nutzen den Patientinnen

Kongress - pixabay
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In bestimmten Bereichen der Medizin ist besonders viel Erfahrung der behandelnden Ärztinnen und Ärzte ebenso notwendig wie modernste apparative Ausstattung, um Patienten eine umfassende Betreuung von höchster Qualität zukommen lassen zu können. Dies gilt gerade auch für die gynäkologische Spezialversorgung. Für verschiedene Krankheiten, beispielsweise Brustkrebs, sind solche Zentren ebenso erfolgreich eingerichtet worden wie etwa für Risikogeburten. Allerdings gibt es noch Probleme, etwa bei der Qualifizierung und Finanzierung.

Auch für Gynäkologie und Geburtshilfe hat sich in den vergangenen Jahren viel geändert. Dazu gehören die Einführung neuer Strukturen, etwa des DRG-Systems, eine neuen Weiterbildungsordnung für Ärzte sowie das Wettbewerbsstärkungsgesetz der gesetzlichen Krankenkassen. Darüber hinaus wünschen Patientinnen und Selbsthilfegruppen zu Recht mehr Mitbestimmung, was ebenso die Zentralisierung der Angebote in spezialisierten Einrichtungen fördert. Zentrumsbildung erstreckt sich auf alle Bereiche der Frauenheilkunde von spezieller Geburtshilfe über Schwerpunktbereiche wie Uro-Gynäkologie oder Endometriose-Behandlung bis zur gynäkologischen Krebsbehandlung. Ärzte aus verschiedenen Disziplinen sowie andere Fachleute arbeiten in solchen Zentren zusammen.

So sind im Jahr 2004 die ersten Brust(Krebs)zentren entstanden. Inzwischen gibt es 167 zertifizierte Mammazentren. Von den über 57.000 Frauen, die pro Jahr neu an einem Brustkrebs erkranken, wird derzeit ungefähr die Hälfte in zertifizierten Zentren versorgt. Unter Hinzuzählung der 80 durch das Sozialministerium in Nordrhein-Westfalen definierten Brustzentren kann man davon ausgehen, dass rund 85 Prozent der Patientinnen mit der Erstdiagnose Mammakarzinom in entweder zertifizierten oder in akkreditierten Struktureinheiten versorgt werden.

Ein Problem ist aber, ob die angemeldeten Zentren auch so viele Fälle behandeln, dass sie die notwenige Erfahrung aufweisen können. Solche Mindestmengen werden von den Fachgesellschaften als nicht der einzige, aber als ein wichtiger Teil der Qualifikation angesehen. Nach den Daten der Bundesgeschäftsstelle für Qualitätssicherung (BQS) für das Jahr 2007 können von 1.046 meldenden Krankenhäuser mit der Diagnose „invasives Mammakarzinom“ nur 146 Häuser mehr als 100 Fälle aufweisen. Der Gesetzgeber hat bei den Einrichtungen, die das Mammographie-Screening durchführen, nicht darauf geachtet, dass sie direkt an zertifizierten Zentren angebunden sein sollten.

Um nach einer Brustkrebs-Diagnose die Behandlung in bestmöglicher Qualität zu gewährleisten, sollte dies nachgeholt werden. Eine qualitätsgesicherte Versorgung ist aber nicht nur für Patientinnen mit Mammakarzinom, sondern genauso für Patientinnen mit zum Beispiel Eierstockkrebs, Gebärmutterschleimhaut- oder Gebärmutterhalskrebs zu fordern. Auch die Selbsthilfe nach Krebs hat eine Gleichstellung der Behandlungsqualität für diese Patientinnen mit Genitalkrebs angemahnt. Die Arbeitsgemeinschaft für Gynäkologische Onkologie (AGO) hat in Kooperation mit der Deutschen Krebsgesellschaft (DKG) und der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG) deshalb ein interdisziplinäres Zertifizierungsverfahren in Analogie zu dem für Brust(Krebs)zentren etabliert.

Die beiden ersten Zertifizierungsurkunden werden im Rahmen des DGGG-Kongresses 2008 an die Zentren Erlangen und Regensburg überreicht. Die Diskussion über die beschriebenen, notwendigen Mindestmengen wird derzeit besonders heftig bei Einrichtungen geführt, in denen Frühgeborene behandelt werden (siehe dazu den Pressetext von Prof. Vetter).

Die Versorgung von Schwangeren, bei denen die Geburt eines sehr untergewichtigen Kindes zu befürchten ist, ist an gesetzlich definierte Vorgaben gebunden. Sie sollte nur in solchen Perinatalzentren erfolgen, die dafür bestimmte Infrastrukturen und ärztliche wie pflegerische Qualifikationen vorhalten können. In der Realität ist jedoch derzeit die vom Gesetzgeber angestrebte Garantie einer qualitätsgesicherten Versorgung gefährdet. In der allgemeinen Gynäkologie und insbesondere in der operativen Gynäkologie sind in den letzten zwei Jahren ebenfalls Strukturen im Sinne der Zentralisierung, interdisziplinären Zusammenarbeit und Spezialisierung auf bestimmte Krankheitsbilder auf den Weg gebracht worden.

Die Arbeitsgemeinschaft für Urogynäkologie und plastische Beckenbodenrekonstruktion (AGUB) hat ein Dreistufen-System der Zertifizierung etabliert. Besonders versierte Kolleginnen und Kollegen sollten in der Diagnostik und Therapie die umfassenden Strategien zum Beispiel der Behandlung von Inkontinenz oder Beckenbodenschwäche durchführen. Gleiches gilt für Frauen mit Endometriose, die zum Teil immer noch erst nach über sechs Jahren die richtige Diagnose erfahren.

Die Arbeitsgemeinschaft für Gynäkologische Endokrinologie (AGE), die Deutsche Gesellschaft für gynäkologische Endokrinologie und Fortpflanzungsmedizin (DGGEF) und die Stiftung für Endometrioseforschung haben ein Zertifizierungsverfahren für die Diagnostik und Therapie von Frauen mit Endometriose etabliert. Die Beteiligung der Selbsthilfegruppen ist hier Bestandteil der Zertifizierung, ebenso wie psychologische Unterstützung. Durch Zentrumsbildung wird eine qualitätsgesicherte, extern überprüfbare und umfassende Versorgung gewährleistet.

Problematisch ist aber, dass ihre Finanzierung im derzeitigen System nicht gewährleistet ist. Klinische Struktureinheiten, die den hohen Ansprüchen genügen wollen, laufen Gefahr, ein finanzielles Defizit zu erzielen. Die derzeitige DRG-Systematik erlaubt hier keine Sonderentgelte. Veränderungen im Entlohnungssystem sind unabdingbar, um die öffentlich geleugnete, aber bereits im Entstehen begriffene Zweiklassenmedizin nicht zu verstärken.

Ansprechpartner:

Prof. Dr.med. Matthias W. Beckmann
Universitätsklinikum Erlangen, Frauenklinik
Universitätsstraße 21-23,
91054 Erlangen
Tel.: 09131/853-3451; Fax: -3456

Pressetext von Prof. W. Beckmann, Erlangen


Krebszeitung

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